CD-Review: METALKINDER – Metalkinder (2017)

Alben-Titel: Metalkinder
Künstler / Band: Metalkinder (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 09. Juni 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Rock / Pop / Heavy Metal
Label: Karussell / Universal Music

Track-Liste:

1. Metalbrett (02:37)
2. Bruder Jakob (03:37)
3. Brüderchen Komm Rock Mit Mir (02:40)
4. Fuchs Du Hast (04:16)
5. Ich Will Matsch (01:40)
6. Butzemann (02:26)
7. Ich Bleib Am Längsten Wach (03:21)
8. Metal Ist (03:28)
9. Wir Lieben Die Stürme (02:27)
10. Der Mond Ist Aufgegangen (03:14)

Babymetal war gestern.

Ist man auf der Suche nach eher ungewöhnlichen Releases des Musik- und Metal-Jahres 2017, kommt man an einer Combo gewiss nicht vorbei: den sogenannten METALKINDERN. Wie es der Name bereits alles andere als subtil verrät, legt es das Projekt darauf an von Kindern eingesungene Texte mit der Kraft des Heavy Metal zu verbinden – immer mit dem durchaus ehrenwerten Ziel, für einen bestenfalls generationsübergreifenden Musik-Spaß zu sorgen. Doch wie es eben so ist, wo Kinder Musik machen (oder zumindest Texte einsingen) dürfen auch die Erwachsenen nicht fehlen: die METALKINDER wurden erst dieses Jahr von den beiden Musikern Nino Kann und Pia Pilz ins Leben gerufen, die ihrerseits schon recht lange im Geschäft sind und überdies auch einige Erfahrungen im Bereich der Pädagogik vorweisen können. Für ein Projekt wie METALKINDER sollten sie also geradezu prädestiniert sein – was sich offenbar auch die Entscheidungsträger beim Label Karussell respektive Universal Music gedacht haben.

Das Ergebnis liegt nun mit dem insgesamt 10 Titel starken und sich auf eine Gesamtspielzeit von einer knappen halben Stunde belaufenden Album METALKINDER vor. Ein Album, dass im besten Fall nicht nur alteingesessene Metal-Fans begeistert – sondern schon die allerjüngsten Zuhörer, die sich (noch) nicht um etwaige Genre-Bezeichnungen scheren. Im besten Fall, versteht sich. Doch wie sich zeigt, offenbart das Album – oder eher das dahinterstehende Konzept – einige Probleme. Sicher: es ist grundsätzlich eine gute Sache, wenn sich Erwachsene mit Kindern beschäftigen und sie auch noch in ein ambitioniertes Projekt wie dieses einbinden. Doch wenn es sich wie hier um einen auf dem regulären Markt veröffentlichten Tonträger handelt, so sollte sich dieser auch einer gewissen Form der Kritik stellen. Und tatsächlich: lässt man einmal alle ehrenwerten Ambitionen außen vor, und versucht das Album nur aus einer rein handwerklich-musikalischen Sicht zu bewerten – fängt das Konzept METALKINDER auch recht schnell an zu brökeln.

Der Grund dafür ist schnell gefunden: es klingt einfach nicht besonders gut oder angenehm, was die Kinder und die beteiligten Musiker hier auf die Beine gestellt haben. Und das weder in der Einzelbetrachtung, noch in der Gesamtkomposition. In der sieht es sogar noch düsterer aus; schließlich scheinen die Strukturen und Harmonien der allseits bekannten, dabei aber leicht veränderten (das heißt, härter gemachten) Kinderlieder kaum mit der instrumentalen Marschrichtung zu harmonieren. Anders gesagt: die Kinder ziehen ihr ganz eigenes Ding durch, und geben ihr bestes die Texte entsprechend energisch einzusingen – was wenn überhaupt nur teilweise gelingt. Nummern wie FUCHS DU HAST (Anspielungen auf diverse bekannte Bands dürfen schon sein) oder BUTZEMANN zeigen beispielsweise mit Nachdruck auf, dass es mit dem Talent der beteiligten Kinder vielleicht doch nicht soweit her ist – und vieles in der möglichst glatt geschliffen Produktion untergeht. Eine Produktion, die die Metal-Elemente auf das absolut nötigste (oder vielleicht auch auf das am ehesten zu erwartende) herunterbricht; und es eher simpel angehen lässt.

Am gravierendsten aber sind und bleiben die Texte, respektive das zutiefst befremdlich wirkende Zusammenspiel der Texte mit der Musik. Ein Zusammenspiel, das vor allem eine Frage aufwirft: für wen ist ein Album wie METALKINDER gemacht ? Die allerjüngsten Hörer (die als eigentliche Zielgruppe gelten sollten) werden sich schließlich nach wie vor an den Texten orientieren –  wobei es letztendlich kaum eine Rolle spielen sollte, wie genau nun die instrumentale Hintergrundgestaltung ausfällt. Grundsätzlich gilt es hierbei wohl vornehmlich eines zu beachten: es soll möglichst zugänglich und annehmbar klingen, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Ob es also wirklich nötig war hier auf ein gewissermaßen provozierendes Metal-Konzept zu setzen, und einen stets in der Musik des Albums mitschwingenden Stilbruch zu begehen – das steht wohl in den Sternen. Und überhaupt: für jeden, der ein gewisses Alter überschreitet; sollten die METALKINDER schnell zu einer eher unangenehmen; ja wenn nicht gar peinlichen Angelegenheit werden. Daran ändern auch die möglicherweise coolen Riffs nichts.

Ein (leider zu spät kommender) Vorschlag zur Güte wäre also gewesen, keine typischen Kinderlieder als Grundlage zu nehmen – sondern eigene, dezent angepasste Texte zu schreiben. Allerdings und bitte keinen wie in ICH WILL MATSCH oder METAL IST (hier handelt es sich tatsächlich um Originaltexte, aber keine guten). Und sicher auch, mehr Arbeit in die gesanglichen Darbietungen der Kinder zu investieren. Vielleicht, aber auch nur vielleicht hätte das Ganze dann mehr von einem musikalisch wirklich ernstzunehmenden Projekt – welches mit anderen international agierenden mithalten kann. Die NEWBURY ROCK SCHOOL aus Großbritannien etwa macht seit jeher vor, wie es geht – gibt sie Kindern nicht nur einen gekonnten und nachhaltigen Musikunterricht, sondern bringt unter Umständen auch Bands wie THE MINI BAND hervor. Die bedienen zwar nicht unbedingt einen expliziten Heavy Metal, spielen aber alle Instrumente selbst und präsentieren einen gleichermaßen ambitionierten wie ernstzunehmenden Rock – der allemal dazu in der Lage ist, generationsübergreifend zu begeistern. Die METALKINDER können dies – zumindest in der vorliegenden Form – leider nicht.

Absolute Anspieltipps: /


„Theoretisch interessant, praktisch extrem ernüchternd.“

Für weitere CD-Rezensionen von unterschiedlichem Umfang empfiehlt sich ein Blick auf das alphabetisch geordnete Musikarchiv des Blogs.

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