Metal-CD-Review: FIRELAND – The Time Traveler (2015)

Alben-Titel: The Time Traveler
Künstler / Band: Fireland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. November 2015
Land: Chile
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Claudio González – Bass
Cristian Carrasco – Drums
Matias Vidal – Guitars
Rafael Castillo – Guitars, Keyboards, Vocals

Track-Liste:

1. Multispace (04:43)
2. Angels Falling (04:14)
3. Another Chance (05:05)
4. Open Wide (05:50)
5. Fight ‚till End (04:52)
6. The Travel (00:54)
7. Mark of the King (04:05)
8. Sand of Despair (04:42)
9. 1939 (05:41)
10. The Dark Army (05:02)
11. See Them Fall (05:35)
12. Wake Up Hell (04:23)
13. Golden Future (04:01)

Eine Reise ohne Wiederkehr ?

The TIME TRAVELER ist das zweite offizielle Studioalbum der aus Chile stammenden Musiker von FIRELAND – und damit auch einer Band, die im besten Fall nicht mit den gleichnamigen FIRELAND aus Großbritannien zu verwechseln ist. Immerhin: eine Gelegenheit sich entsprechend zu profilieren hatten die ambitionierten Chilenen bereits – schließlich erschien 2010 ihr nicht allzu bekanntes, mindestens grundsolides Debütalbum GOD ‚N‘ EVIL (siehe Review). Gute 5 Jahre danach, und analog zu einer kleineren Single-Veröffentlichung (ANGELS FALLING) wollen es FIRELAND also noch einmal wissen – und das in Form eines Albums, welches allein von seinem Artwork und der anberaumten Thematik dezent an Christopher Nolan’s Sci-Fi-Epos INTERSTELLAR erinnert. Ob es sich dabei wirklich um eine beabsichtigte Maßnahme handelt oder nicht sei einmal dahingestellt – fest steht wohl nur, dass Power Metal-Alben mit eher überirdischen Inhalten eine oftmals willkommene Abwechslung darstellen. Und im besten Fall sogar ganz und gar kultige Ausmaße annehmen – man denke nur an das frühe Schaffen von CELESTY, die durchgehend hochkarätige Werkschau von KELDIAN oder einzelne Highlight-Alben wie IRON FIRE’s VOYAGE OF THE DAMNED (Review).

Die Frage ist nur, ob FIRELAND respektive insbesondere der hiesige Frontmann Rafael Castillo (der neuerdings auch bei ALQUIMIA unterwegs ist) die ihnen gegeben Möglichkeit nutzen – und mit THE TIME TRAVELER tatsächlich ein interstellares Epos inszenieren. Als dahingehend hoffentlich bekräftigendes Argument fungieren in diesem Falle ganze 13 neue FIRELAND-Titel (von denen lediglich THE TRAVEL ein kurzes Interlude markiert) bei einer Spielzeit von einer guten Stunde – und das unterschwellige Versprechen, den guten aber nicht herausragenden Vorgänger GOD ‚N‘ EVIL noch zu übertreffen. Eines fällt dabei recht schnell auf: vor allem in Bezug auf das Songwriting scheint ihnen das auf THE TIME TRAVELER auch weitestgehend gelungen zu sein. So klingt das Album insgesamt etwas lebendiger, kräftiger und auch variabler respektive facettenreicher als der Vorgänger – sodass die Tendenz, schon mit dem (im Refrain leider etwas kraftlosen) Opener MULTISPACE und dem Riff-lastigen ANGELS FALLING in den Bann der Chilenen gezogen werden zu können; relativ groß ausfällt.

Ein entsprechendes Wörtchen hat hier vornehmlich das an den Tag gelegte Handwerk der Bandmitglieder mitzureden – wobei nicht nur die Gitarren äußerst überzeugend abschneiden, auch das Schlagzeug und der Bass erhalten einen entsprechenden Raum. Analog zur guten Abmischung und Produktionsarbeit stehen so einige Zeichen grün – doch Ausnahmen gibt es auch dieses Mal. Wobei man vielleicht eher von potentiellen Streitpunkten sprechen sollte, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. So eignet sich vor allem der tendenziell eher weiche Leadgesang von Rafael Castillo schier perfekt dazu, die Geister zu scheiden – und auch die unterstützenden Elemente in  Form sich überlagernder Gesangsspuren und der Chöre (wie etwa in ANOTHER CHANCE) werden nicht jedermann gefallen. Andererseits spricht gerade der eben genannte Titel für eine der deutlichen Stärken von FIRELAND – die schlicht in der Kombination von schön knackigen Power Metal-Elementen und dem Anflug fast schon himmlisch-süßer Melodien liegen. Man nenne es den AETHRA-Effekt – wobei sich die Chilenen hier tatsächlich nicht allzu weit weg von ihren Kollegen aus Mexiko bewegen.

Aber; und das ist eines der maßgeblichen, sich immerhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau abspielenden Probleme von THE TIME TRAVELER – das Gefühl eines bis in die letzten Winkel stimmigen Erlebnisses hat man nicht durchgehend. Wobei die gar nicht erst allzu oft genutzten, wenn dann aber umso elektronischeren Sounds des Keyboards oder die hier und da durchschimmernden, explizit balladesken Ansätze wie in OPEN WIDE gemeint sind – das vielleicht keine Meisterleistung darstellt, aber immerhin eine weitere Facette von Leadsänger Rafael Castillo aufzeigt. Dennoch könnte einstweilen der Eindruck entstehen, als würden FIRELAND hier deutlich weniger spektakulär klingen als sie es eigentlich könnten – man nenne es den letzten fehlenden Schliff, das ärgerlicherweise vernachlässigte Tüpfelchen auf dem i. So haben Nummern wie FIGHT ‚TILL END oder MARK OF THE KING einige vielversprechende Ansätze – werden aber noch zu oft von entsprechend negativen Einrücken seitens des Leadgesangs oder den wenig griffen Refrains konterkariert.

Auch die Tatsache, dass FIRELAND hier einstweilen frappierend nach ihren Kollegen von HAMMERFALL und BLOODBOUND klingen; sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Umso kurioser ist es, dass gerade die potentiell jenen Vergleichsbands nahestehenden Nummern bei FIRELAND voll aufzugehen scheinen – wie das stampfende SAND OF DESPAIR, THE DARK ARMY, SEE THEM FALL oder WAKE UP HELL. Eine Feststellung macht sich in jedem Fall breit: nach einem schwächeren Mittelteil ziehen FIRELAND gegen Ende des Albums noch einmal ordentlich an. So schaffen die Chilenen vornehmlich eines: sie schneiden insgesamt besser und irgendwie auch sympathischer ab, als man es zunächst hat erwarten können. Anders gesagt: THE TIME TRAVELER kann doch noch zu einer Empfehlung avancieren. Einer leicht eingeschränkten zwar – aber das Ziel den Vorgänger zu übertrumpfen, haben FIRELAND allemal erreicht.

Absolute Anspieltipps: ANGELS FALLING, ANOTHER CHANCE, SAND OF DESPAIR, THE DARK ARMY, GOLDEN FUTURE


„Grundsympatisch und gerade nach dem etwas schwächeren Mittelteil stärker als gedacht – FIRELAND sind auf dem absolut richtigen Weg. Vor allem, wenn sie noch weiter an entsprechenden Alleinstellungsmerkmalen arbeiten.“

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