Metal-CD-Review: VHÄLDEMAR – Against All Kings (2017)

Alben-Titel: Against All Kings
Künstler / Band: Vhäldemar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. November 2017
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Fighter Records

Alben-Lineup:

Jonkol Tera Keyboards
Carlos Escudero – Vocals
Pedro J. Monge – Guitars, Keyboards
Gontzal – Drums
Adolfo WB – Bass

Track-Liste:

1. Metalizer (03:28)
2. Old King’s Visions (Part V) (03:57)
3. Against All Kings (03:58)
4. Eye for an Eye (03:43)
5. I Will Stand Forever (03:45)
6. Vulcano (00:33)
7. Howling at the Moon (04:40)
8. The Last to Die (04:31)
9. Walking in the Rain (04:25)
10. Rebel Mind (04:44)
11. Titans in D Minor (02:11)

Es aber ertönte ein Schlachtenruf aus dem Baskenland.

Wer dem Genre des Power Metal nicht gerade abgeneigt ist und in den letzten Monaten auch im Rahmen kleinerer Releases Ausschau nach potentiellen Hochkarätern gehalten hat, der könnte oder sollte dabei auch über die OLD KINGS VISIONS-EP von VHÄLDEMAR (siehe Review) gestolpert sein. VHÄLDEMAR, das sind jene im Jahre 1999 gegründeten und vom gleichermaßen markanten wie stimmkräftigen Frontmann Carlos Escudero angeführten Spanier; die schon mit ihren frühen Alben FIGHT TO THE END (Review) und I MADE MY OWN HELL (Review) für ordentlich Aufsehen sorgen konnten. Danach aber ließen sie plötzlich eine ganze Weile nichts mehr von sich hören – sodass man von Glück sprechen kann, dass 2011 doch noch eine Rückkehr erfolgte. Eine recht überzeugende noch dazu, betrachtet man das entsprechende Comeback-Album METAL OF THE WORLD (Review) – ein Album, das nebenbei bemerkt als reine Independent-Produktion erschien. Lediglich auf ihrem 2013 nachgeschobenen SHADOWS OF COMBAT (Review) zeigten sich die Spanier erstmals von einer merklich schwächeren Seite – woraufhin es erneut verdächtig still wurde um das ehemalige Kraftpaket VHÄLDEMAR.

Nun aber schreiben wir das Jahr 2017, und es hat sich offenbar einiges getan in der hiesigen Power Metal-Schmiede. Nicht nur, dass die Band mit Fighter Records endlich ein zu ihr passendes Label gefunden hat – auch sonst scheint man endlich wieder voller Tatendrang zu stecken. Und tatsächlich: nur wenige Monate nach ihrer ebenso überraschenden wie überraschend guten EP legen die Spanier AGAINST ALL KINGS vor, ihr mittlerweile fünftes offizielles Studioalbum. Ein Album, das zweifelsohne als eine von der Band auch genau so erwartete Kampfansage zu verstehen ist – und das nicht nur in Bezug auf die typisch-kriegerische inhaltliche Komponente, sondern auch in Richtung zahlreicher längst etablierte Genre-Combos mit einer ähnlichen musikalischen Marschrichtung. Vornehmlich solchen, die im Laufe ihrer Karrieren schlicht etwas mehr Glück hatten als VHÄLDEMAR – letztendlich aber gar nicht erst viel anders machen als die Spanier, und qualitativ vielleicht sogar hinten ihnen zurückstehen müssen.

