Metal-CD-Review: TIERRA MYSTICA – A New Horizon Comes (2010)

Alben-Titel: A New Horizon Comes
Künstler / Band: Tierra Mystica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2010
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Voice Music

Alben-Lineup:

Rafael Martinelli – Bass
Duca Gomes – Drums
Fabiano Müller – Guitars, Violin
Alexandre Tellini – Guitars, Violin
Luciano Thumé – Keyboards
Ricardo Chileno – Vocals, Guitars (acoustic), Ocarina, Charango, Craviola, Bombo
Gui Antonioli – Vocals

Track-Liste:

1. Nueva Castilla (02:32)
2. Golden Courtyard [Qorikancha] (06:55)
3. Celebration to the Sun [Inti Raymi] (06:00)
4. New Eldorado [Qapaq Ñan] (05:52)
5. Spiritual Song (07:28)
6. Winds of Hope [Suyanawayra] (06:08)
7. Wide Open Wings (06:46)
8. Away from the Dream (05:04)
9. The Final Rest (04:50)

Von neuen und hoffentlich glorreichen Horizonten.

Wahrlich, und trotz des mittlerweile recht reichhaltigen Angebot an verschiedenen Power Metal-Combos aller Herren Länder – die Suche nach möglichst aus der Masse hervorstechenden, besonderen und schlicht einzigartig anders klingenden Bands fällt auch heutzutage nicht leicht. Eine Antwort auf die Frage, welche Bands nun am ehesten in einem solchen Zusammenhang zu empfehlen wären; muss man sich demnach schon gut überlegen. Vornehmlich, da es einfach nicht viele entsprechende Kandidaten gibt – und man zumeist nur in Übersee oder weit in der Vergangenheit fündig wird. Dennoch zeigt sich – und das gilt nicht nur für potentiell außergewöhnliche, sondern auch im allgemeinen hochkarätige Releases – dass es genrell nicht verkehrt ist, seinen Blick auch mal gen Brasilien als eines der interessanteren Power Metal-Herkunftsländer schweifen zu lassen. Immerhin brachte das Land längst nicht nur relativ bekannte Combos wie etwa ANGRA hervor – sondern auch einige, die man eher als Geheimtipp einstufen würde. Beginnen könnte man diesbezüglich mit weiteren Beispielen aus dem Bereich des Anfangsbuchstabens A – also etwa AGE OF ARTEMIS, AETHRA, ALMAH oder AQUARIA.

In der retrospektiven Betrachtung gab es dann aber noch mindestens eine Band, die aufgrund ihrer an den Tag gelegten musikalischen Einflüsse in einer besonderen Weise aufgefallen ist – sich aber viel zu schnell wieder von der Bildfläche verabschiedete. Die Rede ist von TOCCATA MAGNA – und damit auch einer band, die quasi den Grundstein für die heute vorgestellten und seit 2007 als TIERRA MYSTICA aktiven Musiker bildete. Und tatsächlich: das die Band irgendetwas mit TOCCATA MAGNA (oder eher der von ihnen gelieferten Vorlage) zu tun haben muss, bemerkt man nicht erst anhand der unter anderem einen gewissen Fabiano Müller aufführenden Besetzungsliste – man hört es auch. So präsentiert auch das vorliegende A NEW HORIZON COMES einige jener indigenen Klänge, die TOCCATA MAGNA auf ihrem bis heute einzigen Album INCOGNITE SOUL (siehe Review) inszenierten. Gut und lobenswert ist, dass TIERRA MYSTICA dabei ebenso stimmig und geschickt agieren wie ihre potentiellen Vorbilder – und die anberaumten traditionellen Elemente sinnig in den grundsätzlich knackigen Metal-Kompositionen verbauen.

Einen unter Umständen markanten Unterschied zwischen den beiden Bands gibt es dann aber doch – und der lässt die auch so schon recht interessant anmutenden Musiker von TIERRA MYSTICA in einem noch besseren Licht dastehen. Schließlich scheint es, als hätte sich die Band nicht nur entsprechend inspirieren lassen – sondern die Vorlage auch in einer mitunter entschiedenen Art und Weise perfektioniert. Anders gesagt: von bei TOCCATA MAGNA durchaus noch relevanten Problemen in Bezug auf den Leadgesang, sich stark ähnelnde Instrumentalstrukturen und eine eher schwache Produktion nehmen TIERRA MYSTICA einen gehörigen Abstand – womit sich ihr A NEW HORIZONS COMES in vielerlei Hinsicht als recht gut durchdachtes und stilsicher inszeniertes Genre-Werk profiliert. Eines, dass überdies noch mit dem gewissen und bereits erwähnten Etwas daherkommt – die sich insbesondere in den eher ruhigen Momenten des Albums bemerkbar machen. Dass gerade das der Band zu einem zusätzlichen Vorteil geraten würde, war so nicht unbedingt abzusehen; aber: alles, was bei anderen Combos als balladeskes Beiwerk oder vielleicht auch notwendiges Übel fungieren würde, avanciert bei TIERRA MYSTICA zu einer reichlich stimmungsvollen und emotionsgeladenen Kost. Wie im Falle des atmosphärischen WINDS OF HOPE, dessen Titelbezeichnung eine klare Hommage an das Schaffen von TOCCATA MAGNA darstellt.

Überaus ansprechend und absolut passend erscheint auch, dass der Musik von TIERRA MYSTICA eine gewisse progressive Komponente innewohnt – die aus Nummern wie dem Opener GOLDEN COURTYARD oder dem prinzipiell eher ruhigen SPIRITUAL SONG weit mehr macht als standardisiert erscheinende Genre-Titel. Nimmt man nun noch die teils deutlich zünftigeren Momente in Form des teils überaus flott voranpreschenden CELEBRATION TO THE SUN, des ebenso stampfenden wie hymnisch-verträumten NEW ELDORADO (das überdies eine Soli-Passge bereithält, die einfach nur zum Staunen einlädt) oder den Rausschmeißer THE FINAL REST hinzu, erhält man ein Album dass nicht nur erfrischend anders ist – sondern auch im Hinblick auf die sonst gängigen Power Metal-Faktoren gandenlos überzeugt. TIERRA MYSTICA haben es hier schlicht geschafft, ein Debütalbum hinzulegen welches seinesgleichen sucht – und das einfach keinen nennenswerten Raum für Kritik zulässt. Zusammenfassend bedeutet das vornehmlich eines: wer dieses Album nicht besitzt, verpasst etwas.

Absolute Anspieltipps: Alle


„Ein ebenso unerwartetes wie in jeder Hinsicht überzeugendes brasilianisches Meisterstück.“

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