TV-Kritik / Serien-Review: STRANGER THINGS Staffel 2 (2017)

Originaltitel: Stranger Things
Typ: VOD-Serie
Umfang / Laufzeit: 9 Folgen (Länge je ca. 41-54 Minuten)
Land: USA
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Genre: Science Fiction / Drama / Abenteuer
Tags: 80er Jahre | USA | Retro | Mystery | Übernatürlich

Es geht immer noch ein bisschen STRANGER.

Inhalt: Nach den teils verstörenden Ereignissen der ersten Staffel von STRANGER THINGS ist mittlerweile ein Jahr in der fiktiven US-Amerikanischen Kleinstadt Hawkins vergangen. Die meisten Bewohner sind wieder zur Ruhe gekommen und gehen ihrem Alltagsgeschäft nach – wie auch die Kinder, die seit ihrer Rettung durch die mysteriöse Eleven nichts mehr von ihrer neuen Freundin gehört haben. Besonders Mike macht das schwer zu schaffen – wobei er die Hoffnung Eleven irgendwann doch noch einmal wiederzusehen, zu keinem Zeitpunkt aufgibt. Derweil macht sich aber ein ganz anderes Problem bemerkbar, denn: der zuvor aus einer Art dunkler Parallelwelt gerettete Will scheint doch mehr mit seinem Erlebnis zu kämpfen zu haben als erwartet. Und auch das Labor, welches für die meisten der ungewollten Geschehnisse verantwortlich zeichnet; steht noch immer – wenn auch unter einer anderen Führung. Trotz der erheblichen Warnsignale scheinen sie nichts gegen eine Fortführung diverser Forschungen und Experimente einzuwenden zu haben – wobei sich insbesondere ein zuvor geöffnetes Dimensions-Tor als äußerst problematisch erweisen könnte… schließlich scheint es noch zu wachsen.

Kritik: Achtung, Spoiler ! Vielen ist sie sicher noch in guter Erinnerung – die erste Staffel von STRANGER THINGS, einer eigens für den VOD-Anbieter Netflix produzierten Mystery-Serie um allerlei seltsame Geschehnisse in einer US-Amerikanischen Kleinstadt. Zumindest sollte sie das – denn immerhin haben es die eigentlichen Ideengeber in Gestalt der Zwillingsbrüder Matt und Ross Duffer tatsächlich geschafft, ein ebenso erfrischendes wie gleichzeitig auch traditionelles und mit vielen Querverweisen ausgestattetes  Serien-Highlight auf die Beine zu stellen (siehe Rezension). Eines, mit dem so niemand wirklich gerechnet hätte – und eines, dessen Beliebtheit und Erfolg vergleichsweise rasant in die Höhe schnellten. So gesehen wäre es zumindest aus kommerzieller Sicht ein riesengroßer Fehler gewesen, hätte man die Serie schon nach der ersten Staffel beendet. Sicher, ganz grundsätzlich wäre auch das denkbar gewesen – womit STRANGER THINGS noch immer eine enorm qualitative Ausnahme-Serie geblieben wäre. Eine, die den Zuschauer dann zwar mit einigen offen Fragen zurückgelassen hätte – doch die immerhin nicht der Gefahr ausgesetzt gewesen wäre, im weiteren Staffelverlauf ihre geradezu magische Ausstrahlung zu verlieren oder sich anderweitig zu verhaspeln.

