Metal-CD-Review: VANDROYA – Beyond The Human Mind (2017)

Alben-Titel: Beyond The Human Mind
Künstler / Band: Vandroya (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. April 2017
Land: Brasilien
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Inner Wound Recordings

Alben-Lineup:

Gee Perlati – Bass
Otávio Nuñez – Drums
Marco Lambert – Guitars
Rodolfo Pagotto – Guitars
Daísa Munhoz – Vocals

Track-Liste:

1. Columns of Illusion (02:41)
2. The Path to the Endless Fall (06:09)
3. Maya (06:38)
4. Time After Time (04:18)
5. Last Breath (04:33)
6. I’m Alive (04:37)
7. You’ll Know My Name (05:59)
8. If I Forgive Myself (06:25)
9. Beyond the Human Mind (10:48)

Die Vorstellungskraft hoffentlich nicht sprengend.

Wenn es eine Power Metal-Szene gibt die gerne mal unterschätzt wird, dann ist wohl auch Brasilien als leider gerne mal übersehenes Herkunftsland diverser hochkarätiger Genre-Acts ganz vorn mit dabei. Dabei hatten bereits frühe Power Metal-Urgesteine wie ANGRA stets dafür gesorgt, dass neben dem berühmt-berüchtigten spanischen durchaus auch ein brasilianisches Power Metal-Feuer lodert. Somit ist es auch kein Wunder, dass im Laufe der Jahre viele weitere Combos folgten – und das nicht nur in Form der ANGRA-Splitbands SHAMAN und ANDRE MATOS, sondern in so gut wie allen Formen und Farben. Eines aber hatten und haben diverse brasilianische Genre-Acts oftmals gemeinsam: die Chance, dass der geneigte Genre-Enthusiast die jeweiligen Alben geografisch richtig zuzuordnen kann – und das oftmals auch nach nur wenigen gehörten Titeln – ist vergleichsweise groß. Und das nicht etwa, da alle aus Brasilien stammenden Combos auf einen explizit exotischen Sound setzen würden (wie etwa TIERRA MYSTICA, oder die bereits aufgelösten AQUARIA). Vielmehr steckt der (musikalische) Teufel im Detail.

Oftmals genügt aber schon das Zusammenspiel aus einem im internationalen Vergleich recht spezifischen Gitarrensound, einem höheren Aufkommen progressiver Strukturen und der letztendlich besungenen Inhalte – wie im Falle von VANDROYA. Mit BEYOND THE HUMAN MIND legen die bereits 2001 in Sao Paulo gegründeten Heavy-, Power- und Progressive Metaller ihr zweites offizielles Studioalbum nach dem 2013 erschienenen ONE vor – und zielen klar darauf ab, die einstigen Startschwierigkeiten (bis zum Debütalbum dauerte es immerhin ganze 12 Jahre) entgültig zu den Akten zu legen. Stellvertretend für diese Kampfansage gehen 9 respektive 8 vollwertige Titel an den Start, die sich auf eine Gesamtspielzeit von knapp 52 Minuten summieren – und die schon einmal einen respektablen Ersteindruck hinterlassen.

Mit ein triftiger Grund dafür dürfte sein, dass die Brasilianer vor allem in Bezug auf den Alben-Auftakt alles richtig gemacht haben – und das stimmige Intro COLUMNS OF ILLUSION als perfektes Vorspiel für das regelrechte Power Metal-Feuerwerk THE PATH TO THE ENDLESS FALL dient. Hier bekommt man sie dann auch erstmals auf die Lauscher, die volle Dröhnung VANDROYA – die von der bereits erwähnten brasilianischen Flexibilität einerseits, und von einem schier unanfechtbaren Handwerk andererseits geprägt wird. Ein Handwerk, dass im Falle von VANDROYA aber nicht nur von der Leistung an den Instrumenten; sondern vornehmlich auch von der Darbietung der hiesigen Frontfrau Daísa Munhoz charakterisiert wird. Und tatsächlich: ihre alles andere als opern- oder gar divenhafte Vorgehensweise klingt recht angenehm, ihr Wechselspiel aus etwas dezenteren und direkt angreifenden Gesangspassagen geht vollends auf. Dass sich im Hinblick auf die internationale Konkurrenz nur wenige Vergleichsmöglichkeiten offenbaren, rundet das Ganze ab.

Was BEYOND THE HUMAN MIND im weiteren Verlauf anzubieten weiß, ist dann vor allem eines: enorm abwechslungsreich. Zwischen die eher knackigen, klar aus gut aufeinander abgestimmten Elementen des Heavy- und Power Metals bestehenden Grundelemente schieben sich schließlich auch immer wieder symphonisch-balladeske (MAYA) oder rhythmisch-rockende (TIME AFTER TIME) Einflüsse. Gerade diesbezüglich müssen oder sollten VANDROYA allerdings auch aufpassen, zumindest wenn es um die Beurteilung des Albums als Power Metal-Werk geht. Die kitschig-seichten Balladen LAST BREATH und IF I FORGIVE MYSELF kratzen immerhin schon recht nah an der absoluten Schmerzgrenze, und lassen selbst eine beliebige der eher weichgespülten AVANTASIA-Rockhymnen (a’la LOST IN SPACE oder SLEEPWALKING) wie harte Bretter erscheinen. Umso angenehmer ist, dass kraftvolle Titel wie IM ALIVE die Marschrichtung wieder komplett umkehren – auch wenn sich selbst in einer eher gradlinigen Nummer wie dieser kleinere Probleme in Bezug auf die Präsentation (hier sind das klar der Refrain sowie eine offenbar nicht optimale Abmischung) ergeben können.

Letztendlich ergibt sich so ein allemal solides, stellenweise aber noch leicht unentschlossenes und gewissermaßen zwiespältiges Gesamtbild. Denn: wenn VANDROYA wie im satten Opener, dem höchst interessanten MAYA oder dem gleichermaßen hymnischen wie technisch ansprechenden YOU’LL KNOW MY NAME (als potentiellen Höhepunkt des Albums) agieren, stehen alle Zeichen auf grün. Wenn sich VANDROYA aber geradezu verhaspeln, wie etwa in Form des überlangen Titeltracks BEYOND THE HUMAN MIND mit seiner zurückhaltenden Art und kaum vorhandenen Entwicklung – dann kann sich auch mal eine dezente Form der Ernüchterung einstellen. Das gilt im übrigen auch für die insgesamt noch etwas zu oft anberaumten balladesken Strömungen, von denen es in Zukunft gerne etwas weniger sein dürfen. Davon abgesehen aber handelt es sich bei BEYOND THE HUMAN MIND durchaus um einen kleinen Geheimtipp für Freunde eines nicht unbedingt alltäglichen Power Metal-Genusses aus Brasilien.

Absolute Anspieltipps: THE PATH TO THE ENDLESS FALL, MAYA, TIME AFTER TIME, YOU’LL KNOW MY NAME


„Teilweise das offensichtlich vorhandene Potential einfach nicht ausschöpfend, im Großen und Ganzen aber noch immer beeindruckend.“

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