Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Imaginations From The Other Side (1995)

Alben-Titel: Imaginations From The Other Side
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. April 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Imaginations from the Other Side (07:19)
2. I’m Alive (05:31)
3. A Past and Future Secret (03:48)
4. The Script for My Requiem (06:09)
5. Mordred’s Song (05:28)
6. Born in a Mourning Hall (05:14)
7. Bright Eyes (05:16)
8. Another Holy War (04:32)
9. And the Story Ends (06:00)

Vom grünen Gras und der anderen Seite.

IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der illustren Diskografie von BLIND GUARDIAN – einer bereits im Jahre 1984 als LUCIFER’S HERITAGE gegründeten Speed- und Power Metal-Combo, die im Laufe der Jahre eine immer größere Fanbase gewann und sich dabei nicht von ungefähr einen gewissen Kultstatus sichern konnte. Neben der für den Sound von BLIND GUARDIAN maßgeblichen Entwicklung, die die Band insbesondere zu Beginn der 90er Jahre durchmachte; sollte es in Bezug auf den weiteren Werdegang der Power Metal-Pioniere aber weit mehr als nur einmal spannend werden. Einer der diesbezüglich interessanteren – und unter Umständen auch kritischen – Momente bezieht sich dabei auf die von der Band an den Tag gelegte Kontinuität oder auch Stilsicherheit, die zur Mitte der 90er Jahre und speziell in Anbetracht eines Release wie IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE noch gewissen Schwankungen ausgesetzt war.

Im Falle dieses Albums von einer genau so erwarteten, den bisherigen Werdegang der Band gewissermaßen sinnig fortführenden Maßnahme zu sprechen trifft es schließlich nicht wirklich. Anders gesagt: so zielstrebig und entschlossen wie der direkte Vorgänger SOMEWHERE FAR BEYOND klingt das Album nicht. Vielmehr scheint es, als wären BLIND GUARDIAN inmitten einer für sie maßgeblichen Experimentierphase gewesen – eben jener, die sich für den weiteren Werdegang der Band als geradezu essentiell herausstellen sollte. Der zweifelsohne interessante, aber eben auch alles andere als vollständig überzeugende Opener und Titeltrack IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE gibt hier einen ersten Hinweis: am ehesten scheint es, als hätten BLIND GUARDIAN hier versucht die Vorzüge des Vorgängers mit der unbändigen Kraft und Härte ihrer noch früheren Alben zu verbinden. Im Endergebnis aber entsteht ein so nicht unbedingt erwartetes Durcheinander – und ein Gefühl, dass Blind GUARDIAN hier noch weit hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten (oder auch ihrer Effektivität) zurückgeblieben sind.

Eben dieses Gefühl ist es dann auch, welches einige der noch folgenden Nummern begleitet. Mit ein Grund dafür könnte auch das Zusammenspiel der instrumentalen Strukturen und der Stimme von Hansi Kürsch sein – die man zweifelsfrei als unverkennbar bezeichnen kann, sich im Falle von IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE aber durchaus den ein oder anderen Ausrutscher in eine zu forcierte, zu aggressive und zu überspitzte Richtung leistet. Das Problem ist hier aber weniger die raue und letztendlich eher wenig Feingefühl zulassende Herangehensweise selbst – sondern vielmehr die Tatsache, dass die Nummern dennoch nicht kräftiger oder antreibender klingen als beispielsweise das auf FOLLOW THE BLIND enthaltene Material. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die Abmischungs- und Produktionsarbeit, die insgesamt eher auf den Gesang ausgerichtet zu sein scheint – und die Kompositionen weit weniger spektakulär und druckvoll dastehen lässt, als es potentiell möglich gewesen wäre.

Doch sind dies noch nicht alle der eventuell aufkommenden Probleme – schließlich zeigen sich insbesondere in Bezug auf die überlagerten Gesänge und Hintergrundchöre kleinere Mankos oder eher Wiederholungs-Effekte. So offenbart IMAGINATIONS FROM THE SIDE als erstes BLIND GUARDIAN-Album bis 1995 expliziter, dass einige von der Band inszenierten Soundelemente dazu neigen, sich zu wiederholen. Das gilt insbesondere für die sich oft recht ähnlich anfühlende Gangart der Refrains, aber eben auch in Bezug auf die wenig Spielraum offenbarende Darbietung von Hansi Kürsch. Die Sache nicht gerade besser macht dann ausgerechnet das vielversprechende MORDRED’S SONG als Zwitter-Wesen irgendwo zwischen atmosphärischer Ballade und knackigem Stampfer – die Gesangsstrukturen klingen ärgerlich unvorteilhaft, und auch an den Instrumenten gibt es bis auf den Soli-Part wenig zu holen.

Immerhin; und zur Beschwichtigung haben BLIND GUARDIAN spätestens mit der herausragenden Ballade A PAST AND FUTURE SECRET aufgezeigt, dass sie auch bestens mit eher ruhigen Stimmungen umgehen und dabei auch ohne das Bedienen von gängigen Klischees echte Emotionen entstehen lassen können – zumal die durch ihre harsche Gangart in den Strophen sowie den eingängigeren Momenten in den Refrains doch noch relativ problemlos zündenden Hymnen THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL und ANOTHER HOLY WAR doch noch für sich sprechen. Dennoch, und wenn es nur eine Tendenz ist: die zuvor veröffentlichten Alben schienen noch ein stückweit stärker zu sein als IMAGINATIONS FROM THE THE OTHER SIDE.

Absolute Anspieltipps: A PAST AND FUTURE SECRET, THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL


„Der letzte Schliff fehlt – es bleibt aber bei einem guten BLIND GUARDIAN-Album.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.