Doch wie man schon seit Ende August 2016 weiß, sollte alles ganz anders kommen. Und das klar zugunsten der Duffer-Brüder, die für beide Fälle gewappnet waren und nach der erneuten Bestellung von Netflix direkt wieder mit der Arbeit beginnen konnten. Und so macht STRANGER THINGS 2 (fast) genau da weiter, wo die erste Staffel aufgehört hatte. Fast deshalb, da im Handlungsuniversum der Serie zwischenzeitlich ein ganzes Jahr vergangen ist – und das große Staffelfinale bereits einige Zeit zurückliegt. Entsprechend ruhig lässt es STRANGER THINGS 2 auch in seiner Auftaktphase angehen: die Verhältnisse erscheinen mittlerweile wieder geordnet, man ist zur Ruhe gekommen – und eine neue Bedrohung scheint vorerst nicht in Sicht. Im weiteren Verlauf aber zeigt sich, dass das ein großer Irrtum ist – womit es alsbald auch wieder aufkommt, das gute alte STRANGER THINGS-Gefühl. Die Duffer-Brüder schaffen es folglich auch dieses Mal, mit ihrer ungewöhnlichen Mixtur aus einer rückblickenden Erzählung inklusive zahlreicher Gimmicks für Kinder der 80er Jahre, einer tief in der Sci-Fi-Kiste grabenden Grundidee um Paralleldimensionen und Menschen mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten sowie dem Charme einer Vorstadt-Serie mit recht familiär agierenden Charakteren zu punkten – und dabei sowohl ein mehr als nur ordentliches Maß an Spannung als auch eine beachtliche Emotionalität an den Tag zu legen.

Das gilt insbesondere für das Ende der zweiten Staffel, also recht genau die Episoden 8 und 9 – in denen die Serie noch einmal einiges an Fahrt zulegt und an Intensität gewinnt. Gleichzeitig, und das war schon eine der Besonderheiten an Staffel 1; wurde die Serie erneut mit einem einerseits abgeschlossenen, andererseits dann aber irgendwie doch reichlich offenen Ende versehen. Ein Ende, welches die Serie schon wieder endgültig abschließen könnte – was zwar nicht so kommen wird, sich aber dennoch angenehm anfühlt. Erst recht natürlich im Vergleich zu diversen anderen Serien, die sich mit dem ein oder anderen fiesen Cliffhanger von Staffel zu Staffel hangeln – der dann im schlimmsten Fall auch noch unglücklich aufgelöst wird. Bei STRANGER THINGS jedoch hat man das Gefühl von jeweils in sich abgeschlossenen Staffeln, die einem so gesehen auch die Möglichkeit eines zwischenzeitlichen Ausstiegs geben. Zwar wird die kaum jemand wahrnahmen – doch es ist lobenswert dass einem die Freiheit dazu gelassen wird – im übertragenen Sinne versteht sich. Ebenfalls hochzuhalten sind natürlich auch die vielen aus der ersten Staffel übernommen respektive konsequent fortgeführten Vorzüge der Serie – von denen es mehr als eine handvoll gibt.

So macht allein das grandiose Setdesign inklusive der authentischen wirkenden Schauplätze, der Kleidung und natürlich auch einer zeitgemäßer Gadgets einen Heidenspaß. Das kuriose dabei ist, dass es STRANGER THINGS gar nicht mal darauf anlegt möglichst authentisch rüberzukommen, zumindest nicht gefühlt – und es den Machern offenbar recht leicht fällt, sich mit einer gewissen Lockerheit in eben jene Zeit zurückzuversetzen. Dementsprechend hat man auch nicht das Gefühl, man würde hier ein allzu aufgesetztes Setting vor die Nase gesetzt bekommen – man befindet sich schnell und wirklich in STRANGER THINGS, und damit auch der fiktiven Kleinstadt Hawkins mitsamt all ihrer Bewohner. Das großartige Schauspiel aller beteiligten Darsteller, allen voran natürlich den zahlreichen Kinderdarstellern wie Finn Wolfhard oder Millie Bobby Brown; die angenehme Mischung aus atmosphärischen Elementen der Science Fiction und einer gewissen Alltagslockerheit, der charmante Witz, die für eine Serienproduktion höchst gelungenen Special Effects oder der geniale Soundtrack – auch STRANGER THINGS 2 macht eine verdammt gute Figur, erst Recht im Vergleich mit anderen Sci-Fi oder Mysteryserien der Neuzeit.

