Filmkritik: „Death Note“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Death Note (Manga)
Regie: Adam Wingard
Mit: Nat Wolff, Margaret Qualley, Lakeith Stanfield u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 101 Minuten
FSK: nicht geprüft / keine Angabe
Genre: Thriller / Horror / Fantasy
Tags: Death Note | Light Yagami | Ryuk | Shinigami | Japan | Manga | Anime-Serie

Einmal das Totenbuch, bitte… gut durch und auf Amerikansich.

Inhalt: Eigentlich ist der junge Light Turner (Nat Wolff) nur ein ganz normaler Schüler, der sich ab und an etwas mit den Hausaufgaben anderer dazuverdient. Eines Tages aber fällt ihm ein seltsames schwarzes Notizbuch in die Hände, welches die Aufschrift DEATH NOTE trägt. Schnell stellt er fest, dass das Buch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt: stellt man sich das Gesicht einer Person vor und trägt den dazugehörigen Namen auf einer der Seiten ein, stirbt der betroffene. Als wäre das noch nicht unglaublich genug, taucht auch ein Todesgott namens Ryuk auf – der offenbar der eigentliche Besitzer des Buches ist, und Light dazu ermutigt seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Light’s Entschluss, die Welt mithilfe des DEATH NOTE zu einem besseren Ort zu machen; ist daraufhin schnell gefasst – sodass er schlicht einige der gefährlichsten Verbrecher tötet, deren Gesichter und Namen er in den Medien aufgeschnappt hat. Dabei kommt ihm eigentlich nur einer in die Quere, und dass ist der hiesige Chefermittler L (Lakeith Stanfield)…

Kritik: Ob Fans des originären DEATH NOTE-Mangas (2003-2006) oder der seinerzeit direkt im Anschluss verwirklichten, längst mit einem enormen Kult-Status geadelten Anime-Serie (siehe Rezension) explizit darauf gewartet haben oder nicht – mit DEATH NOTE erfährt die düstere, sich um ein mysteriöses Buch aus einer Art Zwischenwelt drehende Geschichte von Tsugumi Ōba eine weitere Realverfilmung. Dieses Mal, und im Gegensatz zu den bisherigen vier Realfilmen aus Japan (siehe unter anderem hier); haben sich mit den Warner Studios erstmals die nicht unbedingt für gute Anime-Adaptionen bekannten Amerikaner an den Stoff gewagt. Eben das sieht und merkt man dem von Adam Wingard (der durch die Neuverfilmung zu BLAIR WITCH bekannt geworden ist) gedrehten Film auch direkt an – was noch nicht zwingend als Qualitätsmerkmal interpretiert werden muss, aber doch schon die ungefähre Marschrichtung vorgibt.

Anders gesagt: es sei den Amerikanern durchaus gegönnt, dass sie hier ihre ganz eigene Version von DEATH NOTE auf die Beine gestellt haben – und schon der Auftakt des Films respektive die ausführlichen Intro-Szenen mit Ansichten einer Highschool, des hiesigen Football- sowie Cheerleading-Teams und allerlei amerikanischen Gesichtern auch mit Nachdruck darauf aufmerksam machen. Selbst die zugegebenermaßen recht unglückliche Besetzung des wichtigen Charakters L durch den farbigen und auch sonst eher unpassend wirkenden Darsteller Lakeith Stanfield markiert so gesehen keines der Hauptprobleme des neuen, durch und durch amerikanischen DEATH NOTE-Films – der sich seine größten Fehlgriffe vielmehr in der letztendlich doch auffallend unstimmigen inhaltlichen und atmosphärischen Portierung leistet.

