Metal-CD-Review: LIONE / CONTI – Lione / Conti (2018)

Alben-Titel: Lione – Conti
Künstler / Band: Lione / Conti (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Januar 2018
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Frontiers Music

Alben-Lineup:

Fabio Lione – Vocals
Alessandro Conti – Vocals
Marco Lanciotti – Drums
Filippo Martignano – Keyboards
Simone Mularoni – Guitars, Bass

Track-Liste:

01. Ascension
02. Outcome
03. You’re Falling
04. Somebody Else
05. Misbeliever
06. Destruction Show
07. Glories
08. Truth
09. Gravity
10. Crosswinds

Traf ein Gigant den anderen…

Nein, sogenannte Metal-Allstarprojekte sind nicht wirklich etwas neues – spätestens seit den denkwürdigen Tagen, in denen musikalische Visionäre wie Tobias Sammet erstmals zur Teilnahme an deutlich größeren und wie sich zeigte auch nachhaltig erfolgreichen Power Metal-Tafelrunden geladen haben. Und doch gibt es auch heute noch so manche Konstellationen aus oder auch Zusammenarbeiten zwischen verschiedenen Künstlern, die man sich eher nicht hätte vorstellen können. Oder – und das wäre der wohl interessanteste Fall – die so vielversprechend und schlicht genial wären, dass sie so mancher schon wahr werden ließ. Wenn auch nur für sich selbst, und in seinen jeweils kühnsten Träumen.

Das galt zumindest bis heute, und in Anbetracht des ebenso überraschenden und potentiell enorm hochkarätigen neuen Bandprojekts LIONE/CONTI. Wie der Name schon verrät; handelt es sich hier um eine Zusammenarbeit des ehemaligen RHAPSODY OF FIRE-Frontmanns Fabio Lione, der seit geraumer Zeit als eine der markantesten Genre-Galionsfiguren aus Italien gilt – und Lione Conti, der sich seit noch gar nicht allzu langer Zeit als Frontmann bei LUCA TURILLI’S RHAPSODY verdingt. Unter anderem versteht sich, denn auch Conti’s Darbietungen bezogen sich im Laufe seiner Karriere auf weit mehr als nur eine einzelne Band. Überraschend ist die Zusammenarbeit vor allem deshalb, da Conti als heimlicher Nachfolger von Lione betrachtet werden könnte. Zumindest aus der Sicht von Luca Turilli – und vielleicht auch all jener, die das Erbe von RHAPSODY OF FIRE (und das gerade in Anbetracht der neuerlichen Anwandlungen von Alex Staropoli) in Gefahr sehen.

Das Projekt LIONE/CONTI indes läuft komplett unabhängig von potentiellen Partnern wie Turilli oder Staropoli – und selbstverständlich auch unabhängig von allen anderen Bands, in denen die beiden Musiker aktiv waren oder sind. Dementsprechend hat die Band – und das trotz ihres zugegebenermaßen doch recht einnehmenden Namens – auch Platz für ein komplettes Lineup, dass weiterhin aus Marco Lanciotti (ELVENKING) an den Drums, Filippo Martignano an den Keyboards und Simone Mularoni (DGM) am Bass und den Gitarren besteht. Das hier ausnahmslos talentierte und mit einer langjährigen Erfahrung ausgestattete Musiker am Werk sind, hört man dem LIONE/CONTI-Album auch an – die Frage ist nur, ob der Silberling irgendetwas nennenswertes zum bereits bestehenden Legenden-Status der beiden Frontmänner (und vielleicht auch dem von Simone Mularoni, der sich im Laufe seiner DGM-Karriere zurecht beliebt gemacht hat) beizutragen hat.

Innerhalb der insgesamt 10 vertretenen Titel kann man diesbezüglich jedoch vornehmlich eines feststellen – etwas, das weniger mit Worten der Begeisterung, als vielmehr Gefühlen der absoluten Ernüchterung beschrieben werden kann. Und vielleicht auch sollte – schließlich ist nicht jedes Projekt wie dieses automatisch Gold. Und das trotz der Fähigkeiten aller Beteiligten und dem Wunsch vieler, dass es möglichst genau so wäre. Sicher, grundsätzlich ist das, was LIONE/CONTI hier abliefern ein rundum solider Melodic Power Metal der typisch europäischen Spielart. Dass ein gewisser Einschlag aus der italienischen Richtung noch dazukommt, war abzusehen – und sollte vor allem Freunde von alternativen Combos wie LABYRINTH, VISION DIVINE oder SECRET SPHERE zufrieden stimmen.

Andererseits, und das bezieht sich insbesondere auf den gesamten Auftakt des Albums; liefern die beiden hier lediglich absolute Standard-Genrekost ab. Eine, die zwar von einem hervorragenden Handwerk begleitet wird – durch so aber nicht unbedingt erwartete Faktoren (wie etwa eine sich merkwürdig klinisch und glattgeschliffen anfühlende Produktion) zusätzlich abgewertet wird. Noch größer sollte wohl aber das Manko wiegen, dass die Zusammenführung der beiden postulierten Genre-Legenden nicht wirklich funktioniert respektive etwas neues hervorbringt. Anders gesagt: grundsätzlich agieren beide völlig unabhängig voneinander, und spulen lediglich brav die ihnen zugedachten Gesangsparts ab. Und das stets ohne, dass sich wirklich denkwürdige Momente ergeben – was durch spezielle Gegenüberstellungen, aufgeteilte Strophen oder markante Duette aber problemlos hätte gelöst werden können.

So aber heißt es: alles bleibt beim alten. Oder eher beim alten Standard der hohen Qualität, ohne dass sich etwas musikalisch nachhaltiges ergibt. Das ist schade – ändern aber zum Glück und immerhin nichts daran, dass es sich noch immer um ein höchst solides Genre-Album handelt. Aber eben auch nicht um das erwartete Mega-Highlight, welches die Weichen für das noch junge Metal-Jahr 2018 nachhaltig stellen würde.

Absolute Anspieltipps: MISBELIEVER, GLORIES, GRAVITY


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„Ja, auch ein Projekt wie dieses kann Scheitern – wenn auch auf einem sehr hohen Niveau.“

 

Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: LIONE / CONTI – Lione / Conti (2018)

  1. Machen wir uns nichts vor, die anderen Musiker sind nur für die Session einberufen worden und haben sich keinen Tag persönlich getroffen 😉 Als „Band“ kann man das nicht bezeichnen. Nur leider ein weiteres liebloses Frontiers-Projekt. Schade, dass so gute Musiker so verpulvert werden.

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