Metal-CD-Review: EDGUY – Age Of The Joker (2011)

Alben-Titel: Age Of The Joker
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. August 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Sammet – Vocals
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Robin Hood (08:26)
2. Nobody’s Hero (04:33)
3. Rock of Cashel (06:20)
4. Pandora’s Box (06:47)
5. Breathe (05:05)
6. Two Out of Seven (04:29)
7. Faces in the Darkness (05:24)
8. The Arcane Guild (05:00)
9. Fire on the Downline (05:48)
10. Behind the Gates to Midnight World (08:58)
11. Every Night Without You (04:52)

Manchmal muss man tief fallen, um wieder aufzustehen.

Was, ja was sollte noch von einer Band wie EDGUY kommen – einer Band, die sich einst für ebenso klassische wie legendäre Power Metal-Genrealben vom Schlage eines VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) verantwortlich zeichnete; sich im Laufe der Jahre aber eher gegen die ursprünglich eingeschlagene Marschrichtung entschied und plötzlich nur noch höchst umstrittene Werke wie etwa HELLFIRE CLUB (Review) oder TINNITUS SANCTUS (Review) auf den Markt brachte ? Nun, und wie man heute weiß; haben EDGUY mit ihrem 2014 erschienen SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN (Review) doch noch die Kurve gekriegt – zwar ebenfalls ohne an ihre alten Glanzzeiten anzuknüpfen, aber dafür mit einer feucht-fröhlichen und auch spaßigen Genre-Interpretation die man ohne größere Schmerzen verköstigen kann. Bis es soweit war, sollte der Hörerschaft allerdings noch ein weiteres EDGUY-Album der eher durchwachsenen Sorte serviert werden – das vorliegende AGE OF THE JOKER, dessen titelgebender Hofnarr nicht von ungefähr leicht wahnsinnig dreinblickt.

Wobei, und das ist das gravierende; jenes Wahnsinnige keineswegs mit dem Anflug einer wie auch immer gearteten Genialität gleichgesetzt werden kann. Zumindest nicht bei EDGUY und in diesem Fall – woran weder die mit 65 Minuten recht gut bestückte reguläre Albenversion von AGE OF THE JOKER, noch die wesentlich umfangreichere Digipack-Edition viel ändern kann. Der Grund dafür ist schnell gefunden: grundsätzlich haben EDGUY hier relativ genau da weitergemacht, wo sie mit dem höchst durchwachsenen TINNITUS SANCTUS aufgehört hatten. Sicher, dass sich EDGUY mittlerweile komplett von der Spielart eines knackigen europäischen Power Metals verabschiedeten hatten war das eine – doch dass sie im Gegenzug dafür fast nur noch auf eher harmlose Rock-Elemente, poppig angehauchte und absolut radiotaugliche Strukturen und eine ordentliche Prise eines zumeist gewöhnungsbedürftigen Blödeltums setzten; das andere. AGE OF THE JOKER fährt diesbezüglich zwar nicht ganz so harte Geschütze auf wie seine Vorgänger, glücklicherweise – ist abgesehen von einer kleinen handvoll besserer Nummern aber auch weit davon entfernt, nennenswertes zu reißen.

Die hier gemeinten besseren Nummern wären vermutlich das melodische und grundsätzlich recht angenehme ROCK OF CASHEL, das doch noch überraschend knackige THE ARCANE GUILD, und mit ein wenig Fantasie eventuell noch das recht Keyboard-lastige BREATHE sowie das überlange BEHIND THE GATES TO MIDNIGHT WORLD. Immerhin sorgen EDGUY hier durchaus für den ein oder anderen markanten Moment – vornehmlich im Zusammenspiel aus verspielten Arrangements und einem gewissen, sonst auf dem Album eher vernachlässigten Druck. Davon abgesehen kann oder muss man sich aussuchen, wohin die Reise auf AGE OF THE JOKER gehen soll. Eine Möglichkeit wäre in eine leidliche komische, im Zusammenspiel mit der dazugehörigen Videosingle sogar explizit peinliche – wie im absolute überflüssigen Opener ROBIN HOOD. Oder aber, man verdingt sich in Richtung etwaiger sich hart an der Schmerzgrenze bewegenden Balladen – wie das schmalzige EVERY NIGHT WITHOUT YOU. Was bleibt, sind nicht wenige Nummern die recht explizit an schwächere Momente aus dem benachbarten AVANTASIA-Projekt erinnern – oder im schlimmsten Fall an eine ebenso x-beliebige wie abgehalfterte Ex-Power Metal-Band. Wenn da nur nicht die unverändert markante Frontstimme von Tobias Sammet wäre, versteht sich – die das Album aber ebenfalls nicht retten kann.

Dabei gilt wie so oft: es sind nicht die handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder, die AGE OF THE JOKER vergleichsweise ernüchternd erscheinen lassen – sondern vielmehr die entstehende Atmosphäre als Endprodukt eines Zusammenspiels zahlreicher Faktoren. Einen nicht ganz unerheblichen Anteil hat diesbezüglich etwas auch die etwas merkwürdige Abmischungs- und Produktionsarbeit; die dem Ganzen einen recht seelenlosen, glatten und zusätzlich unspektakulären Anstrich verpasst – mit einer Nummer wie FACES IN THE DARKNESS als Paradebeispiel. Immerhin werden hier durchaus einige schwerere Riffs anberaumt – womit es umso seltsamer ist, dass der Titel derart kraft-  und harmlos klingt. Letztendlich gibt es auf AGE OF THE JOKER einfach zu wenig zu holen, als dass man es mit Nachdruck empfehlen könnte – sodass man diesen Punkt der EDGUY-Diskografie relativ problemlos überspringen kann.

Absolute Anspieltipps: ROCK OF CASHEL, BREATHE, THE ARCANE GUILD


„Nicht mehr ganz so arg wie der Vorgänger – aber für die Attribuierung als eines der besseren EDGUY-Alben reicht es ebenfalls nicht.“

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