Metal-CD-Review: POWER QUEST – Sixth Dimension (2017)

Alben-Titel: Sixth Dimension
Künstler / Band: Power Quest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Oktober 2017
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inner Wound Recordings

Alben-Lineup:

Steve Williams – Keyboards
Paul Finnie – Bass
Rich Smith – Drums
Ashley Edison – Vocals
Glyn Williams – Guitars
Andrew Kopczyk – Guitars

Track-Liste:

1. Lords of Tomorrow (05:20)
2. Starlight City (05:51)
3. Kings and Glory (05:45)
4. Face the Raven (05:24)
5. No More Heroes (04:39)
6. Revolution Fighters (06:35)
7. Pray for the Day (05:57)
8. Coming Home (04:45)
9. The Sixth Dimension (08:41)

Willkommen in der elften, pardon; sechsten Dimension.

In der Tat ist es nun schon wieder etwas her, dass man etwas größeres von den Engländern von POWER QUEST gehört hat. Schließlich wurde es nach dem 2011’er Album BLOOD ALLIANCE (siehe Review) plötzlich verdächtig ruhig um die Band, die mit Alben wie NEVERWORLD (2003, Review) oder MAGIC NEVER DIES (2005, Review) einst ein Stück britische Power Metal-Geschichte geschrieben hatte. Mit ein Grund für den schon ab 2009 eher holprigen Werdegang war sicher auch der Weggang des angestammten Leadsängers Alessio Garavello, der auf BLOOD ALLIANCE noch von Chity Somapala vertreten wurde – überraschenderweise. Immerhin veredelte der gebürtige Kolumbianer schon waschechte Geheimtipp-Alben wie etwa das 2004’er ECHOES OF A NIGHTMARE von MOONLIGHT AGONY (Review), trotz seiner offensichtlichen Probleme eine feste und wirklich zu ihm passende Band zu finden. Dementsprechend währte auch seine Karriere bei POWER QUEST nicht allzu lang. Die wiederum rekrutierten daraufhin den bis dato eher unbekannten Colin Callanan – doch auch der sollte nicht lange bei den Engländern verweilen. Mit Ashley Edison (DENDERA) sollten POWER QUEST dann aber endlich ihren Mann gefunden haben – zumindest sieht es aktuell stark danach aus.

Und tatsächlich; nach der offiziellen Wiedervereinigung der Band im Jahre 2016, der kurzen Rückkehr-EP FACE THE RAVEN und einigen Ankündigungen ist es nun soweit: das passend betitelte sechste Studioalbum SIXTH DIMENSION ist endlich am Start. Selbiges erscheint erstmals über INNER WOUND RECORDS (u.a. AXENSTAR), beinhaltet 9 Titel – und könnte genau da weiter machen, wo die Band einst mit BLOOD ALLIANCE aufgehört hatte. Einen kleinen Wermutstropfen gilt es aber durchaus vorab festzuhalten: streng genommen ist das Album mit nur 7 neuen Titeln bestückt. FACE THE RAVEN und COMING HOME waren schließlich schon auf der FACE THE RAVEN-EP enthalten – und sind eingeschworenen Fans der Combo seit mittlerweile einem Jahr wohl bekannt. Das sollte allerdings kein ausschlaggebendes Kriterium sein – schließlich kommt es wie so oft weniger auf die Quantität, als vielmehr auf die offerierte Qualität des Liedguts an. Und gerade diesbezüglich schneiden die neuen alten POWER QUEST überraschend… frisch ab.

Und das hat vornehmlich zwei Gründe. Zum einen ist es der neue Leadsänger Ashley Edison, der schlicht eine verdammt gute Figur macht und eine überaus angenehme Stimmfarbe hat – sodass man sich schlichtweg fragen muss, wo er nur all die Jahre gesteckt hat. Zum anderen, und das ist sicherlich mindestens ebenso wichtig; sind POWER QUEST noch klar als POWER QUEST zu erkennen. Neben der allgemein eher temporeichen Gangart, der ausgeprägten Spielfreude an den Gitarren und den hymnisch-hochtrabenden Refrains darf es so auch mal das ein oder andere Keyboard-Intermezzo sein – ganz wie in den guten alten Zeiten eben. Sicher schließt das auch mit ein, dass POWER QUEST weiterhin Gefahr laufen hie und da eher kitschig zu klingen. Doch daran sollten sich die wenigsten stören – die Engländer hatten schließlich schon seit jeher ihren eigenen Kopf. Und: hart, beziehungsweise eher knackig genug klingt das Ganze immer noch. Somit bleibt eigentlich nur noch abzuwägen, in die Nähe welcher Qualitätsstandards und welcher Vergleichsalben sich SIXTH DIMENSION letztendlich hievt.

