TV-Kritik / Anime-Review: ONE PUNCH MAN

Originaltitel: ワンパンマン
Typ: Anime-TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 12 Folgen (je ca. 25 Minuten)
Land: Japan
Regie: Shingo Natsume
Studio: Madhouse
Genre: Action / Sci-Fi / Fantasy
Tags: Schlag | Kraft | Verantwortung | Helden | Außerirdische | Mutanten

Die Liste der 12 Episoden (deutsche Titel):

01 Der Stärkste
02 – Ein entrückter Cyborg
03 – Beharrlicher Wissenschaftler
04 – Ninja von heute
05 – Ultimativer Lehrer
06 – Furchterregendste Stadt
07 – Überlegender Schüler
08 – König der Tiefsee
09 – Unbeugsame Gerechtigkeit
10 – Nie da gewesene Krise
11 – Gebieter über das All
12 – Der stärkste Held

Vorsicht vor dem einen, wirklich ernsthaften Schlag.

Inhalt: Wenn man seinen eigenen Worten glaubt, dann führt der in der Z-Stadt lebende Kämpfer und Hobbyheld Saitama ein recht langweiliges Leben. Als Außenstehender jedoch kann man kaum anders, als nachhaltig beeindruckt zu sein – immerhin erledigt der durch sein hartes Training glatzköpfig gewordene Supermarkt-Schnäppchenfan jeden nur erdenklichen Gegner, und das mit nur einem Schlag. Eben das scheint ihm auch eine gewisse Routine beschert zu haben, sodass er selbst bei Angriffen der größten und furchteinflössendsten Kreaturen kaum eine Miene verzieht. Der junge Cyborg-Kämpfer Genos indes weiß um die unglaubliche Stärke des äußerlich unscheinbaren Naturtalents – und versucht trotz seiner ebenfalls nicht zu verachtenden Kampfkraft alles, um Saitamas neuer Schüler zu werden. Und auch wenn der sich zunächst merklich sträubt, entwickeln die beiden tatsächlich eine besondere Form des Zusammenhalts – die immer wieder gespickt ist von allerlei freundschaftlichen Rivalitäten und Wettkämpfen. So kommt es den beiden auch recht gelegen, dass sie als neue Mitglieder in der sogenannten Heldenvereinigung aufgenommen werden – in die nur die stärksten Helden kommen, und bald darauf nach speziellen Fähigkeits- und Beliebtheitsrankings aufgeteilt werden. Die alles entscheide Frage aber ist, ob Saitama und seine neuen Kollegen wirklich jeder Bedrohung entgegentreten können – im besten Fall ohne dabei doch noch draufzugehen…

Vorwort & Ersteindruck: ONE PUNCH MAN ist eine 2015 erstmals in Japan ausgestrahlte Anime-Serie, die ihren Ursprung in einer erfolgreichen Webcomic-Serie und einem darauf folgenden Manga hat. Dieses Jahr erschien die insgesamt 12 Episoden und einige Specials umfassende Serie endlich auch auf dem Heimkinomarkt in Deutschland – und das sogar mit einer zur Abwechslung mal wieder vortrefflich gelungenen Synchronisation. Der Chance, dass das in Japan längst enorm populäre Franchise auch hierzulande weiter an Bekanntheit gewinnen wird; steht somit kaum etwas im Weg. Und das sollte es auch nicht. Schließlich sind die Geschichten um den makaberen Anti-Helden Saitama nicht nur bei eingefleischten Manga- und Animefans beliebt, oder anders gesagt: wann wenn nicht jetzt besteht die Chance, seine sonst gegenüber Animes eher verhalten reagierenden Freunde mit einer unterhaltsamen und gut gemachten Serie wie ONE PUNCH MAN ganz im Sinne der fälschlicherweise gerne mal belächelten japanischen Kunstform zu bekehren ? Eines muss man dabei allerdings festhalten, und das geht eher gegen den typischerweise üblichen Anime-Kodex einer zumeist tiefgründigen und vielschichtigen inhaltlichen Komponente: ONE PUNCH MAN hat alles, nur keine ausgefeilte Story. Zumindest noch nicht, das heißt mit dem aktuellen Status Quo einer einzigen Staffel mit nur 12 recht knappen Episoden.

