Metal-CD-Review: EDGUY – Vain Glory Opera (1998)

Alben-Titel: Vain Glory Opera
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Januar 1998
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars

Track-Liste:

1. Overture (01:31)
2. Until We Rise Again (04:28)
3. How Many Miles (05:39)
4. Scarlet Rose (05:10)
5. Out of Control (05:04)
6. Vain Glory Opera (06:08)
7. Fairytale (05:11)
8. Walk On Fighting (04:46)
9. Tomorrow (03:53)
10. No More Foolin‘ (04:55)
11. Hymn (Ultravox cover) (04:53)

Reifer hätte die Zeit wahrlich nicht werden können.

Die Liste der in den frühen 90ern gegründeten Power Metal-Combos, die neben ihrer maßgeblichen Mitgestaltung des noch jungen Genres zielstrebig auf das neue Millennium zusteuerten und sich früher oder später den verdienten Status als waschechte Legenden sicherten; ist gar nicht mal so kurz. Beschränkt man das Ganze allerdings auf den deutschen Raum und klammert die noch frühere Vorarbeit von großen Pionieren wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY einmal dezent aus, so müsste einem insbesondere eine Combo ins Auge stechen: die bereits seit 1992 aktiven EDGUY. Mit ein Grund dafür ist, dass sich die Band seit ihrem überraschenden Debütalbum SAVAGE POETRY (1995, siehe Review) oder dem ebenfalls gern als Debüt bezeichneten Nachfolger KINGDOM OF MADNESS (1997, Review) als äußerst vielversprechende Nachwuchs-Band heraustellte – und es lediglich kleinere (SAVAGE POETRY) bis explizit auf den allgemeinen Soundeindruck bezogene Probleme (KINGDOM OF MADNESS) waren, die es für die junge Band noch zu bewältigen galt.

Wie man heute weiß hat sich das (Ab)Warten auch definitiv ausgezahlt, denn: mit dem gerade einmal ein Jahr nach KINGDOM OF MADNESS veröffentlichten dritten EDGUY-Studioalbum VAIN GLORY OPERA konnten die Hessen das Ruder entgültig zu ihren Gunsten herumreißen. Und das mit einem solchen Nachdruck, dass das Album bis heute kräftig nachhallt – und auf eine Entdeckung von Seiten aller Genre-Hörer wartet, die sich aus welchen Gründen auch immer noch nicht allzu intensiv mit dem kreativen Schaffen von EDGUY befasst haben. Anders gesagt: wer beispielsweise nur die jüngeren Ambitionen der Band kennt und sich nicht so recht mit ihnen anfreunden kann, der sollte unbedingt mal einen Blick in die Vergangenheit wagen – und das insgesamt 11 Titel starke VAIN GLORY OPERA auf sich wirken lassen.

Fest steht: EDGUY haben hier ein Album erschaffen, die wie kein zweites aus der hiesigen Diskografie von seiner ebenso dichten wie unverwechselbaren Atmosphäre lebt. So beschwören schon das Intro OVERTURE, der flotte Opener UNTIL WE RISE AGAIN und das stampfende HOW MANY MILES ein höchst interessantes Wechselspiel der Emotionen herauf, das sich irgendwo zwischen einer typisch-verspielten europäischen Eingängigkeit und einer ordentlichen Portion Dramatik bewegt. Der sich hieraus ergebenden, schon einmal dezent in Richtung des späteren AVANTASIA-Projekt weisenden Kraft und Wirkung kann man sich jedenfalls kaum entziehen – was einerseits am großartigen Songwriting liegt, und andererseits am damaligen EDGUY-Quantensprung in Bezug auf den allgemeinen Soundeindruck. Im Vergleich mit den Vorgängern konnte VAIN GLORY OPERA so nicht nur hinsichtlich der an den Tag gelegten Ideen, des ausgeführten Handwerks und der klanglichen Vielfalt die Oberhand gewinnen – sondern schlicht und ergreifend auch aufgrund der hier wesentlich ausgereifteren technisch-akustischen Komponente.

Eine; die VAIN GLORY OPERA sowohl den nötigen Druck und Bombast (wie in UNTIL WE RISE AGAIN oder FAIRYTALE) verleiht, als auch das nötige Fingerspitzengefühl in den getrageneren Momenten (wie in SCARLET ROSE) nicht vermissen lässt. Einen kleinen Nachteil aber offenbart das Ganze dann doch. Schließlich klingen die einzelnen Tonspuren in diesem Fall nicht besonders differenziert, oder anders gesagt: einstweilen drohen EDGUY hier, einige Elemente in ihren hauptsächlich von dröhnenden Gitarren okkupierten Klangkulissen untergehen zu lassen – wie etwa den Bass. Davon abgesehen aber bietet das Album ein wenig von allem, und das in gut – wie etwa im knackigen Titeltrack VAIN GLORY OPERA, der mit einem markanten Keyboard und einem unterhaltsamen Charme der 80er-Metaljahre punktet. Ja, selbst das auf den ersten Blick eher unscheinbare WALK ON FIGHTING macht eine bessere Figur als zunächst erwartet – und das nicht nur, da der Bassist und Schlagzeuger der Band endlich auch mal voll auf ihre Kosten kommen respektive die nötige Aufmerksamkeit ergattern. Der Schlagabtausch von weiteren balladesken (TOMORROW) und ungewöhnlich zünftigen Momenten (NO MORE FOOLIN, die Backgroundshouts wirken allerdings etwas plump) macht das Ganze schier perfekt.

Schlussendlich gilt es damit vor allem eines festzuhalten: mit VAIN GLORY OPERA haben EDGUY seinerzeit mehr als ordentlich abgeliefert – und ein Album erschaffen, das auch heute noch in keiner gut sortierten Power Metal-Sammlung fehlen darf.

Absolute Anspieltipps: UNTIL WE RISE AGAIN, HOW MANY MILES, VAIN GLORY OPERA, FAIRYTALE


„Der erste Meilenstein innerhalb einer interessanten Metal-Karriere.“

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