Dennoch stellt sich die Frage, ob VHÄLDEMAR im direkten Genre-Vergleich wirklich noch mithalten können. Und das weniger in Bezug auf einen potentiellen Innovationsfaktor, der wie bei so vielen das Genre explizit zelebrierenden Combos wie MANOWAR, HAMMERFALL oder MAJESTY eher gering bemessen ist. Bei einem Album wie AGAINST ALL KINGs kommt es eigentlich nur darauf an, wie glaubhaft und mit welchem Nachdruck das Material präsentiert wird – und ob sich die Band im besten Fall doch noch von der Masse abheben kann. Diesbezüglich haben VHÄLDEMAR dann auch einen klaren Trumpf im Ärmel: Leadsänger Carlos Escudero röhrt noch so kräftig, kratzig und markant wie zu Zeiten des VHÄLDEMAR-Debütalbums; und kann sich klar als einer der härteren und markanteren Gesangsakrobaten des Genres profilieren. So gesehen bildet er auch eine der deutlich würzigeren Zutaten im großen VHÄLDEMAR-Musikeintopf, dessen Geschmack sich sonst durch eher Genre-typische Beigaben definiert. Hervorragend inszenierte zwar – doch mit ihrem Instrumentenspiel und den zumeist hymnischen Kompositionen allein würden VHÄLDEMAR längst nicht so auffallen wie mit Carlos Escudero.

Ein so nicht unbedingt erwartetes Problem von AGAINST ALL KINGS könnte indes sein, dass einige der enthaltenen Nummern unter Umständen schon bekannt sind. Die stärksten und markantesten Nummern des Albums sind schließlich exakt jene, die schon auf der vorangegangen EP enthalten waren. Das über (fast) alles hinwegrollende 1366 (OLD KINGS VISIONS PT.V), das etwas zurückhaltendere aber angenehm stampfende I WILL STAND FOREVER und das wahrlich kongeniale, an ein Intermezzo mit den WUTHERING HEIGHTS erinnernde HOWLING AT THE MOON sind drei tadellose VHÄLDEMAR-Brecher respektive Genre-Hymnen; die im besten Fall noch lange nachhallen werden. Aber, und das könnte je nach dem Kenntnisstand des Hörers ein Problem werden – sie sind eben nicht gänzlich neu oder unbekannt. Auch kommt hinzu, und das ist fast schon eine kleine Frechheit; dass das gerade einmal eine halbe Minute lange Zwischenspiel VOLCANO bereits als Intro-Part für HOWNLING AT THE MOON bekannt war – hier aber merkwürdigerweise eine eigene Track-Position bekommt. Zieht man nun auch noch das als Dreingabe nette, letztendlich aber alles andere als vielsagende Outro TITANS IN D MINOR ab; bleiben dem Album plötzlich nur noch 6 vollwertige und wirklich neue Titel – die es dann auch gar nicht mal so leicht haben.

Mit ein Grund dafür ist, dass sich VHÄLDEMAR des öfteren einer eher platten und oberflächlichen Stimmung hingeben – einer solchen, die das Genre des Heavy Metal explizit preist; und so schon zig mal von anderen Bands gehört wurde. Gut, mit Carlos Escudero am Mikrofon macht das Ganze dann doch noch einen recht eigenständigen und knackigen Eindruck – doch zu mehr als einem solide reicht es bei Nummern wie METALIZER oder AGAINST ALL KINGS nicht. Das vom Riffing her mehr oder weniger dezent an PRIMAL FEAR erinnernde EYE FOR AN EYE macht da schon wesentlich mehr Spaß, was auch für REBEL MIND gilt. Abgesehen vom wahrhaft nervigen Intro-Part von THE LAST TO DIE gilt für den Rest des Albums so vornehmlich eines: in gesanglicher und handwerklicher Hinsicht machen VHÄLDEMAR einen guten Eindruck, wobei ihnen auch die schön druckvolle Produktion zugute kommt. Insgesamt aber hätten es ruhig noch ein paar mehr wirklich herausragende Momente sein dürfen – eben ganz im Stile der bereits bekannten Nummern der EP. Anders und positiv ausgedrückt: die Kaufempfehlung erscheint umso dringlicher, wenn man die besagte EP noch nicht kennt – denn dann vermag es AGAINST ALL KINGs tatsächlich, einen ganz und gar umwerfenden Effekt zu haben.

Absolute Anspieltipps: OLD KINGS VISIONS (PART V), I WILL STAND FOREVER, HOWLING AT THE MOON, REBEL MIND


„Etwas weniger Highlights und weniger neues als erwartet, aber noch immer ein solides Release.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.