Metal-CD-Review: HAMKA – Multiversal (2017)

Alben-Titel: Multiversal
Künstler / Band: Hamka (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. August 2017
Land: Frankreich
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Willdric Lievin – Guitars
Elisa C. Martín – Vocals
Alexandre Ardisson – Bass
JB Pol – Drums
Julien Negro – Guitars
Williams Marx – Percussion

Track-Liste:

1. One-Way Journey to the Unknown (01:44)
2. World War III (05:31)
3. Earth’s Call (04:09)
4. Hope (04:02)
5. Inner Conviction (04:57)
6. Dark Night Falls (03:57)
7. Seaquest (03:40)
8. Modern Cowboys (04:45)
9. Burning Sands (01:04)
10. The Path of Pharaohs (05:09)
11. Orkanian’s Lands (05:01)
12. Seed of a New World (05:00)
13. Multiversal Universal (07:03)
14. New Era? (01:25)

In diesem Multiversum ist alles möglich – eventuell auch, dass das Pendel in eine eher unerwünschte Richtung ausschlägt.

Eines kann man wohl schon jetzt über das noch nicht ganz abgeschlossene Power Metal-Jahr 2017 sagen: es handelte sich wieder einmal um ein Jahr voller Überraschungen. Die bisher größte positiv oder negativ angehauchte zu benennen fällt hingegen nicht wirklich leicht – was sich just in diesem Moment ändern könnte. Denn: in die Riege der unerwarteten und so gesehen plötzlich wieder aus dem Nichts auftauchenden Bands reihen sich nun auch die Franzosen von HAMKA ein. Nach ihrem Debütalbum und bis heute letztaktuellen Werk UNEARTH (2005, siehe Review) hatten die progressiven Power- und Symphonic Metaller schließlich nicht mehr allzu viel von sich hören lassen – auch wenn sich um eine grundsätzlich höchst vielversprechende Combo handelte, von der einige noch viel mehr erwartet hätten.

Gründe dafür gab und gibt es trotz der recht übersichtlichen Diskografie immerhin einige. Wie etwa die Tatsache, dass HAMKA als einer der wenigen Power Metal-Bands mit symphonischen Einschlag auf bestimmte traditionelle Soundelemente setzen; und es auch inhaltlich und in Sachen Atmosphäre vergleichsweise vielschichtig und anspruchsvoll zugehen lassen. Dass dann auch noch niemand geringeres als die ehemalige DARK MOOR- und FAIRYLAND-Frontfrau Elisa C. Martin das hiesige Gesangszepter in der Hand hält, setzt dem Ganzen die theoretische Krone auf. Zumindest aber sicherte es den Status der Band als Genre-Geheimtipp – wobei eben jener Status nun, und damit recht genau 12 Jahre nach UNEARTH mit dem insgesamt 14 Titel starken neuen HAMKA-Album MULTIVERSAL entsprechend untermauert werden könnte.

Eine zweifelsohne beruhigende Feststellung gilt es dazu gleich vorab zu vermelden: Elisa C. Martin ist nach wie vor mit an Bord – und wagt sich nach ihren vielen kleineren Gastauftritten endlich wieder an ein größeres Projekt. Nicht unbedingt beunruhigend, aber doch etwas merkwürdig erscheint dagegen; dass MULTIVERSAL als Independent-Release ohne die Unterstützung eines großen Labels realisiert wurde – und die Band die Vermarktung entsprechend selbst übernimmt. Nennenswerte negative Auswirkungen hat das zunächst keine: in Bezug auf die Verpackung des Albums (womit insbesondere das stimmige Cover-Artwork gemeint ist), das groß angelegte Konzept mitsamt der Titelwahl und Strukturierung, das Handwerk der einzelnen Mitglieder sowie die Abmischungs- und Produktionsfaktoren stehen so gut wie alle Zeichen auf grün.

