Metal-CD-Review: LÖR – In Forgotten Sleep (2017)

Alben-Titel: In Forgotten Sleep
Künstler / Band: Lör (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. August 2017
Land: USA
Stil / Genre: Progressive Power / Folk Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Graham Noel – Bass
Greg Bogart – Drums
Peter Hraur – Guitars
Matthew Bartlett – Keyboards
Tyler Fedeli – Vocals

Track-Liste:

1. Dusk (10:55)
2. Dark Cloud (03:03)
3. Requiem (07:10)
4. The Forest (01:29)
5. Visions of Awakening (06:32)
6. Song for the Lost (08:28)
7. Aura (01:29)
8. Eidolon (11:58)
9. Spectrum (08:12)
10. In Forgotten Sleep (07:51)

Erwacht aus einem glücklicherweise nicht ewig währenden Schönheitsschlaf.

Wenn es um vergleichsweise überraschende Releases aus dem noch nicht ganz abgeschlossenen Metal-Jahr 2017 geht, sollte man eine Combo definitiv mit einplanen – und das sind die US-Amerikanischen Recken von LÖR. Auch oder gerade weil die bereits im Jahre 2009 gegründete Band bis dato erst zwei leicht zu übersehende Independent-Demos abgeliefert hat, und nun plötzlich mit IN FORGOTTEN SLEEP um die Ecke kommt – dem ersten offiziellen Studioalbum, das die meisten der vorherigen Demo-Songs in verbesserten Versionen erhält, ebenfalls als Independent-Release erscheint und von der Band selbst über Bandcamp vertrieben wird. Dabei fällt es zunächst gar nicht mal so leicht zu beschreiben, welche Spielart LÖR mit ihrem Erstwerk bedienen – schließlich greift die offiziell gerne mal als Epic Progressive Folk Metal-Band bezeichnete Combo auf vielerlei Einflüsse zurück, und präsentiert sich innerhalb der insgesamt 10 auf dem Album vertretenen Titel entsprechend vielseitig und wandelbar.

Wenn man es dann aber doch einmal versuchen wollte, könnte man es mit einer imaginären Fusion aus FALCONER (vornehmlich in Bezug auf die Folk-Elemente sowie den Klang der Gitarren und des Bass), PARSIFAL (in Bezug auf den Leadgesang und die Atmosphäre), WINTERSUN (als Stellvertreter für die stellenweise etwas härschere Gangart inklusive einiger symphonischer Elemente) und einer progressiv angehauchten Combo a’la SYMPHONY X versuchen. Nimmt man dann noch eine gehörige Priese Eigenständigkeit, Frische und ein großes Überraschungsmoment hinzu; kommt am Ende ein Album wie IN FORGOTTEN SLEEP heraus – das den Hörer am ehesten dazu einlädt, die Band auf einer gleichermaßen ungewöhnlichen wie intensiven musikalischen Reise zu begleiten. Wenn, ja wenn man sich denn darauf einlässt – und grundsätzlich nichts gegen die Überschreitung sonst gängiger Genre-Grenzen einzuwenden hat.

So könnte man behaupten, dass das LÖR-Album für grundsätzlich jeden etwas bereithält – seien es tendenziell eher einfach gestrickte Nummern mit einem deutlichen Power Metal-Einschlag inklusive einiger höchst eingängiger Momente (DARK CLOUD, VISIONS OF AWAKENING), atmosphärische Stampfer mit teils balladesken Elementen (REQUIEM), atmosphärische Stampfer mit interessanten emotionalen Gegenüberstellungen (IN FORGOTTEN SLEEP), musikalisch ebenfalls nicht zu verachtende Zwischenspiele (THE FOREST, AURA) – oder eben die regelrechten Epen des Albums, die sich alle im Bereich von Spielzeiten jenseits der 8-Minuten-Marke wohlfühlen. Tatsächlich könnte man die hier gemeinten Titel DUSK, SONG FOR THE LOST, EIDOLON und SPECTRUM als eigentliche Essenz des Albums bezeichnen – schließlich präsentieren LÖR hier eine auffällig ambitionierte, wandelbare und wenn man so will auch eine recht majestätische Seite ihres Schaffens.

Und doch gibt es auch bei LÖR eine Kehrseite der Medaille – die man je nach persönlicher Facón mehr oder weniger schwer gewichten wird. So erscheint die Qualität der Abmischung Produktion nicht immer optimal. Sicher, bei einem Independent-Release ist das tendenziell eher zu verzeihen ist, doch bei einem musikalisch vergleichsweise tiefgehenden Werk wie diesem fällt es stellenweise eben doch auf. Überhaupt scheint insbesondere der Leadgesang von Tyler Fedeli unter eben jenen Faktoren zu leiden – der sich auch davon abgesehen bestens dazu eignet, nicht jedermann zu gefallen. Hier und da scheint ihm einfach das nötige Volumen, der nötige Nachdruck und vielleicht auch die nötige Sicherheit zu fehlen – wobei sich zeigen wird, was möglicherweise noch daran zu drehen ist. Momentan könnte man jedenfalls problemlos, dass ausgerechnet die Frontstimme von LÖR das schwächte Glied in der Kette ist – während die anderen Musiker grundsätzlich eine tadellose Leistung abliefern.

Als letzte potentielle Problematik könnte man überdies anführen, dass IN FORGOTTEN SLEEP insgesamt fast schon zu wuchtig, zu abwechslungsreich und zu randvoll gespickt mit Feinheiten ist. Der Einstieg in den hiesigen Alben-Kosmos fällt jedenfalls vergleichsweise schwer, und mehrere Durchläufe sind zwingend von Nöten. Wen das nicht stört, der könnte hier eine echte Entdeckung machen – wobei auch alle anderen LÖR im Auge behalten sollten. Denn wie auch immer man zu IN FORGOTTEEN SLEEP stehen mag, eines erscheint sicher: LÖR haben Potential um noch viel größeres zu erreichen.

Absolute Anspieltipps: DARK CLOUD, REQUIEM, VISIONS OF AWAKENING, SPECTRUM


„Ein höchst interessantes Debütalbum, das man erst einmal verdauen muss. Die Chancen, dass es daraufhin vollständig zündet; stehen vergleichsweise gut. Dennoch sollten LÖR unbedingt am Ball bleiben, denn ihr Potential scheint noch nicht vollständig ausgeschöpft.“

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