Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – The 8th Sin (2007)

Alben-Titel: The 8th Sin
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Mai 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. Call Out to the World (03:48)
2. Never Again (03:19)
3. Not the Only (05:16)
4. Tell Me (04:13)
5. Not like You (04:25)
6. Leave Me Alone (03:00)
7. Till I Come Alive (03:45)
8. Strong Enough (03:13)
9. Me (04:13)
10. Pain & Pleasure (03:53)
11. Fools Parade (02:37)

Eine kleine Sünde hat doch wohl jeder frei.

Ja, die 2000er Jahre markierten eine recht aktive Zeit für die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES – auch oder gerade aufgrund des markanten Lineup-Wechsels zu Beginn des neuen Jahrtausends, bei dem der auch heute noch in der Band aktive Jonny Lindqvist für den einstigen Frontmann Anders Zackrisson kam. Gleichzeitig aber handelte es sich auch um eine Zeit, in der nicht immer alles rund lief für die Schweden – die sich mit Alben wie THE SACRED TALISMAN (siehe Review) oder dem hervorragenden Alben-Duo aus dem 2000’er AFTERLIFE (Review) sowie dem 2002 erschienenen SHADOWLAND (Review) die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt hatten. Eine der somit fast schon abzusehenden Folgen war, dass bereits das 2005 veröffentlichte NEW WORLD MESSIAH (Review) dezente Probleme hatte die hohen Erwartungen zu erfüllen – woraufhin sich die Band abermals zusammensetzte und beschloss, etwas neues auszuprobieren.

Denn, und das muss man den Schweden zumindest in der Theorie hoch anrechnen: sich nur wiederholen, das wollten sie nicht – vielmehr ward der Blick stets explizit nach vorn gerichtet, was auch die teils neuerlichen stilistischen Ausrichtungen auf dem 2005 erschienenen GRAND ILLUSION (Review) erklärt. Eben diese Einstellung oder auch Vorgehensweise geriet den NOCTURNAL RITES aber spätestens auf dem vorliegenden THE 8TH SIN zu einem echten Nachteil. Einen, der die Band sogar in relative Existenznöte brachte – und dafür sorgte, dass bis zu einem neuen NOCTURNAL RITES-Release (namentlich das 2017 veröffentlichte PHOENIX, Review) ganze 10 weitere Jahre vergehen sollten. Aber wie es eben so ist: manchmal muss man tief fallen, um zu erkennen was man möglicherweise falsch gemacht oder zumindest anders hätte lösen können – wofür THE 8TH SIN wie fast kein zweites Genre-Album Pate steht. Sicher, unter gewissen Gesichtspunkten kann das Album durchaus bestehen; aber – und das ist das Problem – eher nicht unter jenen, die die NOCTURNAL RITES einst definierten.

Anders gesagt: wenn die Band schon auf GRAND ILLUSION gewisse Andeutungen machte sich immer weiter von ihren Power Metal-Wurzeln ezu entfernen, so beschreibt das vorliegende THE 8TH SIN die endgültige Umwandlung oder auch Konvertierung der NOCTURNAL RITES. Und die wird beileibe nicht bei jedermann Anklang finden, erst Recht natürlich im Hinblick auf und im Vergleich mit den früheren Alben der Band. Und sei es, dass man sich doch noch mit der auf THE 8TH SIN postulierten musikalischen Atmosphäre anfreunden kann (was mindestens eine enorme Eingewöhnungszeit erfordert) – ein wenig nachdenklich sollte einem eine Entwicklung wie diese in jedem Fall stimmen. Sicher, gegen etwaige Weiterentwicklungen oder Erprobungen in anderen Genres hat wohl niemand etwas einzuwenden – doch wenn eine vollständige Abkehr von alten Tugenden plötzlich zum Programm wird – und genau ist das somit auch gewissermaßen passend betitelte THE 8TH SIN – dann sollten vielleicht doch eher die Alarmglocken läuten.

Immerhin, und dafür braucht man gar nicht erst die Geschichte der Band oder ihre andern Alben zu kennen; weiß das Album auch von allen Umständen abgesehen nicht gerade aufregendes oder besonders gutes anzubieten. Eher absolut standardisierte AOR-Kost mit einem – und das wiegt wesentlich schlimmer – teils ärgerlichen und im Metal eher zu vermeidenden modernen Einschlag. Einen; der im Zusammenspiel mit der teils auffällig zurückgefahrenen Härte, dem wenig aufregenden Tempo, den recht generisch klingenden Gitarren und den absolut austauschbaren Refrains dafür sorgt; dass im direkten Vergleich selbst etwaige spätere AVANTASIA-Alben wie steinharte musikalische Bretter klingen. Oder die von KAMELOT. Immerhin könnte der Rausschmießer PAIN & PLEASURE genauso gut von eben jenen Amerikanern stammen – mit dem Unterschied, dass sie sicher etwas geschickter mit der hier anberaumten symphonischen Komponente umgegangen wären. All das wäre unter Umständen absolut fatal – wenn, ja wenn da nicht doch noch die ebenso markante wie angenehme Stimme von Jonny Lindqvist wäre. Die kann das Album gerade noch vor der absoluten qualitativen Versenkung retten und immerhin einen Grund dafür liefern, warum man sich ein Album wie THE 8TH SIN überhaupt zu Gemüte führen sollte. Ob das in einem Fall wie diesem ausreicht, muss ein jeder aber für sich selbst herausfinden.

Absolute Anspieltipps: NOT THE ONLY, NOT LIKE YOU, LEAVE ME ALONE


„Bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet – aber hoffentlich trotzdem nur eine einmalige Angelegenheit.“

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