Und doch gibt es da etwas, was den Genuss der zweiten Staffel dezent zu schmälern weiß. Zumindest theoretisch, und wenn man sich dann doch noch die ein oder andere kritische Frage in Bezug auf eine möglichst weitreichende Form der kommerziellen wie inhaltlichen Ausschlachtung stellt. Sicher ist das eher negativ ausgedrückt, und der Einwurf dass STARNGER THINGS spätestens nach der 4. Staffel enden wird gibt einen zusätzlich entwarnenden Anhaltspunkt – doch gänzlich konnten es die Verantwortlichen nicht vermeiden, dass doch noch die ein oder andere Durststrecke auftritt. Das gilt vornehmlich und so gesehen exklusiv in Bezug auf den Staffel-Auftakt, der es nicht nur dezent verpasst die zuvor eingeführten Charaktere sinngemäß abzuholen (und das trotz oder gerade wegen des vergangenen Jahres) – sondern auch den Zuschauer, der von Staffel 1 eine ganz andere Gangart gewohnt war. Im schlimmsten Fall könnten sich die ersten 2 oder 3 Episoden der zweiten Staffel also leicht befremdlich anfühlen, zumal sie einige der so heiß erwarteten Auserzählungen diverser Umstände markant hinauszögern. Auch zu bemerken ist, dass sich im Gegensatz zu Staffel 1 nicht mehr wirklich alle einzelnen Szenen stimmig anfühlen – was hier insbesondere für die Ereignisse rund um Will gilt, die mit einer recht makaberen Verhör-Szene und einer recht gewöhnungsbedürftigen Darstellung eines Heilungsprozesses etwas unrund wirken.

Etwas unrund, oder aber dezent aus dem Rahmen fallend erscheint in diesem Zusammenhang wohl auch die siebte Episode der Staffel – die ausnahmsweise mal an einem ganz anderen Ort und mit ganz anderen Charakteren stattfindet, wobei sich offenbar auch die Kameraführung und der Soundtrack entsprechend angepasst haben. Ob es sich hierbei um ein ebenso rebellisches wie gelungenes Experiment handelt, oder doch nur um einen fehlgeleiteten Versuch für etwas Abwechslung zu sorgen (und einen der vermutlich weniger interessanten Handlungsstränge zu behandeln) – dass muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Gleiches gilt wohl auch für einige der neuen Charaktere – wie etwa Max, ihren Bruder Billy oder den Technik-Freak Bob. Sicher, grundsätzlich ist es spannend einige neue Charaktere auftreten zu sehen – doch sollte man dabei niemals den eigentlichen Fokus aus den Augen verlieren. Schließlich steht fest, dass STRANGER THINGS vor allem dann einen enormen Reiz entwickelt wenn die eher klassischen Figurenkonstellationen präsentiert werden – also vornehmlich die Interaktionen innerhalb der Truppe um Mike und Eleven. Und auf die musste man gerade bei Staffel 2 dann doch etwas warten.

Aber sei es drum – die zweite Staffel von STRANGER THINGS kann und wird nicht dazu führen, dass die Begeisterung an und für die Serie abebbt. Wobei, und dessen waren sich sicher auch die Macher bewusst; es gar nicht erst allzu viele neue Ideen gebraucht hatte – immerhin servierte schon die erste Staffel einige Steilvorlagen, die im Verlauf der zweiten Staffel einfach nur weiterbehandelt oder auserzählt werden müssten. Und spannend ist das allemal. Wirklich, ja wenn nicht gar unendlich spannend wird es aber wohl erst im Hinblick auf die weitere Zukunft des Franchise. Immerhin haben die Duffer-Brüder schon angekündigt, dass eine dritte Staffel folgen soll – und auch eine vierte, wobei diese dann aber die letzte sein soll. Wie genau sich das Ganze entwickeln wird – auch in Anbetracht der alternden (Kinder-)Darsteller – das gilt es nun abzuwarten.

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„Insgesamt etwas schwächer als die erste Staffel – aber noch immer ein höchst atmosphärischer Hingucker.“

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