Und ob man diesen Vergleich nun gutheißt oder nicht: die Musik von POWER QUEST hat durchaus einiges mit dem Werk von DRAGONFORCE gemeinsam. Und dass nicht nur, da beide Bands einen gemeinsamen Hintergrund (in Form des einst bei DRAGONHEART tätigen Keyboarders Steve Williams) und mindestens einen einschneidenden Wechsel ihres Leadsängers hinter sich haben. Auch musikalisch finden sich einige Parallelen – wie etwa in Bezug auf die ganz ähnlich gestalteten Melodiebögen, die bereits erwähnte Keyboardarbeit oder die zumeist hymnisch angehauchten Refrains inklusive den für beide Bands so typischen Hintergrundchören. Abgesehen vom sich klar unterscheidenden Tempo und dem letztendlich gesetzten musikalischen Schwerpunkt aber haben POWER QUEST einen enormen theoretischen Vorteil: sie sind schon eher für eine Überraschung gut. Und die ist SIXTH DIMENSION letztendlich auch geworden, irgendwie und glücklicherweise.

Schließlich ist der Spaßfaktor vor allem zum Auftakt des Albums enorm, gerade in Anbetracht des Wechselspiels aus direkt zündenden schmackigen Hymnen (LORDS OF TOMORROW, KINGS AND GLORY), zünftigen Stampfern (STARLIGHT CITY, FACE THE RAVEN) und puren gute-Laune-Brechern a’la NO MORE HEROES. Dass später auch noch geradezu fleischgewordene POWER QUEST-Trademarks a’la PRAY FOR THE DAY oder COMING HOME folgen, rundet das Ganze ab. Warum das Album dennoch kein Meilenstein geworden ist, lässt sich am ehesten an den leider Gottes klar erkennbaren schwächeren Nummern des Albums festmachen – und niemals am an den Tag gelegten Handwerk oder der gelungenen Produktionsarbeit. Mit dem stark an HAMMERFALL erinnernden REVOLUTION FIGHTERS beispielsweise hat man sich nicht den größten Gefallen getan – auch, weil Leadsänger Ashley Edison in den höchsten Lagen nicht mehr ganz so stilsicher klingt.

Den größten Fauxpas aber leisteten sich POWER QUEST mit dem Rausschmeißer und längsten Titel des Albums, dem Titeltrack SIXTH DIMENSION. Der klingt schließlich schon in den ersten Momenten höchst problematisch – und hinterlässt einen ebenso generischen wie absolut unspektakulären Eindruck. Die fehlende Kraft, die zu aufdringliche elektronische Komponente und der vergleichsweise schiefe Leadgesang verhindern hier schlicht zu vieles. Vor allem aber, und das wirkt sich dann doch deutlich aus; verhindert man so ein würdiges Alben-Finale.Durch den ebenfalls recht gekünstelt klingenden Gastgesangspart von Anette Olzon Blyckert (Ex-NIGHTWISH) wird das Ganze dann auch nicht mehr aufgewertet – durch das schiere Fremdkörper-Gefühl eher im Gegenteil.

Insgesamt ist es den Engländern aber noch gelungen, eine ordentliche Rückkehr hinzulegen. Eine, die vielleicht nicht die früheren Alben; aber doch den direkten Vorgänger BLOOD ALLIANCE locker zu übertreffen vermag. Es bleibt zu hoffen, dass für die Band nun wirklich alle Unklarheiten beseitigt sind – und POWER QUEST in eine glorreiche Zukunft blicken können.

Absolute Anspieltipps: LORDS OF TOMORROW, STARLIGHT CITY, NO MORE HEROES, COMING HOME


„Trotz einer handvoll schwächerer Titel eine rundum gelungene Rückkehr.“

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