Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Phoenix (2017)

Alben-Titel: Phoenix
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. September 2017
Land: Schweden
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Per Nilsson – Guitars
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. A Heart as Black as Coal (04:21)
2. Before We Waste Away (04:45)
3. The Poisonous Seed (04:30)
4. Repent My Sins (03:48)
5. What’s Killing Me (04:20)
6. A Song for You (03:50)
7. The Ghost Inside Me (05:34)
8. Nothing Can Break Me (04:22)
9. Flames (04:08)
10. Welcome to the End (04:05)

Da fliegt er wieder, der Phönix aus der Asche.

Wenn eine schwedische Power Metal-Combo von sich behaupten kann zu den absoluten Genre-Urgesteinen zu gehören; sind die NOCTURNAL RITES wohl ganz vorn mit dabei – auch wenn die bereits 1990 gegründete Band ursprünglich auf eine etwas härtere Spielart aus war. Irgendwann kam dann aber doch der Zug hin zu einem deutlich melodischeren Sound – und dem, was man vor allem um die Jahrtausendwende herum erstarkten Schweden hat hören können. In jener von 1995 bis 2005 währenden Blütezeit veröffentlichten die Schweden immerhin ganze 7 Studioalben – die allesamt gut von der Metal-Gemeinde aufgenommen wurden. Selbst ein potentiell einschneidender Lineup-Wechsel (für den einstigen Leadsänger Anders Zackrisson kam im Jahre 2000 der auch heute noch aktive Jonny Lindqvist) konnte der Band kaum etwas anhaben – wohl aber das, von nach dem von vielen als enttäuschend betrachteten 2007’er Album THE 8TH SIN folgte. Hierauf wurde es schließlich verdächtig still um die Band – die erst jetzt und im Jahre 2017 zürückkehrt, um ihre einstige Herrschaft mit einem neuen Studioalbum  wiederzubeleben. Im besten Fall, versteht sich.

Dabei ist es durchaus etwas ungewöhnlich, dass die Band ganze 4 Vorabsingles veröffentlichte – wohl um die Spannung zu erhöhen und den Fans immer neue Appetithäppchen zu servieren. Ob sich diese Vorgehensweise nun – und mit dem Blick auf das vorliegende Album – auch negativ auswirken könnte, muss dabei ein jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht nur, dass es mit 43 Minuten Material ohnehin recht knapp bestückt ist – und man abzüglich der bereits bekannten Titel BEFORE WE WASTE AWAY, A HEART AS BLACK AS COAL, REPENT MY SINS und WHAT’S KILLING ME sogar nur auf knappe 27 Minuten an wirklich neuem NOCTURNAL RITES-Material kommt. Immerhin, an der letztendlich offerierten Qualität des Liedguts ändert das nichts – denn auch im Jahre 2017 gehören die NOCTURNAL RITES noch lange nicht zum alten Eisen. Das gilt vornehmlich für den handwerklichen Eindruck aller beteiligten Musiker, denen man vieles vorwerfen kann – nur nicht, dass sie keine Erfahrung hätten. Auch die Qualität der Abmischung, Produktion und letztendlichen Präsentation überzeugt auf ganzer Linie – sicher auch da man entsprechend lange im Geschäft ist und weiß, worauf es bei einem Album wie diesem ankommt.

Und doch muss oder sollte man sich die Frage stellen, ob ein Album wie PHOENIX tatsächlich das Zeug dazu hat in bisher unerdenkliche Höhen aufzusteigen – oder ob es doch nur einen ebenso konsequenten wie erwarteten, so gesehen auch überfälligen Schritt weg vom deutlich zu schwachen THE 8TH SIN markiert. Sicher wäre auch das schon die halbe Miete – doch in Anbetracht eines derart lang erwarteten Albums lassen sich gewisse zusätzliche Erwartungen wohl kaum vermeiden. Anders gesagt: auch wenn die Band und insbesondere Leadsänger Jonny Lindqvist mit  ihre Sache mehr als ordentlich machen, hat man nicht wirklich das Gefühl als würden die Schweden hier wirklich alles auf eine Karte setzen, um ihr Leben spielen – oder wie auch immer man eine wirklich zu jedem Zeitpunkt in der Musik spürbare Überzeugung benennen würde. Viel eher scheint als, als würden die NOCTURNAL RITES des öfteren auf Nummer sicher gehen – und wenn sie dann doch für Überraschungen sorgen, sind es nicht immer positive.

Freunde eines typischen europäischen Power Metals sollten jedenfalls Vorsicht walten lassen – schließlich verweben die Schweden allerhand Einflüsse in ihrer Musik, angefangen bei etwas weicheren Klängen des AOR über Elemente des Groove und Trash Metals bis hin zu dem Metalcore entliehenen Einschüben und etwas zu gleichförmigen Momenten speziell in Form der alles andere als knackigen Refrains. Dabei kann man sich kaum des Eindrucks erwehren, dass die NOCTURNAL RITES so zu einem regelrechten Zwitterwesen mutieren: einerseits sind sie ehrliche Metal-Musiker und legen einiges an entsprechender Kraft vor – wobei es kaum eine Rolle spielt, ob sie nun etwas düsterer (wie im genialen POISONOUS SEED), bombastischer (wie in THE GHOST INSIDE ME) oder schlicht gradlinig-hymnischer (wie im Rausschmeißer WELCOME TO THE END) agieren. Andererseits aber schleichen sich immer wieder Momente oder ganze Nummern ein, die entweder zu sehr auf eigentlich unnötige Sound-Experimente aus sind (Djent-Gitarren im Opener A HEART AS BLACK AS COAL, das Keyboard in NOTHING CAN BREAK ME) sind oder aber eine merkwürdig massenkompatible bis unangenehm radiofreundliche Komponente haben.

Dementsprechend kann es sich als hilfreich erweisen, wenn man im allgemeinen kein Problem mit dem Bestreben von Bands wie AVANTASIA, JORN oder MASTERPLAN hat; man neben einigen direkt mitreißenden Momenten auch mit der ein oder anderen ruhigeren bis unspektakuläreren Einlage zurechtkommt – und genrell nichts gegen eine ordentliche Mischung verschiedenster Genre-Anleihen hat.

Absolute Anspieltipps: BEFORE WE WASTE AWAY, THE POISONOUS SEED, THE GHOST INSIDE ME


„Man könnte oder sollte durchaus über den von NOCTURNAL RITES an Tag gelegten Stil diskutieren. In handwerklicher Hinsicht sowie in seinen starken Momenten ist PHOENIX aber eine wahre Wucht.“

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