Spieletest: FAR CRY 4 (2014, PC)

Originaltitel: Far Cry 4
Veröffentlichungsdatum: 18. November 2014 (PC)
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
USK: Ab 18 freigegeben
Genre: Ego-Shooter / Action
Tags: Far Cry, Kyrat, Pagan Min, Ajay Ghale, Goldener Pfad, Bürgerkrieg

Ganz so weit war der Weg dann doch nicht.

Inhalt: Auch wenn es zunächst verdächtig danach aussieht, ist der junge Ajay Ghale nicht in die gleichermaßen idyllische wie ursprünglich anmutende Berglandschaft von Kyrat gereist um Urlaub zu machen. Der eigentliche Grund seiner Reise besteht vielmehr darin, den letzten von seiner sterbenden Mutter geäußerten Wunsch zu erfüllen – die sich nichts anderes vorstellen konnte, als dass ihre Asche einmal in ihrem Heimatland verstreut werden würde. Was Ajay indes kaum ahnen konnte ist, dass Kyrat mittlerweile zu einer schieren Bürgerkriegs-Hochburg avanciert ist. Einer, in der sich nicht nur zwei große Fraktionen gegenüberstehen und bis auf das äußerste bekämpfen – sondern auch einer, in der sich ein grausamer Diktator namens Pagan Min an die Spitze der hiesigen Hierarchie gesetzt hat. Und gerade der scheint ein besonderes Auge auf Ajay geworfen zu haben, der nach seiner Ankunft kaum weiß wie ihm geschieht… aber sich bald mit der nötigen Wort- und Waffengewalt zu wehren weiß.

Mit FAR CRY 4 setzt Ubisoft das beliebte, bereits Anfang 2004 gestartete Ego-Shooter-Franchise um ein besonderes Spielgefühl in eher tropischen Insel- und Dschungelwelten fort. Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger FAR CRY 3 (siehe Review) aber spielt FAR CRY 4 nun in Kyrat, einem fiktiven Land im Hochgebirge des Himalaja – welches mit entsprechenden Berg- und Gletscheransichten im Hintergrund, wilden Straßen- und Wegverläufen, teilweise erklimmbaren Hügeln sowie einer geschickt inszenierten Flora und Fauna auftrumpft. Eines ist dabei schnell festzustellen, und das galt auch schon für den Vorgänger: die Macher haben sich wieder einmal reichlich Mühe gegeben, möglichst viel Abwechslung auf die zunächst riesig anmutende Weltkarte zu bringen. Und tatsächlich: abseits der größeren, auf der Karte deutlich hervorgehobenen Straßen und Feldwege gibt es auch in FAR CRY 4 immer wieder einiges zu entdecken. Das gute dabei ist, dass viele der auftauchenden Elemente nicht einfach nur aufgrund ihres Designs einen Platz im Spiel gefunden haben – der Spieler darf und soll die Landschaft durch ein direktes Ausprobieren erforschen. Der entsprechenden Möglichkeiten gibt es immerhin einige, und dass selbst wenn man die Hauptmissionen erst einmal beiseite schiebt. So kann man direkt losziehen – und beispielsweise in einem der kleinen Seen auf Tauchstation gehen, eine dunkle Höhle erkunden, einen Wachturm erklimmen und übernehmen, wilde Tiere jagen (und im besten Fall auch deren Fell aufnehmen); oder schlicht versuchen in bester Bergsteiger-Manier mit Kletterhaken und Sprungeinlagen an einer Felswand voranzukommen. Das allein macht schon Spaß, und sorgt stellenweise sogar für ein echtes Entdeckergefühl a’la ASSASSINS CREED – die zahlreichen versteckten Kisten, sammelbaren Objekte und Achievements sorgen hier für alles übrige.

Als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt des Spiels fungieren aber die Story-Missionen – die überraschend gut in Szene gesetzt wurden, durch Abwechslung glänzen, nicht zuletzt auch spielerisch überzeugen – und sogar mit einigen kleineren Entscheidungen beeinflusst werden können. Der einzige Wermutstropfen: orientiert man sich ausschließlich an selbigen, ist das Spiel auch relativ schnell abgehandelt – sodass man unbedingt auch einigen der anderen, ja wenn nicht gar den meisten der zahlreichen anderen Beschäftigungen nachgehen sollte. Und wenn schon nicht allen, dann doch mindestens den im Sinne des Spiels wichtigeren – wie etwa den Erkundungstouren in das mystische Shangri-La, die ein dezent vom Hauptspiel abweichendes Spielgefühl vermitteln. Aber auch die Aufträge für einige eher schrullige bis zutiefst makabere Charaktere sollte man sich einmal ansehen – wobei sich insbesondere die Spielmomente mit den beiden ständig zugedröhnten und für Kenner des Franchise bereits bekannten Kumpanen Yogie und Reggie lohnen. Gerade im Sinne des besonderen FAR CRY-Humors ist auch ein Besuch bei dem ebenso gottesfürchtigen wie leicht durchgedrehten Longinus empfehlenswert – oder aber die Stippvisite bei einem exzentrischen Modedesigner, der für seine Kreationen immer wieder ganz besondere Tierfelle benötigt. Immerhin winken hier (wie grundsätzlich auch überall sonst) zusätzliche Belohnungen, die sich nicht nur in XP und Gegenständen niederschlagen – sondern unter anderem auch in exklusiven Waffen. Wem das immer noch nicht reicht, der kann aus reiner Vervollständigungs-Wut alle Wachtürme und alle Außenposten übernehmen. Da sich hier kaum einer dem anderen gleicht, macht auch das einen großen Spaß – und wird durch zusätzliche Bonusziele (wie etwa keinen Alarm auszulösen) auch so manches mal zu einer echten Herausforderung.

