CD-Review: D’ARTAGNAN – Verehrt & Verdammt (2017)

Alben-Titel: Verehrt & Verdammt
Künstler / Band: D’Artagnan (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. September 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Pop / Schlager
Label: Sony Music

Alben-Lineup:

Ben Metzner – Leadvocals, Dudelsack, Flöten
Tim Bernard – Vocals, Gitarre
Felix Fischer – Vocals, Gitarre, Bass

Track-Liste:

1. Neue Helden
2. Jubel
3. Ich Blick‘ Nicht Zurück
4. Ich Steh‘ Dir Bei
5. Die Nacht Gehört Dem Tanze
6. Auf Dein Wohl
7. Wir Schmieden Das Eisen
8. Das Mühlrad
9. Was Wollen Wir Trinken
10. Legenden
11. Schinderhannes
12. Wer Weiß
13. Das Letzte Glas

Solange sich das Pendel nicht entscheiden kann…

Es ist wieder soweit: die berühmt-berüchtigte Rügenwalder Mühle hat zu einer zünftigen, von schmetternden musikalischen Darbietungen unterlegten Brotzeit gerufen. Dabei liegt die letzte noch gar nicht allzu lange zurück – wobei der auch bei einer vergleichsweise kultiviert zugehenden Bio-Feier inkludierte Kater noch gar keine Zeit hatte, sich unbemerkt davonzumachen. Die lauten Rufe nach einem ausgelassenen Schunkeln, im besten Falle auch SEIT AN SEIT mit etwaigen der betagteren Hofdamen; sind in jedem Fall noch nicht vollständig abgeebt – da schreiten die furchtlosen Musketiere von D’ARTAGNAN auch schon wieder in Richtung der klapperigen Holzbühne, um von neuen Abenteuergeschichten zu erzählen. Der Musketier-Rock lebt, das steht fest. So fest wie die mächtige Lanze des Prinz Hodenherz… obwohl, das war ja eine ganz andere Feier. Wohlan – man verehre oder verdamme sie, in alle Ewigkeit ! Wirklich wagemutig ist dagegen der, der gleich beides kombiniert…

Ja, sie sind wieder da – D’ARTAGNAN, die vor gut einem Jahr mit ihrem Debütalbum SEIT AN SEIT (siehe Rezension) um die Ecke kamen und sich im Fahrwasser von derzeit angesagten Männergesangs-Combos wie SANTIANO breit gemacht haben. Und das offenbar ganz ohne, dass dafür besondere musikalische Fähigkeiten oder gar ein Talent für das Schreiben von ansprucshvollen annehmbaren Texten notwendig wären. Zumindest ist das eine Vermutung, die verdächtig nahe liegt – und das nicht allein, da die gleichförmig-glattgeschliffene Produktion eines Albums wie VEREHRT & VERDAMMT erst gar nicht die Vermutung aufkommen lässt; dass es sich hier um ein wirklich ehrliches oder ambitioniertes Musik-Projekt handeln könnte. Sicher, im Gegensatz zu SANTIANO setzen D’ARTAGNAN auf eine so noch nicht nennenswert bediente Musketier-Optik, und versuchen einige der mit eben diesem Anblick assoziierten Inhalte auch in ihre Musik zu übertragen. Immerhin: für einen im Musik-Business sicher nicht unvorteilhaften Wiedererkennungswert mag das gerade noch reichen.

An der letztendlich offerierten Qualität des Liedguts eines Albums wie VEREHRT & VERDAMMT ändert das indes wenig. Vermutlich sogar eher im Gegenteil – da Bands wie D’ARTAGNAN relativ offensichtlich in eine ganz bestimmte Ecke gedrängt werden, um ein ganz spezielles Publikum zu bedienen. Unter Voraussetzungen wie diesen sollte es jedenfalls kaum möglich sein eine nennenswerte Eigeninitiative zu entwickeln, musikalisch voranzukommen oder gar die Hörerschaft doch noch zu überraschen. Vielleicht aber, und dies würde alle potentiellen Verschwörungstheorien ad absurdum führen – machen D’ARTAGNAN respektive die drei stellvertretenden Front-Musiker hier ja wirklich genau das, was sie schon immer wollten. Und das ganz ohne Rücksicht auf Verluste, die sich vor allem von Seiten zahlreicher durchaus ernstzunehmender Kritiker ergeben. Eben das wäre unter Umständen auch schon wieder angenehm und allemal zu begrüßen. Rebellen braucht das Land, auch wenn sich ihre Aussagen und Ambitionen zufälligerweise genau mit denen der mächtigen decken… !?

Eigentlich, und um auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren; braucht man aber gar nicht erst zu einem erfahrenen Musik-Kritiker zu avancieren um zu erkennen, was genau da in den Texten und Kompositionen von D’ARTAGNAN vorgeht. Wie schon auf dem Debütalbum SEIT AN SEIT geben sich die vermeintlichen Musketiere abermals ausgesprochen prätentiös, harmlos, und vor allem zutiefst generisch. Vornehmlich, da die Textinhalte ebenso beliebig und lieblos vorgetragen werden wie die musikalischen Kompositionen – sodass ein Begriff wie der der Austauschbarkeit bei einer Band wie D’ARTAGNAN völlig neue Dimensionen erreicht. Anders gesagt: wie man es auch dreht und wendet; keiner der insgesamt 13 Titel schafft es irgendwie, sich von den anderen abzuheben. Sicher, einige grundsätzliche handwerkliche Fähigkeiten sind erkennbar; und die Einbringungen von in der Popmusik nicht unbedingt alltäglichen Instrumenten sind grundsätzlich angenehm. Das alles hilft aber nichts, wenn man einfach nicht weiß welcher Titel gerade läuft, geschweige denn wo das Album anfängt oder aufhört. Es gibt keine Entwicklung, keinen Spannungsbogen; kurzum: keinen Aufschwung im Vergleich zu SEIT AN SEIT. Dass VEREHRT UND VERDAMMT recht schnell auf den Vorgänger gefolgt ist, wirkt sich zusätzlich negativ aus – und lässt im schlimmsten Fall vermuten, dass D’ARTAGNAN nunmehr jährlich ganz ähnliche musikalische Ergüsse abliefern werden.

Absolute Anspieltipps: /


„Von hinten wie von vorne D’ARTAGNAN.“

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