Metal-CD-Review: KELDIAN – Darkness And Light (2017)

Alben-Titel: Darkness And Light
Künstler / Band: Keldian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Oktober 2017
Land: Norwegen
Stil / Genre: Power Metal
Label: Perris Records

Alben-Lineup:

Christer Andresen – Bass, Guitars, Vocals (lead)
Arild Aardalen – Keyboards, Vocals (additional)
Steingrim – Drums
Vemund Osland – Guitars (additional) (tracks 4, 7)
Helene Hande Midje – Vocals (backing) (tracks 2, 3, 5, 7, 8)

Track-Liste:

1. Nightfall (04:21)
2. Blood Red Dawn (05:11)
3. The Haunting (04:27)
4. Life and Death Under Strange New Suns (05:28)
5. I’m the Last of Us (12:41)
6. Change the World (07:20)
7. Broadside! (05:19)
8. Crown of Starlight (07:27)

Wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Oder war es andersherum… ?

In eingeschworenen Kreisen mag es schon etwas länger bekannt gewesen sein, im allgemeinen ist es eher eine Überraschung: die norwegischen Power Metaller von KELDIAN sind zurück, und präsentieren mit DARKNESS AND LIGHT ihr mittlerweile viertes offizielles Studioalbum. Allzu lange haben die Norweger also gar nicht gebraucht mit ihrem Nachfolger zum gelungenen OUTBOUND (siehe Review) – vor allem wenn man bedenkt, wie viel Arbeit und Herzblut die beiden hauptsächlich beteiligten Musiker Christer Andresen und Arild Aardalen generell in ihr Herzensprojekt stecken. Dennoch wird es wohl kaum ausbleiben, dass DARKNESS AND LIGHT mit eben jenem Vorgängeralbum verglichen werden wird – sowie natürlich auch mit dem mittlerweile kultigen Debütalbum HEAVEN’S GATE (Review) und dem schier grandiosen JOURNEY OF SOULS (Review) aus dem Jahre 2008. Diesbezüglich festzustellen ist, dass sich KELDIAN die Messlatte wieder einmal ziemlich hoch gelegt haben – schließlich kann kaum eine andere Band mit vergleichsweise wenig Unterstützung von außen eine derart überzeugende Diskografie vorlegen.

Eine, die nicht nur im handwerklichen und soundtechnischen Sinne überzeugt – sondern auch durch allerlei Alleinstellungsmerkmale gekennzeichnet ist, die sich hauptsächlich im großzügig behandelten Thema der Science Fiction niederschlagen. Eben diese Herangehensweise ist es auch, die KELDIAN schnell einen gewissen Kultstatus innerhalb des übergeordneten Genres sicherte – schließlich gibt es bis heute kaum eine andere Band, die eine ähnliche inhaltliche und stilistische Ausprägung an den Tag legt. Zumindest nicht in einem derartigen Umfang, einer ähnlichen Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft – und nicht zuletzt einer zum Schneiden dichten Atmosphäre, die sich bisher noch durch jedes KELDIAN-Album zog. Die vieles entscheidende Frage ist daher, wie sich das vorliegende DARKNESS AND LIGHT als viertes KELDIAN-Album mit entsprechend hochkarätigen Vorgängern, aber natürlich auch als bestenfalls aussagekräftiges Genre-Werk in einem allgemein starken Power Metal-Jahr 2017 schlägt.

Fakt ist: in der ersten – und eher oberflächlichen Betrachtung – hinterlässt DARKNESS AND LIGHT noch einen recht unscheinbaren Eindruck, womit es sich dann doch etwas vom direkt zündenden Vorgänger OUTBOUND unterscheidet. Enthalten sind 8 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 52 Minuten, die Titelbezeichnungen selbst lassen kaum erahnen wohin die Reise gehen könnte – und das (offenbar aus einem beliebigen Stockfootage-Archiv stammende) Artwork wird der Genialität der Musik von KELDIAN einfach nicht gerecht. Nimmt man nun noch die Tatsache(n) hinzu, dass die als Lyric-Video ausgekoppelte Single BLOOD RED DAWN mit ihrem Reptiloiden-Thema nicht bei allen KELDIAN-Fans gleichermaßen auf Anklang stieß und man auf vergleichsweise zähe und für KELDIAN eher untypische Nummern wie THE HAUNTING besser gleich komplett hätte verzichten sollen; sollte man eigentlich von einer kleinen bis mittelprächtigen Enttäuschung ausgehen. Eigentlich.