Das besondere, und gewissermaßen auch fatale dabei ist; dass es zur Feststellung dieser Mängel erst gar keines intensiveren DEATH NOTE-Vorwissens bedarf – mit einem kleinen aber feinen Unterschied. So werden komplette Franchise-Neueinsteiger vielleicht nicht genau wissen oder benennen können, was dem neuen DEATH NOTE-Film fehlt – während Kenner der Vorlagen immer wieder darauf hingewiesen werden, wie viel Potential hier letztendlich verschenkt wurde. Sei es der plötzlich eher weichgespülte Charakter der eigentlich ebenso hoch intelligenten wie skrupellosen Hauptfigur Light, die perfiden Katz- und Mausspiele zwischen ihm und der durch den weltfremd agierenden Chefermittler L verkörperten Gegenseite; oder der schier unglaubliche Spannungsbogen hinsichtlich des geschickt hinausgezögerten Finales, welches man zumindest im Anime kaum vorhersehen kann – die Amerikanische Realverfilmung von DEATH NOTE lässt hinsichtlich der Darstellung dieser Kernkompetenzen einiges vermissen, oder stellt sie lediglich äußert vereinfacht und in einem regelrechten Schnelldurchlauf dar.

Sicher, es mag nicht leicht gewesen sein den doch recht ansehnlichen Umfang der Vorlagen in ein handelsübliches Filmformat zu verfrachten – doch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte man dabei schon an den Tag legen können. Oder aber, und um es einmal gewagt auszudrücken: den Mut, zumindest die unvorbereiteten Zuschauer im schlimmsten Fall dezent zu überfordern. Dieses Wagnis sind die Verantwortlichen allerdings nicht eingegangen. Im Gegenteil: trotz der guten und spannenden Grundidee kommt die amerikanische DEATH NOTE-Verfilmung wie ein relativ typischer Teeniefilm oder auch Highschool-Thriller mit entsprechend bekannten Elementen daher, bei dem selbst die überraschend heftigen Splatter-Szenen nicht für viel Aufsehen sorgen können. Und schon gar nicht die Inhalte oder Charaktere, die hier auf das absolut nötigste reduziert wurden – und so erst gar keinen Vergleich zur Vielschichtigkeit und Intensität der Anime-Serie zulassen.

Auch in Bezug auf die handwerklichen und technischen Aspekte kann das Urteil eigentlich nur zwiespältig ausfallen, wofür schon die allgemein schwierige Darstellung des Todesgottes oder auch Shinigamis Ryuk spricht. Tatsächlich muten dessen Rückansicht und Silhouette ordentlich gruselig an – aber eben nicht die gerne mal direkt gezeigte Front respektive Gesichtspartie mit ihrem arg künstlichen Anstrich. Immerhin, und so gesehen: im Gegensatz zu den billig-plump wirkenden CGI-Eskapaden der japanischen Realfilme ist hier schon eine kleine Qualitätssteigerung erkennbar. In Bezug auf die Darsteller gilt es, ähnlich schwankendes festzuhalten. Der einst durch eine Kinderband (THE NAKED BROTHERS BAND) bekannt gewordene Nat Wolff beispielsweise ist grundsätzlich eine positive Überraschung – auch wenn er die Aufgabe, den Charakter von Light sinngemäß darzustellen; auch aufgrund des Drehbuchs schlicht unmöglich stemmen kann. Während die Kameraführung, die Wahl der Schauplätze und das das Setdesign inklusive der durchdachten Beleuchtung weitestgehend stimmig ausfallen; haben sich die Macher aber spätestens mit dem Soundtrack einen echten Fauxpas geleistet. Schließlich hätte man kaum noch unpassendere und noch aufdringlicher inszenierte Poprock-Titel wählen können als beispielsweise in Bezug auf die spätere Riesenrad-Szene.

Schlussendlich: mit der 2017’er Version von DEATH NOTE sind die Verantwortlichen ein Wagnis eingegangen. Ein Wagnis, dass es so allerdings schön öfter gab – und in nur selten wirklich zufriedenstellenden Fernost-Portierungen mündete, sei es in Bezug auf Manga-, Anime- oder Realfilmadaptionen. Daran ändert auch der neue DEATH NOTE-Film nichts – der alles andere als ein Meilenstein geworden ist, andererseits aber auch noch viel ärger hätte ausfallen können. Dennoch, selbst im besten Fall reicht es hier nur für eine eher besondere respektive indirekte Daseinsberechtigung – die darin besteht, zufällig geköderte Franchise-Neueinsteiger für die zugrundeliegenden Vorlagen zu sensibilisieren.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix / James Dittiger

border_01

„DEATH NOTE Minus DEATH NOTE, oder: es ging schief, was schief gehen musste.“

filmkritikborder

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.