Selbst danach gibt es noch immer hinreichend Möglichkeiten, sich in der Spielwelt auszutoben – auch wenn die meisten der restlichen Beschäftigungen absolut unabhängig von den Hauptmissionen stattfinden. Immerhin, sie können durchaus für einige weitere Stunden Spielspaß sorgen – zumindest wenn man geneigt ist, über einen dezenten Nachteil hinwegzusehen. Schließlich ist es kaum zu verhehlen, dass sich die Geiselrettungen, Bombenentschärfungen, Attentate, Eskorten oder aber auch die wilden Zeitrennen stark ähneln – bis auf die jeweils unterschiedlichen Orte gibt es hier eher weniger Aha-Effekte. Diesbezüglich muss der Spieler schlicht selbst entscheiden, ob er FAR CRY 4 im Sinne der Vollständigkeit wirklich zu 100% meistern möchte – was folglich weniger eine Frage des Könnens, als vielmehr eine Frage der Geduld ist. Immerhin kommen einem die zahlreichen Fortbewegungsmöglichkeiten zu Land, zu Wasser aber eben auch in der Luft zugute – die neben den nicht unbedingt großzügig verteilten Schnellreise-Orten für das nötige Gefühl eines halbwegs schnellen Vorankommens sorgen. Und tatsächlich: gerade das stilvolle Gleiten mit dem Wingsuit, oder aber der Flug mit dem klapprigen Gyrocopter (der leider eine nicht immer nachvollziehbare Höhenbeschränkung hat) verfehlen ihre Wirkung nicht.

In Bezug auf das Handwerk und die Technik erlaubt sich FAR CRY 4 ebenfalls keine nennenswerten Patzer – doch das sollte man von einem erprobten und vergleichsweise finanzstarken Studio wie Ubisoft auch erwarten können. Und überhaupt: da viele der Mechaniken direkt aus dem Vorgänger übernommen wurden, musste man erst gar keine größeren Wagnisse ergehen. Das mag zwar für weniger Überraschungen sorgen, aber immerhin garantiert man dem Spieler so ein bestmöglich funktionierendes Spiel. Oder anders gesagt: ein Spiel, das in Bezug auf die Grafik oder den Sound alles andere als neue Maßstäbe setzt – sich aber absolut problemlos spielen lässt, und dabei immer noch nett aussieht.

Viel wichtiger als das Gefühl der Nicht-Exklusivität im Vergleich mit dem noch gar nicht so lange zurückliegenden dritten Teil sind aber ohnehin die anderen kleinen und davon unabhängigen Fehler, die sich trotz allem in das Spiel geschlichen haben. Und wenn es keine Fehler sind, dann doch zumindest kleinere Ärgernisse oder Auffälligkeiten die man hätte besser lösen können. Diesbezüglich macht sich FAR CRY 4 vor allem in drei Punkten einen Namen: der Spielwelt, der mit ihr verbundenen künstlichen Intelligenz und der Präsentation. Hinsichtlich der Welt von Kyrat fällt beispielsweise auf, dass es trotz der enormen Sichtweite und der hügelig-abwechslungsreich anmutenden Landschaft doch nicht so viel Abwechslung gibt wie eventuell erwartet. Anders gesagt: nicht gerade wenige Elemente wiederholen sich immer wieder – was vor allem in Bezug auf die sich nur allzu oft ähnelnden Bergkämme, die Gebäudestrukturen oder die eigentlich nur recht sporadisch vorhandene Vegetation auffällt. Der Welt von Kyrat fehlt es somit insgesamt noch an markanten Fixpunkten oder in irgendeiner Form besonderen Abschnitten – trotz der durchaus lebendigen Tierwelt und der größeren religiösen Monumente. Warum hat man nicht zumindest hie und da einen explizit verödeten Landstrich, eine Schlammwüste oder einen dichten Wald eingesetzt ? In der vorliegenden Form aber bildet eigentlich nur der Flughafen von Kyrat eine willkommene Alternative, oder aber die Abschnitte in einer Eislandschaft – zu der man allerdings nicht beliebig reisen kann.