Glücklicherweise hat das aber nicht viel zu bedeuten, da DARKNESS AND LIGHT nach einem unbedingt erforderlichen tieferen Einsteigen absolut problemlos zu einem spannenden und musikalisch vielschichtigen Werk avancieren kann. Eben so, wie man es bisher von KELDIAN gewohnt war. So ist etwa klar zu erkennen, dass es sich um die Norweger handelt – die weiterhin an ihren spezifischen Trademarks wie etwa den sphärisch-symphonischen Klangelementen, dem glasklaren Leadgesang von Christer Andresen und dem sofort wiederzuerkennenden Sound der Gitarren festhalten. So können KELDIAN speziell mit dem Auftakt in Form von NIGHTFALL, BROADSIDE und CROWN OF STARLIGHT punkten – oder aber mit dem genialen LIFE AND DEATH UNDER STRANGE NEW SUNS. Selbige Nummer beschwört es schließlich wieder ganzheitlich herauf, das ebenso einzigartige wie geschätzte Gänsehaut-Gefühl. Ein Gefühl, welches klar mit der Vorstellung einhergeht neue Welten zu entdecken – ob nun im musikalischen oder tatsächlichen Sinne.

Aufpassen sollten KELDIAN lediglich in Bezug auf die doch recht ausgiebige Präsenz des vielleicht nicht immer ganz so treffsicheren Keyboards sowie einige eventuelle Durststrecken – etwa solche, die dem überlangen I’M THE LAST OF US mehr Zähigkeit verleihen als notwendig. Schließlich bleibt die erhoffte Wandlung, der sehnsüchtig erwartete Aha-Moment im Sinne eines MEMENTO MORI (vom genialen JOURNEY OF SOULS) aus. Und auch CHANGE THE WORLD bewegt sich mit seiner gewöhnungsbedürftigen Rhythmik, der gefühlten Nähe zu CARPARK NORTH’s HUMAN und dem doch sehr vordergründigen weiblichen Gastgesang nah an der Schmerzgrenze zum Kitsch, oder wahlweise auch zur (musikalischen) Überfrachtung. Hier gilt, oder sollte (wie schon zuvor) gelten: weniger ist manchmal mehr.

Letztendlich ist DARKNESS AND LIGHT damit nicht ganz der erhoffte Quantensprung im Sinne der bereits herausragenden Diskografie von KELDIAN geworden – was allerdings nicht bedeutet, dass es sich um ein generell zu vernachlässigendes Genre-Album handelt. Ganz im Gegenteil, durch die doch noch aussagekräftig genug vertretenen starken Nummern handelt es sich noch immer um ein klar überdurchschnittliches und angenehm andersartiges Power Metal-Werk, welches vor allem Neueinsteigern ein feuchtes Glitzern in die Augen treiben sollte. Es bleibt spannend zu beobachten, was die pfiffigen Norweger für die Zukunft planen – denn abgeschlossen ist das Kapitel KELDIAN sicher noch nicht, und das ist auch gut so.

Absolute Anspieltipps: NIGHTFALL, LIFE AND DEATH UNDER STRANGE NEW SUNS, BROADSIDE, CROWN OF STARLIGHT


„Die Vorgänger waren etwas stärker, aber: auch DARKNESS AND LIGHT überzeugt als super-solides und typisches KELDIAN-Album mit dem gewissen Etwas.“

2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: KELDIAN – Darkness And Light (2017)

  1. Anscheinend ist „Darkness and light“ der denkbar schlechteste Einstieg in die musikalische Welt der Norweger. Wenn ich ich ehrlich sein soll, Lust auf die vorherigen, vielleicht sogar besseren CDs habe ich nicht. Was ich höre ist auf Härte getrimmter 80-iger Synthi-Pop(Nightfall, Blood red dawn).Wenn an anderer Stelle davon geschwärmt wird, dass „I` m the last of Us“ der beste Longtrack des Jahres sei, verstehen kann ich es nicht! Tut mir leid! Not my cup of tea!

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, sehe ich ähnlich. Und danke für Deinen Kommentar !

      Den älteren CD’s solltest Du aber ruhig eine Chance geben, vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit… meine erste Empfehlung würde hier klar auf „Journey Of Souls“ lauten, mit „Memento Mori“ als einem der eindeutig besseren Keldian-Longtracks 😉

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