Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Grand Illusion (2005)

Alben-Titel: Grand Illusion
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. September 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Owe Lingvall – Drums
Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass

Track-Liste:

1. Fools Never Die (03:54)
2. Never Trust (04:44)
3. Still Alive (04:02)
4. Something Undefined (04:09)
5. Our Wasted Days (05:17)
6. Cuts like a Knife (05:11)
7. End of Our Rope (05:27)
8. Never Ending (04:29)
9. One by One (04:24)
10. Deliverance (05:01)

Das Leben ist… hoffentlich mehr als nur eine große Illusion.

Betrachtet man die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES und ihre Schaffensperiode in den späten 90ern und frühen 2000er Jahren, stellen sich einem unweigerlich mehrere Fragen. Zum einen natürlich, wie es die Band nur schaffen konnte sich stetig in die absolut richtige Richtung weiterzuentwickeln – und sich entsprechend effektiv hochzuarbeiten, noch dazu ohne sich einen größeren qualitativen Schnitzer geleistet zu haben. Daran könnte bekanntlich auch der potentiell einschneidende Wechsel des Leadsängers im Jahre 2000 nichts ändern – manche behaupten sogar im Gegenteil. Zum anderen aber, und dafür sorgte spätestens das 2004 erschienene NEW WORLD MESSIAH (siehe Review); hatte man sich früher oder später wohl doch die Frage stellen müssen, wie genau es mit der Band weitergehen sollte. Lange überlegen brauchten die NOCTURNAL RITES aber offenbar nicht – schließlich lieferten sie mit dem vorliegenden GRAND ILLUSION ihre ganz eigene Antwort ab, die das mit NEW WORLD MESSIAH zumindest leicht rissig gewordene musikalische Konstrukt der Power Metal-Pioniere ganz schnell wieder kitten sollte. Das ist an und für sich eine gute Sache, und unterstreicht das von der Bands stets nach außen getragene Engagement niemals wirklich stillstehen zu wollen – wenn, ja wenn das kleine Wörtchen wenn nicht wäre. Denn, und dafür reicht eventuell schon ein Blick auf den extrem knapp bemessenen Zeitraum in dem all diese Entwicklungen stattfanden: so stilsicher und im positiven Sinne überraschend wie dereinst konnten die Schweden nicht mehr auftreten.

Eben das merkt und hört man THE GRAND ILLUSION auch relativ zweifelsfrei an. Und das vornehmlich, da die NOCTURNAL RITES hier abermals einen für sie großen Schritt gegangen sind. Nicht unbedingt in die gänzlich falsche Richtung – aber doch in eine, die sich unter Umständen nicht vollständig mit der bis dato eingeschlagenen Marschrichtung der Band vereinbaren lässt. Ein gewisser Anflug von Wehmütigkeit wäre jedenfalls verständlich – insbesondere natürlich in Anbetracht der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht allzu lange zurückliegenden hervorragenden Band-Alben THE SACRED TALISMAN (Review) , AFTERLIFE (Review) und SHADOWLAND (Review). Fakt ist: mit dem nicht sicher nicht tadellosen, aber noch immer höchst soliden NEW WORLD MESSIAH als Bindeglied präsentierten die NOCTURNAL RITES auf GRAND ILLUSION eine gewisse Form der Verwandlung – hin zu einer nicht mehr allein dem europäischen Power Metal zuzuordnenden Combo. Einer, die es zwar weiterhin relativ einwandfrei im Bereich des melodischen Heavy Metals zu veroreten galt – neben der potentiellen Vergrätzung alter Fans aber Gefahr lief, es etwas zu bunt zu treiben. So könnte man der Band durchaus die Abkehr von ihrer alten, augenscheinlich besser funktionierenden Spielart ankreiden – sowie auch die Absicht, plötzlich vermehrt auf vergleichsweise unkompliziertere, freundliche und stellenweise gar problemlos als radiotauglich zu bezeichnende Momente zu setzen.

In Bezug auf eben diese Feststellung ändert dann auch ein Experiment wie das in CUTS LIKE A KNIFE anberaumte wenig. Eben weil es sich nur um ein Experiment handelt – welches zudem wenig mit der allgemeinen Gangart des Albums korrespondiert – und im schlimmsten Fall komplett zu überspringen ist. Erst lange nach dem schwachen Alben-Auftakt können sich die NOCTURNAL RITES noch einmal aufrappeln, und mit Nummern wie dem schon etwas prägnanter stampfenden NEVER ENDING, dem überraschend mächtig daherkommenden DELIVERANCE, dem knackigen FADE AWAY oder dem rassigen Power Metal-Rausschmeißer UNDER THE ICE punkten. Insgesamt aber reicht es in diesem Fall einfach nicht, zumindest nicht im Sinne um mit den früheren Releases der Band mithalten zu können – wofür man sich nicht erst als großer Gegner von stilistischen Veränderungen innerhalb einer langjährig aktiven Genre-Combo bezeichnen muss. Nein, vielmehr ist es der relative Überschwang von sich letztendlich recht deckungsgleich anfühlenden Midtempo-Nummern mit etwas zu viel auflockernden Elementen seitens des Keyboards – und das stellenweise drastisch zurückgefahrene Tempo inklusive einer mit der Produktion einhergehenden, hier eher ärgerlichen Form der Sanftheit. Wenn das Album eine klare Stärke hat, dann ist das die gesangliche Darbietung von Jonny Lindqvist – die im Zusammenspiel mit dem soliden Handwerk der anderen Mitglieder und des glücklicherweise doch noch einigen Raum einnehmenden schroffen Riffings schlimmeres verhindert.

Absolute Anspieltipps: STILL ALIVE,  DELIVERANCE, FADE AWAY, UNDER THE ICE


„Aufgrund einiger einfach nicht zündender Momente eines der schwächeren NOCTURNAL RITES-Alben, leider. Dennoch kann man von einem soliden Genre-Release ausgehen, erst Recht wenn man die Vergangenheit der Band einmal dezent ausblendet.“

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