Story / Inhalt

In Bezug auf seine Story sowie etwaige potentielle Hintergrundgeschichten lässt es ONE PUNCH MAN zumeist extrem vereinfachend bis gekonnt umschiffend angehen. Abgesehen von den immer neuen und immer größeren Bedrohungen die es für Saitama und die anderen Helden zu bekämpfen gilt, machen eigentlich nur die Charaktere selbst gewisse Sprünge respektive Entwicklungen durch. Eine detaillierte oder weitestgehend nachvollziehbare Erläuterung möglichst aller Umstände innerhalb der hier gezeichneten Welt ist demnach zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.

Allerdings, und das muss man dem Anime zugute halten; wirkt sich das im Falle von ONE PUNCH MAN kaum negativ aus. Dass man viele – oder eher alle – der kunterbunt-schrillen Besonderheiten schon ab der ersten Episode einfach so hinnehmen muss, gehört schlicht zum abgedrehten Gesamteindruck der Serie. ONE PUNCH MAN will keine großartige oder gar innovative Geschichte erzählen – sondern den Zuschauer stattdessen mit dem Auftreten immer neuer Helden und analog dazu auch immer verrückteren Kampf- und Actionszenen bei Laune halten. Und das ist etwas, was die Serie auch problemlos schafft – die 12 Episoden wirken kurz und knackig, und vergehen dabei wie im Flug.

Einen negativen Aspekt, der nicht immer ganz vom enormen Unterhaltungsfaktor der Serie überdeckt werden kann; gibt es dann aber doch. Begründet liegt er in der Tatsache, dass Saitama seinem Namen wahrlich alle Ehre macht – und jeden Gegner mit nur einem Schlag besiegt. Gut, im Endkampf waren es dann doch einige mehr – aber im Großen und Ganzen gerät das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Serie auch leicht zu ihrem Nachteil. Sonderlich spannend sind die Kämpfe so schließlich nicht, es sei dann natürlich etwaige andere Helden springen ein und demonstrieren was sie können – oder aber die jeweiligen Gegner sind so von sich überzeugt, dass ihre quasi-Monologe fast schon mehr Spaß machen als die Kämpfe selbst. Fest steht aber: sollte es eine zweite Staffel geben, wären hier sicher noch einige weitere Variationen von Nöten – denn sonst könnte sich vielleicht doch noch eine gewisse Form der Eintönigkeit breit machen.

Charaktere

Sicher, in Bezug auf die Story und die grundsätzlich auch nicht unbedingt als innovativ zu bezeichnenden Inhalte kann ONE PUNCH MAN nicht wirklich punkten. Bei seiner ebenso starken wie abwechslungsreichen Charakter-Riege aber fährt die Serie dann doch noch alle Geschütze auf – und präsentiert dem Zuschauer ein ebenso kunterbuntes wie zutiefst unterhaltsames Ensemble. Vielleicht sogar eines der unterhaltsamsten, die es je in einer Anime-Serie gegeben hat – wobei sich ONE PUNCH MAN gar nicht mit sonst gerne bedienten Niedlichkeits-Klischees oder sexuellen Anspielungen aufhält, was man als zusätzlichen Pluspunkt betrachten könnte. Das einzige, was ansatzweise in diese Kategorie fallen könnte; wäre wohl der Auftritt des Puri Puri Prisoners – doch auch hier geht ONE PUNCH MAN derart überdreht und schlicht sympathisch vor, dass man sich erst gar keine weiterführenden Gedanken machen muss.

Ja, ONE PUNCH MAN macht einen Heidenspaß – was auch für das Porträt des Hauptcharakters Saitama gilt, dem sein Helden-Dasein eher langweilig vorkommt. Doch gerade dass er damit genau das verkörpert, was man von einem gestandenen Superhelden eher nicht erwarten würdesorgt für einen reichlich frischen Wind – und spendiert den oft unerbittlichen Kämpfen eine so noch nicht dagewesen komödiantische Facette. Analog zu einer auch sonst immer wieder anberaumten Alltags- und Situationskomik im Zusammenspiel mit anderen Charakteren, versteht sich – wobei dem Zuschauer kaum Zeit gelassen wird, sich zu erholen. Etwas zu entdecken gibt es schließlich immer – und das hohe Erzähltempo und die gerne mal direkt aneinandergereihten verrückten Ideen lassen schlicht keine Langeweile aufkommen.

Neben Saitama ist es so auch sein Sidekick Genos, der einige Sympathiepunkte einheimsen kann. Vornehmlich, da er das absolute Gegenteil von Saitama darstellt – und sein Handeln von einer eher ernst- und gewissenhaften Natur ist. Sicher, wirklich große Veränderungen machen beide nicht durch – doch ist es interessant zu sehen, wie genau sich ihr Zusammenspiel im Verlauf der Serie entwickelt.

