Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Nightfall In Middle-Earth (1998)

Alben-Titel: Nightfall In Middle-Earth
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. April 1998
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. War of Wrath (01:50)
2. Into the Storm (04:24)
3. Lammoth (00:28)
4. Nightfall (05:34)
5. The Minstrel (00:32)
6. The Curse of Feanor (05:41)
7. Captured (00:26)
8. Blood Tears (05:23)
9. Mirror Mirror (05:06)
10. Face the Truth (00:24)
11. Noldor (Dead Winter Reigns) (06:51)
12. Battle of Sudden Flame (00:43)
13. Time Stands Still (At the Iron Hill) (04:53)
14. The Dark Elf (00:23)
15. Thorn (06:18)
16. The Eldar (03:39)
17. Nom the Wise (00:33)
18. When Sorrow Sang (04:25)
19. Out on the Water (00:44)
20. The Steadfast (00:21)
21. A Dark Passage (06:01)
22. Final Chapter (Thus Ends…) (00:48)

Man nehme sich mal wieder Zeit für ein gutes Buch, oder…

Die Tätigkeit etwaige Power Metal-Diskografien im Sinne eines Blogs wie dem gerade gelesenen aufzuarbeiten kann schon mal zu einer etwas ermüdenden Angelegenheit werden. Und das trotz des potentiell hochkarätigen Materials welches – natürlich nur im besten Fall – einer entsprechenden Entdeckung harrt. Bei den Kollegen von BLIND GUARDIAN sieht die Sache aber etwas anders aus – schließlich lieferte die bereits 1984 als LUCIFERS HERITAGE gegründete Metal-Combo nicht nur relativ kontinuierlich gute bis herausragende Genre-Alben ab – sondern sorgte im Laufe der Jahre auch für die ein oder andere, unter Umständen sogar bis heute streitbare Überraschung. Die erste größere war dabei sicherlich die Entwicklung, die die Band von den ersten beiden Alben BATTALIONS OF FEAR (siehe Review) und FOLLOW THE BLIND (Review) hin zu ihren schon deutlicher einem fantastisch angehauchten europäischen Power Metal zuzuordnenden Werken TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) und SOMEWHERE FAR BEYOND (Review) an den Tag legte. Eines aber hatten BLIND GUARDIAN bis dato noch nicht gewagt, und das trotz des engagierten Ausprobierens ins viele erdenkliche Richtungen: ein Konzeptalbum abzuliefern, dass gleich in mehrerlei Hinsicht mit den bisherigen Releases brechen und den Status der Band mit einer noch markanteren Einzigartigkeit versehen würde. Vorausgesetzt natürlich, man würde die angestammten Fans nicht allzu sehr vergrätzen.

Interessanterweise neigen manche dazu, genau das vom 1998 veröffentlichten NIGHTFALL IN MIDDLE-EARTH zu behaupten. Und das vornehmlich, da BLIND GUARDIAN hier auf ein explizit ausgeführtes Fantasy-Konzept mit einer großen, durch zahlreiche Interludes vorangetriebenen Geschichte setzten – und andererseits, da sie sich in den eigentlichen Haupt-Titeln nicht immer von ihrer schlagkräftigsten Seite inszenierten. Tatsächlich sind diese beiden Kritikpunkte auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen – insbesondere natürlich, was die mit recht beliebig erscheinenden Sprechpassagen und Hörspielelementen versehenen Interludes angeht. Nicht nur dass selbige ein gewisses Grundwissen voraussetzen und den Fluss des Albums teils merklich stören können – auch besitzen sie für sich betrachtet keine wie auch immer geartete musikalische Wertigkeit. Letztendlich wird einem also kaum etwas anderes übrig bleiben, als das Album auf das absolut Wesentliche zu reduzieren – was hier noch immer in einem potentiellen Genuss von 11 vollwertigen BLIND GUARDIAN-Titel mündet. Das Problem: wenngleich sich BLIND GUARDIAN spürbar bemühten, sowohl eine möglichst dichte Atmosphäre zu generieren als auch für einen größtmöglichen musikalischen Abwechslungsreichtum zu sorgen; scheint das Konzept hier einfach nicht wirklich aufzugehen. Zumindest nicht so wie erwartet und wie von der Band erhofft – woran auch die alles andere als spärlich gesäten Durststrecken (und das nicht nur in Form der Interludes) einen nicht unerheblichen Anteil haben.

