Filmkritik: „Golemata Voda / Der Tag, Als Stalins Hose Verschwand“ (2004)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Golemata Voda (Roman)
Regie: Ivo Trajkov
Mit: Saso Kekenovski, Maja Stankovska u.a.
Land: Mazedonien
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Kinder | Flüchtlinge | Kommunismus

Golemata Voda, oder: A Macedonian Film.

Inhalt: Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wird der junge, vom Krieg gebeutelte Lem (Saso Kekenovski) in ein stalinistisches Erziehungslager in Jugoslawien gebracht. Doch anstatt der dringend benötigten Zuneigung bekommen Lem und die vielen anderen Waisenkinder hier vor allem eines zu spüren: einen unangenehmen Drill, der durch die nicht seltenen Schikanen der Aufseher noch verstärkt wird. Eines Tages kommt mit Isak (Maja Stankovska) ein eher ungewöhnlicher Junge in das Lager, der von den meisten nur als der Sohn des Teufels bezeichnet wird. Doch während ihm viele seiner jüngeren Leidensgenossen eher mit Ehrfurcht gegenüberstehen und es kaum wagen würden sich ihm zu nähern, versucht Lem die Gunst des seltsamen Jungen zu gewinnen. Als er damit Erfolg hat, scheint Lem wieder Hoffnung zu schöpfen – doch die Situation im Lager spitzt sich zu, als mehrere propagandistische Symbole des Lagers gestohlen oder verunstaltet werden. Eines scheint klar: der Schuldige muss gefunden werden, wobei die dabei eingesetzten Methoden kaum eine Rolle spielen.

Kritik: GOLEMATA VODA, THE GREAT WATER – oder um ihn beim etwas sperrigen Deutschen Titel DER TAG ALS STALINS HOSE VERSCHWAND zu nennen – ist ein Nachkriegsdrama des Mazedonischen Regisseurs Ivo Trajkov, der auf der gleichnamigen Romanvorlage des ebenfalls aus Mazedonien stammenden Schriftstellers Živko Čingo basiert. Gleichzeitig handelt es sich um einen Film mit mehreren Besonderheiten – die bei der zugrundeliegenden Erzähl-Perspektive in Form einer Rückblende beginnen, sich über den expliziten Fokus auf das übergeordnete Thema der (Staats-)Erziehung erstrecken; und schlussendlich in einem starken Schwerpunkt auf eine etwas andere Coming Of Age-Geschichte münden. Schließlich rückt Trajkov vor allem seine beiden jungen Hauptprotagonisten in den Fokus, die als Kriegswaisen in das kommunistisch-stalinistische Erziehungslager gebracht werden – und beleuchtet potentielle Folgen der hiesigen Doktrin.

Neben der ungeschönt-intensiven Atmosphäre, einigen gelungenen Stilmitteln gerade in Bezug auf die Darstellung des sublimatorischen Mystizismus und dem generellen Wegfall von allzu plump-pauschalen Aussagen oder direkten Urteilen über die Hintergründe fallen auch die insgesamt gelungenen handwerklich-technischen Aspekte auf. So sind die Bildkompositionen teils wuchtig und opulent, lassen dabei aber stets den unterschwelligen Schrecken erahnen – und die stimmige Filmmusik weiß für eine ansprechende akustische Untermalung zu sorgen, auch ohne dabei allzu forciert auf die Tränendrüse zu drücken. Den größten Respekt aber verdienen die beiden Kinderdarsteller in den Rollen von Lem und Isak – die ihren erwachsenen Kollegen in Nichts nachstehen, erst Recht nicht was ihr höchst authentisches Spiel betrifft. Auch wenn GOLEMATA VODA knapp am Status eines Meisterwerks vorbeischrammt – für eine Attribuierung als besonderes filmisches Kleinod aus Mazedonien reicht es ganz locker.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Medialuna Entertainment

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„Intensiv erzählt, bewegend und gleichermaßen grotesk wie authentisch.“

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