Erst im Detail, und mit dem Entdecken der ersten einzelnen Titel trennt sich die Spreu vom Weizen. Oder anders gesagt: HAMKA mag eine tendenziell eher hochkarätige Band sein, doch ist längst nicht alles was Elisa C. Martin und ihre Kollegen fabrizieren automatisch Gold wert. Der Opener WORLD WAR III beispielsweise will einfach nicht so Recht zünden – der problematische Rhythmus, der höchst ungünstige Refrain sowie einige zusätzliche Effekte (die dem Ganzen einen etwas zu künstlichen, wenn man so will auch zu elektronischen Anstrich geben) machen den Alben-Auftakt zu alles anderem als einem puren Hörvergnügen. Der Folgetrack EARTH’S CALL (der vorab als Single ausgekoppelt wurde) schneidet da schon etwas besser ab – aber eben auch nur als quasi-Ballade ohne einen wirklichen Aha-Effekt.

Doch auch im weiteren Verlauf ergeben sich mehr Probleme als zunächst gedacht: HOPE kommt trotz der eingestreuten Growls als relativer Langweiler ohne viel Tiefgang daher – und wartet zudem mit einer vergleichsweise bedenklichen Performance von Elisa C. Martin auf. Wobei es auch ganz allgemein so scheint, als wäre das spanische Ausnahmetalent aktuell nicht in der besten Form – ihre damaligen Darbietungen bei DARK MOOR und FAIRYLAND klangen jedenfalls ein deutliches stückweit kräftiger, selbstbewusster und vielleicht auch unverbrauchter. Wobei eben das auch das richtige Stichwort ist, wenn es um Titel wie DARK NIGHT FALLS geht – das trotz seiner irgendwie netten Kinderchor-Elemente wenig herausragendes anzubieten vermag. Zumindest nichts, was nicht schon die Kollegen von ALMAH bedient hätten.

SEAQUEST wiederum klingt wie einer der späteren Titel von FAIRYLAND, gemischt mit einer Prise dezent folkloristischer Einflüsse a’la AQUARIA oder ANGRA – was schon wesentlich interessanter klingt, aber immer den faden Beigeschmack eines  verkappten Disney-Soundtrack behält. Und: seien es das stilistisch an SONATA ARCTICA’s CINDERBLOX erinnernde INNER CONVICTION, das zutiefst merkwürdige MODERN COWBOYS, das schlicht etwas überladen klingende THE PATH OF PHARAOS, das eher wirre als progressive ORKANIAN’S LANDS – wirklich rund oder als wäre es von Highlights gespickt klingt MULTIVERSAL beileibe nicht. Und das ist dann doch etwas zu wenig für ein Album, welches so gesehen knapp 13 Jahre in der Mache war – und das grundsätzlich nur Auftritte von Musikern vorsieht, die ihr Handwerk verstehen. Was also ist passiert ?

Hierbei handelt es sich um eine Frage, die wohl nur die Mitglieder von HAMKA selbst beantworten können. Fakt ist nur, dass die Band ihre zum Beginn dieser Rezension erwähnten Alleinstellungsmerkmale und Stärken aktuell kaum noch ausspielen; ja sogar Gefahr laufen sie ins Gegenteil zu verkehren. Die relativ plump inszenierte symphonische Komponente inklusive zahlreicher eher künstlich-konstruiert klingender Keyboardsounds, die auf-Teufel-komm-raus untergebrachten folkloristischen und volkstümlichen Elemente (die HAMKA einst ausmachten, hier aber viel zu gezwungen wirken), eine dezent schwächelnde oder zumindest wenig neues anbietende Elisa C. Martin, der eher stiefmütterlich behandelte und so gesehen recht soft abschneidende Metal-Part des Albums, die Parallelen zu weitaus früheren Alben von Bands wie ANGRA, ALMAH, AQUARIA, FAIRYLAND – dass es so schlimm werden würde, war eigentlich kaum abzusehen. Doch passiert ist passiert – sodass nur zu hoffen bleibt, dass sich HAMKA noch einmal auf ihren Hosenboden setzen und an ihrer Musik feilen. Denn, und das steht unumstößlich fest: die Band ist zu weitaus mehr imstande.

Absolute Anspieltipps: /


„Theoretisch extrem gut, praktisch extrem ernüchternd – leider.“

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