So ist es einerseits schön zu sehen (und zu hören), dass sich die Band nach ihrem deutlich raueren und im schlimmsten Fall auch als dezent orientierungslos zu bezeichnenden Vorgänger IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE (Review) aufmachte, ein neues musikalisches Kapitel zu schreiben und ihrer Diskografie eine weitere interessante Facette hinzuzufügen – doch andererseits kann man im Fall von NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH einfach nicht von einem nennenswert mitreißenden Genre-Album sprechen. Sicher, die Pionierarbeit die BLIND GUARDIAN im Sinne des gegen Ende der 90er Jahre in Europa aufkommenden Symphonic Power Metal-Genres leisteten; ist ihnen keinesfalls abzusprechen. Manchmal ist das Leben aber einfach etwas ungerecht – was in diesem Fall bedeutet, dass es etwaige spätere Nachahmer (oder jene, die sich in einem positiven Sinne von einem Werk wie NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH inspirieren ließen) möglicherweise doch etwas besser gemacht haben als BLIND GUARDIAN mit ihrer frühen Vorlage. Auch wenn das Album durchaus seine Stärken besitzt – und das vornehmlich im Bereich des Handwerks, des Leadgesangs und der soliden Ausführung der auf den ersten Blick deutlich unscheinbareren oder explizit balladesken Momente (wie in THE ELDAR), fehlt NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH schlicht der letzte Schliff – oder vielleicht auch einfach nur eine Extraportion Kraft, wie sie auf dem Album viel zu selten zu spüren ist. Mit Ausnahme einer relativen Über-Hymne vom Schlage eines MIRROR MIRROR. Wobei aber auch hier gilt, dass nicht alles Gold ist was glänzt – und die typisch-überlagerten und gewissermaßen einen Chor imitierenden Gesänge von Hansi Kürsch (die überdies in nicht gerade wenigen Titeln Verwendung finden) nicht jedermann gefallen werden.

Davon abgesehen bleibt das Album aber viel zu handzahm, wofür man nicht erst einen Vergleich mit der früheren Schlagkraft der Band anberaumen muss. Sicher ist grundsätzlich nichts falsch daran, als Band auch mal eine etwas behutsamere; hier eher in Richtung pointierter balladesker und folkloristischer Elemente zielende Herangehensweise auszuprobieren. Doch wenn dabei fast schon kläglich langwierig erscheinende Momente wie etwa in NOLDOR herauskommen, sieht die Sache schon etwas anders aus. Zumal es sich hierbei längst nicht um den einzigen Moment handelt, in dem sich BLIND GUARDIAN gefühlt etwas zurückgehalten hatten – und zwar durchaus mit einer gewissen musikalischen Raffinesse und Qualität, aber eben weniger mit einem ihnen so wirklich abzunehmenden Gefühl agierten. Natürlich handelt es sich hierbei um eine Kritik auf einem vergleichsweise hohen Niveau, und Fans der Band werden auch dieses Release kaum missen möchten; Gründe dafür gibt es noch immer genug – doch für andere Gelegenheiten (wie etwa Nicht-Kennern der Band ein möglichst aussagekräftiges Werk vorzustellen) eignet sich NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH vermutlich eher weniger.

Absolute Anspieltipps: MIRROR MIRROR, THORN


„Ein durchwachsenes BLIND GUARDIAN-Album, welches bei weitem nicht so spektakulär ist wie sein Ruf.“

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