Metal-CD-Review: VANDROYA – One (2013)

Alben-Titel: One
Künstler / Band: Vandroya (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Februar 2013
Land: Brasilien
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Voice Music

Alben-Lineup:

Gee Perlati – Bass
Otávio Nuñez – Drums
Marco Lambert – Guitars
Rodolfo Pagotto – Guitars
Daísa Munhoz – Vocals

Track-Liste:

1. All Becomes One 01:50)
2. The Last Free Land (05:17)
3. No Oblivion for Eternity (06:00)
4. Within Shadows (05:29)
5. Anthem (For the Sun) (05:56)
6. Why Should We Say Goodbye? (05:23)
7. Change the Tide (05:17)
8. When Heaven Decides to Call (05:34)
9. This World of Yours (04:06)
10. Solar Night (07:39)

Und das Schweigen ward gebrochen.

Geht es um mehr als nur nennenswerte Ursprungsländer diverser hochkarätiger Genre-Acts, war mit Brasilien eigentlich schon immer zu rechnen. Etwas aber könnte dem Land des Karnevals und der hiesigen Power Metal-Szene noch gefehlt haben, was entgegen des generell eher negativ behafteten Grundtons der Formulierung auch genau so gemeint ist: eine ebenso ambitionierte wie bestenfalls knackig-markant agierende Combo, die von einer Frau angeführt wird. Und genau hier kommen die Heavy- und Power Metaller von VANDROYA ins Spiel – die sich mit ihrem lang ersehnten Erstwerk ONE aufmachen, als eben solche Combo Punkte zu sammeln und entsprechend bekannt zu werden. Lang ersehnt war das Album vor allem deshalb, da die Band eigentlich schon im Jahre 2001 gegründet wurde – daraufhin, und bis auf eine alleinstehende Independent-Demo (WITHIN SHADOWS) aus dem Jahre 2005 aber gar nicht erst allzu viel von sich hören ließ. Gut also, dass eetwaige potentielle Startschwierigkeiten mit dem Release von ONE endgültig der Vergangenheit anzugehören scheinen.

In jedem Fall prescht das Album schon mit dem schmackigen Opener THE LAST FREE STAND ordentlich voran, und macht dabei auf vornehmlich eines aufmerksam. Denn: VANDROYA bedienen nicht unbedingt das, was man gemeinhin als gängige oder gar standardisierte Genre-Kost bezeichnen würde. Im Gegenteil, trotz der teils deutlich herauszuhörenden Einflüsse von Genre-Urgsteinen wie ANGRA – etwa in Bezug auf den Gitarrensound und die Soli – scheinen VANDROYA um ein möglichst eigenständiges Soundkonstrukt bemüht. Eine diesbezügliche Hauptrolle spielt sicher auch die Darbietung der Frontfrau Daísa Munhoz – die eine angenehme Stimmfarbe hat und dabei gekonnt zwischen eher getragenen und kraftvollen Momenten variiert. So, und durch nur wenige sich anbietende Vergleichsmöglichkeiten (MORNINGSTARLETT etwa) trägt sie entscheidend zum vergleichsweise erfrischenden Gesamteindruck des Albums bei. Aber natürlich brauchen sich auch die Verantwortlichen hinter den Instrumenten nicht zu verstecken – wobei gerade das Gitarrenspiel von Marco Lambert und Rodolfo Pagotto zu begeistern weiß. Und das in einem solchen Ausmaß, dass man sich stellenweise noch einmal die Frage stellen muss; ob es sich hier wirklich um ein Debütalbum handelt.

Anders gesagt: ONE klingt nicht wie ein aufdringlicher Schnellschuss einer beliebigen Newcomer-Band, sondern wie ein gut durchdachtes und handwerklich bereits über viele Zweifel erhabenes Power Metal-Werk. Sicher, in Bezug auf den allgemeinen Soundeindruck wäre eventuell sogar noch mehr drin gewesen – die Abmischungs- und Produktionsarbeit erscheint solide, aber eben auch noch nicht perfekt. Was bleibt, ist ein Blick auf die einzelnen Titel – von denen zwei bereits auf der ursprünglichen Demo enthalten waren (WITHIN SHADOWS und WHY SHOULD WE SAY GOODBYE). Eindeutig erscheint, dass VANDROYA vor allem dann eine enorm gute Figur machen; wenn sie schön kräftig agieren und eine gewisse Spielfreude durchklingen lassen – also etwa in Nummern wie dem Opener, dem mit einer Priese männlichem Gastgesang versehenen CHANGE THE TIDE oder dem schier furiosen THIS WORLD OF YOURS. Doch auch wenn VANDROYA eine etwas progressivere Schiene bedienen, und in Nummern wie NO OBLIVION FOR ETERNITY, WITHIN SHADOWS oder ANTHEM FOR THE SUN immer mal wieder die ein oder andere überraschenden Moment einstreuen; klingt das überaus ansprechend.

Vorsichtig sein müssen die Brasilianer wohl nur, wenn es um eher balladeske bis rockig-lockere Strömungen geht. Wie etwa in WHY SHOULD WE SAY GOODBYE – wozu es nicht erst die als Bonus enthaltene Piano-Version braucht. Auch SOLAR NIGHT hat einige diesbezügliche Ansätze – wobei die Band aber noch immer ausreichend gegensteuert, um nicht zu weichgespült zu klingen. Insgesamt aber, und das ist einer der markanteren Eindrücke die man vom insgesamt 10 Titel starken Debütalbum gewinnen kann; scheinen VANDROYA voller Tatendrang zu stecken und wohl noch einiges vorzuhaben. Ob es ihnen dabei tatsächlich gelingen wird, einen nachhaltigen Eindruck in der Metal-Szene zu hinterlassen bleibt natürlich abzuwarten – mit ONE scheint man sich jedenfalls schon einmal einen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben.

Absolute Anspieltipps: THE LAST FREE LAND, NO OBLIVION FOR ETERNITY, WITHIN SHADOWS, CHANGE THE TIDE


Ein ebenso erfrischendes wie angenehm wandelbares Debütalbum.“

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