Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Somewhere Far Beyond (1992)

Alben-Titel: Somewhere Far Beyond
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juni 1992
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Armin Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Time What Is Time (05:46)
2. Journey Through the Dark (04:48)
3. Black Chamber (00:58)
4. Theatre of Pain (04:17)
5. The Quest for Tanelorn (05:57)
6. Ashes to Ashes (06:00)
7. The Bard’s Song – In the Forest (03:10)
8. The Bard’s Song – The Hobbit (03:54)
9. The Piper’s Calling (00:59)
10. Somewhere Far Beyond (07:30)
11. Spread Your Wings (Queen cover) (04:15)
12. Trial by Fire (Satan cover) (03:45)
13. Theatre of Pain (Classic Version) (04:15)

Was ist schon Zeit…

Ja, die späten 80er und frühen 90er waren eine gute Zeit für den europäischen Power Metal. Und das nicht zuletzt dank der frühen Ambitionen der drei vielleicht größten und für das Genre maßgeblichsten Bands, die glücklicherweise auch heute noch aktiv sind – und ihr musikalisches Erbe so gesehen mit vielen anderen, neueren Combos teilen. Dass die Rede hier hauptsächlich von HELLOWEEN, GAMMA RAY und BLIND GUARDIAN ist sollte eigentlich keine allzu große Überraschung sein – zumal insbesondere die jeweils frühesten Alben der Bands einen bis heute nachhallenden Eindruck hinterlassen haben. Im Falle von BLIND GUARDIAN wären das etwa das Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (siehe Review), der Nachfolger FOLLOW THE BLIND (Review) und sicher auch das 1990 erschienene TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) – das als erstes Album dezent mit den bis dato von der Band an den Tag gelegten Gewohnheiten gebrochen hatte. Und das vornehmlich, indem es die deutschen Genre-Urgesteine nicht mehr nur von einer relativ explizit dem Speed Metal zuzuordnenden Seite zeigte – und Platz bot für jene Strömungen, mit der sich die Band wenig später endgültig profilieren sollte. Auf einem sowohl stilistisch als auch qualitativ mit dem Werk von HELLOWEEN und GAMMA RAY gleichzusetzenden Niveau, versteht sich.

Auch das 1992 veröffentlichte, vierte BLIND GUARDIAN-Studioalbum SOMEWHERE FAR BEYOND war ein wichtiger Meilenstein auf eben diesem Weg – schließlich hatten die Power Metal-Recken hörbar an ihrer Symbiose aus kräftigen Elementen des Speed Metal, dem mit mehr als nur einem Auge in Richtung TOLKIEN schielenden Fantasy-Kontext sowie der ebenso melodischen wie antreibenden Spielart des Power Metal gearbeitet. In der Folge entstanden Nummern wie der hier vertretene Opener TIME WHAT IS TIME oder das darauf folgende JOURNEY THROUGH THE DARK – die grundsätzlich alles beinhalten, was der geneigte Genre-Konsument als angenehm empfinden sollte. Seien es die knackig und alles andere als spannungsarm inszenierten Strophen, die melodisch-hymnischen Refrains, die extravaganten Soli-Parts oder die alles abrundenden handwerklichen Leistungen der Mitglieder – viel auszusetzen gab und gibt es hier nicht.

Neben den gewissermaßen zu erwartenden, typischen BLIND GUARDIAN-Brechern enthält SOMEWHERE FAR BEYOND dann aber auch eine größere Portion jener Elemente; die die Band schon auf dem Vorgänger TALES FROM THE TWILIGHT WORLD angedeutet hatte. Interessant ist, dass man ausgerechnet in Bezug auf eben diese von einer gewissen Zweischneidigkeit sprechen könnte; denn: einerseits schlossen sie die Verwandlung von BLIND GUARDIAN zu einer der bekanntesten, beliebtesten und unverkennbarsten Genre-Combos überhaupt ab – andererseits aber hatten sie das musikalische Konstrukt der Barden teils hörbar aufgeweicht. Zumindest wenn man so will, und in einem direkten Vergleich mit den insgesamt doch etwas zünftiger voranpreschenden Vorgängern. Das ist generell nichts schlechtes, ändert nichts an der letztendlich offenbarten musikalischen Qualität und spielt hier vornehmlich auf die doch recht großzügig in Szene gesetzte akustische Seite der Band an – sollte aber gerade in Bezug auf jene Erwähnung finden, die die alten BLIND GUARDIAN lieb gewonnen hatten und Veränderungen generell kritisch gegenüberstehen.

So muss letztendlich ein jeder für sich selbst entscheiden, ob er sanftere Zwischenspiele wie BLACK CHAMBER, den längst als kultig geltenden sanften ersten Teil von THE BARD’S SONG oder das zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Dudelsack-Intermezzo in THE PIPER’S CALLING nun als atmosphärische Aufwertungen oder Maßnahmen im blick auf einen noch variantenreicheren Sound der Band betrachtet – oder doch nur als eigentlich unnötiges Füllwerk. Immerhin: bei einer Nummer wie THEATRE OF PAIN, das die Band ebenfalls von einer bis dato unbekannten Seite zeigt; sollte die Entscheidung schon wesentlich leichter fallen. Die recht klassische, angenehm stampfende und gesanglich herausragende Darbietung passt einfach zu BLIND GUARDIAN – ob nun in der regulären Version oder die symphonischen Anteile noch mehr hervo4hebenden Bonus-Variante. Das wirkliche Highlight des Albums ist dann aber vermutlich erst der Titeltrack SOMEWHERE FAR BEYOND – der noch einmal alles abräumt was geht.

Absolute Anspieltipps: TIME WHAT IS TIME, SOMEWHERE FAR BEYOND


„Ein weiteres nicht zu verachtendes Werk aus einer der spannendsten Genre-Diskografien überhaupt.“

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