Der zweite potentielle Kritikpunkt bezieht sich auf die künstliche Intelligenz der Gegner, aber auch die der befreundeten oder neutralen NPC’s. Auch wenn das Ganze insgesamt betrachtet recht gut funktioniert, gibt es immer wieder teils heftige Aussetzer – und das inbesondere in heiklen Kampfsituationen. Sei es dass Gegner in das eigene Artellerie-Bombardement laufen, in der direkten Konfrontation plötzlich regungslos verharren oder sich gerade als vorgeschickte Verbündete abenteuerlustig bis einfach nur lebensmüde verhalten –  mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre hier sicherlich noch viel mehr drin gewesen. Der dritte und letzte wirkliche Kritikpunkt bezieht sich schlicht auf die Präsentation des Spiels selbst, oder vielmehr der deutschen Version – bei der stellenweise einfach zu offensichtlich geschludert wurde, als dass man darüber hinwegsehen könnte. Diverse Übersetzungsfehler in Menüs, teils unpassende Untertitel; oder aber schlicht die stets zu Beginn des Spiels aufploppende Information, dass man die Konsole nicht ausschalten sollte um Speicherverluste zu verhindern – so etwas darf es einfach nicht in ein fertiges PC-Spiel schaffen. Alle weiteren Kritikpunkte lassen sich aus der folgenden, möglichst kompletten Aufstellung aller Positiv- und Negativaspekte des Spiels ablesen:

Handlung und Präsentation
  • Familiendrama trifft auf Schreckensherrschaft trifft auf Bürgerkriegssituation
  • Grundsätzlich sympathische, sich öfter mal zu Wort meldende Hauptfigur
  • Interessante bis dezent verrückte Nebencharaktere
  • Ein markanter Hauptwidersacher…
  • … der allerdings etwas zu selten auf den Plan tritt und vor allem gegen Ende kaum noch eine Rolle spielt
  • Beeinflussbarkeit der Geschichte ist eher gering, und…
  • … beide Varianten hinterlassen einen eher faden Beigeschmack

7.0/10

Grafik und Design
  • Riesige, hübsche Spielwelt mit Möglichkeiten zum Erkunden und Austoben
  • Hübsche Feuer-, Wasser- und Explosionseffekte
  • Stimmiges Charakter-Design
  • Tag- und Nachtwechsel
  • Viele Design-Elemente wiederholen sich
  • Insgesamt noch etwas zu wenig Abwechslung
  • Keine wirklich zerstörbare Umgebung
  • Keine markanten Wettereffekte

7.5/10

Sound
  • Hervorragend vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Viele kleinere, stimmige Soundelemente
  • Knackiger Waffensound
  • Kaum aufdringlicher, passig erscheinender Soundtrack
  • Im (Auto-)Radio viel zu wenig Abwechslung, einzelne Passagen wiederholen sich schnell

9.5/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Spannende und gut inszenierte Hauptmissionen
  • Nicht immer abwechslungsreiche, aber doch unterhaltsame Nebenmissionen und -Aufgaben
  • Fordernde Sammelaktionen und Achievements
  • Reichlich Möglichkeiten die Welt genauer zu erkunden
  • Spaßige Fortbewegungsmittel…
  • … wobei es gerne noch ein schnelleres hätte sein dürfen – oder aber ein Zweirad
  • Landschaften teils noch etwas zu öde
  • Eher schlicht gehaltenes XP- und Skillpunktesystem
  • Extrem minimalistisches Crafting
  • Belohnungen sind nur selten imposant
  • Eher geringer Wiederspielwert

7.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Einstellbarer Schwierigkeitsgrad
  • Komfortables automatisches Fahren zum Wegpunkt
  • Intuitive, unkomplizierte Steuerung
  • Gut gelöstes Inventar-System
  • Faires Speicher- und Rücksetzungssystem…
  • … mit gelegentlichen Aussetzern
  • Teils fummelige Karte (die nicht immer anzeigt was man gerade sucht)
  • Teils hakelige Steuerung (Wingsuit aktiviert sich nicht)
  • Teils fragwürdige Gegner-KI
  • Fahrzeuggefühl eher schwammig
  • Für den vollen Spielgenuss besteht Online-Pflicht
  • Stupide und manipulierte Online-Bestenlisten
  • Teils deutliche Übersetzungsfehler (Schludrigkeit deutsche Version)

4.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 20-40


„Allzu viel neues gibt es nicht, und auch sonst fühlt sich FAR CRY 4 über weite Strecken exakt so an wie der Vorgänger. Einen Heidenspaß macht das Spiel trotzdem, oder anders gesagt: wer auf großartige Innovationen verzichten kann und stattdessen immer nur mehr Franchise-Futter der Marke FAR CRY genießen will, kann oder sollte auch hier zugreifen.“

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