Filmkritik: „A Monster Calls / 7 Minuten Nach Mitternacht“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: A Monster Calls (Roman)
Regie: Juan Antonio Bayona
Mit: Lewis MacDougall, Sigourney Weaver, Felicity Jones u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama / Fantasy
Tags: Monster | Kind | Junge | Familie | Schicksal | Coming Of Age

Ein Monster, mit dem man rechnen muss.

Inhalt: Die mittlerweile von ihrem Mann getrennt lebende Elizabeth (Felicity Jones) hat es als alleinerziehende wahrlich nicht leicht. Dabei ist ihr im Ausland lebender und somit nur noch sporadisch auftauchender Ex-Mann, der sich offenbar nur selten um ihren gemeinsamen Sohn Conor (Lewis MacDougall) kümmern kann; noch das geringste Problem. Schließlich leidet Elizabeth an einer schweren Krebserkrankung, die es ihr zusehends unmöglich macht ausreichend für ihren heranwachsenden Sohn zu sorgen. Davon wissen natürlich auch die anderen Bewohner der Gegend – etwa die Mitschüler aus Conor’s Klasse. Anstatt jedoch Unterstützung zu erfahren, wird er ständig nur gehänselt – sodass sich Conor am liebsten in sein Zimmer zurückzieht, und mithilfe seiner Zeichnungen in seine eigene Gedankenwelt abtaucht. Eines Tages wird er dann zeuge eines denkwürdigen Ereignisses: die alte Eibe in der Nähe seines Hauses wird plötzlich lebendig, schreitet auf den verdutzten Conor zu – und nimmt Kontakt mit ihm auf. Gleichzeitig mischt sich Conor’s strenge Großmutter (Sigourney Weaver) in die Familienangelegenheiten ein, und beschließt Conor erst einmal bei sich aufzunehmen – und das so lange, bis es seine Mutter endlich wieder besser gehen würde.

Kritik: Mit A MONSTER CALLS wagt sich der aus Spanien stammende und vornehmlich durch seine Arbeiten an DAS WAISENHAUS (siehe Filmkritik) sowie dem Tsunami-Drama THE IMPOSSIBLE bekannt gewordene Regisseur Juan Antonio Bayona erstmals an die Verfilmung einer gleichnamigen Jugendbuch-Vorlage von Patrick Ness. Die ist in Anbetracht ihres Erscheinens im Jahre 2011 noch relativ frisch, basiert eigentlich auf einer Idee der an Krebs verstorbenen irisch-britischen Schriftstellerin Siobhan Dowd – und hat trotz des offensichtlichen Monster-Sujets weniger mit einem fantastischen Märchen am Hut als eventuell erwartet. Vielmehr wird dem Zuschauer überraschend schnell nahegelegt, dass es sich bei der aus einer alten Eibe herausformenden Baum-Kreatur um ein rein imaginäres Konstrukt des jungen Hauptprotagonisten Conor handelt – der als Heranwachsender früh lernen muss, mit der schweren und aller Wahrscheinlichkeit nach tödlichen Krebserkrankung seiner Mutter umzugehen.

Dass A MONSTER CALLS somit alles andere als ein typischer Fantasy- oder auch Monsterfilm geworden ist, ist jedoch keine Enttäuschung – sondern seine eigentliche Stärke. Zumindest wenn es weiß und man sich entsprechend darauf einlässt, darauf einlassen kann. Anders gesagt: die spezifischen Darstellungen der behandelten kindlichen Gedankenwelt sind das markanteste (und eventuell auch das gewöhnungsbedürftige) Alleinstellungsmerkmal des Films – im Kern und davon unabhängig aber bleibt er ein unerwartet aufwühlendes und Charakter-intensives Drama mit starken Coming Of Age-Elementen. Ein Drama; dass wie so viele andere von seinen Charakteren und einer möglichst nachvollziehbaren Schilderung der Ereignissen lebt – was Juan Antonio Bayona in seiner Ausführung auch gelingt, trotz oder gerade wegen der ungewöhnlichen Darstellung mit dem hier gezeigten Monster als versinnbildlichtem inneren Dämon.

Trotz einiger guter Ansätze und der in diesem Falle ausnahmsweise mal positiv zu attribuierenden Mogelpackung hat A MONSTER CALLS aber auch mit einigen Schwächen zu kämpfen. Beispielsweise ist festzustellen, dass sich der Film gerade in Bezug auf seinen Auftakt und den ersten Begegnungen mit dem Monster teils deutlich in die Länge zieht und erst gegen Ende wieder aus dem (emotionalen) Vollen schöpft. Auch die analog dazu immer wieder eingeschobenen Erzähl-Sequenzen in einem speziellen Comic-Look stören – auch wenn sie inhaltlich Gewicht haben – den allgemeinen Filmfluss. Und überhaupt: allzu großartig sehen sie erst gar nicht aus, sodass hier durchaus der Wunsch nach einem anderen Stilmittel laut werden könnte. Für das Monster selbst gilt dann eigentlich nur eines: vor allem aus der Ferne sowie in den nett gemachten Verwurzelungs-Szenen macht es ordentlich was her, in den Nahaufnahmen macht es einen eher befremdlichen bis unschönen Eindruck.

Gut also, dass hier eher die Musik respektive die Sprache den Ton angibt – und sowohl Liam Neeson (in der Originalfassung) als auch der Synchronsprecher Bernd Rumpf stimmig durch die Gegend grummeln, stets unterstützt vom mystisch-atmosphärischen Soundtrack aus der Feder von Fernando Velázquez. Noch wichtiger als das ist aber die erbrachte Leistung der Darsteller, die in einem Drama wie diesem über vieles entscheidet – woran auch noch so viele Effekte und Traumsequenzen nichts ändern. Mit einem starken Lewis MacDougall (u.a. PAN, siehe Filmkritik>7span>) in der Hauptrolle haben die Verantwortlichen aber alles richtig gemacht – seine Darbietung überzeugt auf ganzer Linie. In Anbetracht der kindlichen Besetzung sollte man indes nicht von einem für alle Altersklassen geeigneten Kinderfilm ausgehen: die offizielle Altersfreigabe ab 12 erweist sich als annehmbare Orientierung, zumal der Film einige düstere Elemente bereithält und inhaltlich vergleichsweise tief greift.

Schlussendlich: A MONSTER CALLS ist Klagelied und Ode an das Leben zugleich, in dem sich Grausamkeit und Schönheit die Klinke in die Hand geben – und präsentiert ein bewegendes Anschauungsbeispiel dafür, wie ein einzelner diese erstaunliche Berg- und Talfahrt der Gefühle erlebt und interpretiert. Und wer genau das erwartet – nicht mehr und nicht weniger – der wird vermutlich auch nicht enttäuscht aus dieser Erfahrung herausgehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © A Monster Calls A.I.E. / Quim Vives

border_01

„Eine visuell und inszenatorisch ebenso einzigartig wie gewöhnungsbedürftig umgesetzte; unabhängig davon aber überraschend starke, intensive und bewegende Coming Of Age-Geschichte.“

filmkritikborder

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.