Dann gibt es da noch die zahlreichen anderen Helden aus der Heldenvereinigung, die entsprechend kurios in Szene gesetzt werden (und teilweise sogar recht spannend, was dem anberaumten Rängesystem zu verdanken ist) und so für weitere Steigerungen des Unterhaltungswertes sorgen. Der Wunsch nach mehr Screentime des ein oder anderen besonders befähigten könnte dabei durchaus aufkommen – denn wirklich uninteressant erscheint hier niemand. Anders gesagt: wenn es nicht die Fähigkeiten der Helden sind die für Aufsehen sorgen, dann doch die jeweilige Persönlichkeit oder aber entsprechende Persönlichkeits-Macken.

Zuletzt spendiert ONE PUNCH MAN seinen Helden natürlich auch entsprechende Widersacher – wobei sich die Macher abermals ordentlich ausgelassen haben.  Entweder punkten die Monster mit besonders schrillen Designs und Animationen, oder aber mit besonders spektakulär in Szene gesetzten Auftritten. In denen wird beispielsweise nicht selten ein herrlich-überzogenes Weltübernahme-Gefasel an den Tag gelegt – was man so auch aus anderen Anime-Serien kennt. Der Zusammenhang in ONE PUNCH MAN indes ist ein ganz anderer, sodass man selbst die Monster (die sich hie und da nochmal zum Abschluss einer Episode melden) liebgewinnen und nach deren Vernichtung irgendwie auch vermissen wird.

Optische Aspekte

ONE PUNCH MAN bietet zwar keine optischen Innovationen – überzeugt dafür aber mit einem äußerst soliden Handwerk. Seien es die ganz und gar prächtige Farbenvielfalt, das geniale Charakter- und Monsterdesign, die ebenso flotten wie geschmeidigen Kampf- und Actionszenen oder die generelle optische Vielfalt – die Serie ist nicht weniger als Zucker für die Augen. Und das ohne, dass man eine übertriebene Hektik oder eine zu schnelle Bildfolge befürchten müsste. Lediglich eine gewisse Vorliebe für allerlei zeichnerische Übertreibungen sowie den ein oder anderen (absichtlich) simpel animierten Abschnitt sollte man schon mitbringen – schließlich hält der allgemeine Slapstick auch im Bereich des handwerklichen Einzug, glücklicherweise aber pointiert und relativ stilvoll.

Akustische Aspekte

Schon der mitreißende Opener von ONE PUNCH MAN macht klar: es darf gerne mal etwas ausgelassener und energetischer zugehen. Abgesehen vom Outro, welches im Gegensatz dazu einen krassen Gegenpol bildet; punktet die Serie so auch in den Kampfszenen mit allerlei antreibenden bis hymnischen Tönen. Letztendlich spielt der Soundtrack aber keine allzu große Rolle – zumal er in der allgemein abgedrehten Szenerie auch so manches Mal unterzugehen droht. Nicht zuletzt die Soundeffekte und das Engagement der Sprecher machen aus ONE PUNCH MAN aber auch ein akustischen Vergnügen.

Fazit: Hinsichtlich seines potentiellen Publikumserfolges stellt ONE PUNCH MAN eigentlich nur eine Frage: kann man als Zuschauer einmal mehr (im japanischen Anime-Bezug wohl eher: ausnahmsweise) auf einen ausgefeilten Storyschwerpunkt verzichten, und sich stattdessen nur an einer kunterbunt-verrückten Welt inklusive vieler schmackiger Actionszenen und zahlreicher schriller Charaktere erfreuen ? Wenngleich die Frage besser nicht generell mit einem lauthalsen ja beantwortet werden sollte – und das schon gar nicht in Richtung der westlichen Unterhaltungsindustrie, die Ambitionen wie diese nur allzu gut kennt – so kann, sollte oder muss man für ONE PUNCH MAN einfach mal eine Ausnahme machen. Anders gesagt: so durchtrieben und unterhaltsam, dabei aber stets handwerklich ansprechend und mit einem angenehmen Humor versehen war schon lange keine Anime-Serie mehr.

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„Eine Serie (fast) so stark wie ein Schlag von Saitama selbst. Ausnahmsweise gilt: eine zweite Staffel darf gerne folgen.“

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