Metal-CD-Review: FINAL CHAPTER – The WizardQueen (2004)

Alben-Titel: The WizardQueen
Künstler / Band: Final Chapter (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. April 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Michael Stein – Drums, Percussion
Achim Sinzinger – Guitars
Michael Brettner – Guitars
Andreas Wimmer – Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Intro (01:11)
2. The WizardQueen (06:34)
3. The Beginning (08:59)
4. The Old Man (04:41)
5. The One Who Cannot Loves (05:41)
6. The Ballad of the Queen (07:45)
7. The Temple of Fear (02:21)
8. The King of the Court (06:37)
9. The Fight (04:00)
10. The Resurrection (09:32)
11. The Arrival of the Queen (04:14)
12. The Search (07:49)

Von Hexen und anderen Zauberkünstlerinnen.

Mit neuen Combos wie MARIUS DANIELSEN’S LEGEND OF VALLEY DOOM (siehe hier) haben sie wieder deutlich an Reiz gewonnen – spezielle Power Metal-Projekte, die angelehnt an ihre Bezeichnung als Metal-Opera eine große Bandbreite an Gastauftritten auffahren und eine mehr oder oder weniger episch angelegte Geschichte erzählen. Doch auch wenn sie vergleichsweise selten sind und AVANTASIA von vielen als eigentliche Begründer jenes Power Metal-Subgenres betrachtet werden (THE METAL OPERA, siehe Review zu Part I und Part II), tauchten sie im Laufe der Jahre immer wieder auf – manchmal auch bei internationalen Bands, die entweder direkt aus dem Nichts kamen und ebenso schnell wieder verschwanden (siehe AINA’S DAYS OF RAISING DOOM, Review) – oder von denen man es weniger erwartet hätte. Auch die deutschen Musiker von FINAL CHAPTER sind diesbezüglich wohl eine Art Randentdeckung – und das, obwohl das für ihr 2004 erschienenes Debütalbum THE WIZARDQUEEN an den Start gebrachte Star-Aufgebot recht beachtlich war.

Glücklicherweise, sollte man sagen – denn nach der bereits 2000 erschienenen ersten Demo der Band war offenbar noch nicht gänzlich klar, wohin die Reise von FINAL CHAPTER einmal gehen könnte. Irgendwie hatte es die Band dann aber doch geschafft, THE WIZARD QUEEN auf die Beine zu stellen – ein immerhin 12 Titel starkes, knapp 70-minütiges Konzeptalbum mit Gastauftritten von Tobias Sammet (EDGUY, AVANTASIA) und Chitral Somapala (RED CIRCUIT, Ex-POWER QUEST). Eines kann sich das Album aber schon einmal nicht vorwerfen lassen – dass es sich allzu sehr auf Namen wie diese stützt oder verlässt. Tatsächlich sind die für die beiden bekanntesten Künstler des Albums vorgesehenen Rollen sogar vergleichsweise gering bemessen – grundsätzlich lebt THE WIZARDQUEEN von den Auftritten der anderen beteiligten Sänger und vor allem Sängerinnen. Eine große Rolle spielt hier sicher auch der eigentliche Band-Leadsänger Oliver Strasser, der einen entsprechend großen Raum einnimmt – und den Sound des Albums so maßgeblich prägt.

Die Frage ist jedoch, ob THE WIZARDQUEEN auch das Zeug dazu hatte – und im besten Fall noch immer hat – zu einem echten Genre-Dauerbrenner zu avancieren. Immerhin gibt es einige durchaus überzeugende Argumente dafür – wie grundsätzliche alle, die sich in irgendeiner Art und Weise aus das Instrumentenspiel und das an den Tag gelegte Handwerk der Band beziehen. Vor allem das gleichermaßen griffige wie variable Gitarrenspiel von Achim Sinzinger und Michael Brettner überzeugt, wie auch die schier perfekt in Szene gesetzten symphonischen Elemente und etwaige andere Spielereien seitens des Keyboards. Einzig und allein der Bass hätte noch etwas mehr hervorgehoben werden können – davon abgesehen überzeugt aber auch die allgemeine Abmischung und Produktion. Anders gesagt: THE WIZARDQUEEN klingt recht pompös und majestätisch, aber eben nicht unnötig überladen – und trumpft überdies noch mit einer recht großen Vielfalt an verschiedenen Eindrücken und Gangarten auf.

Probleme gibt es aber dennoch, und das an mindestens zwei Fronten. Zum einen erscheint das Songwriting im Gesamten eher hinter den eigentlichen Fähigkeiten der Beteiligten anstehen zu müssen – das Versprechen einer wirklich dichten Atmosphäre kann über den Verlauf des Albums nicht wirklich gehalten werden, und alles in den Schatten stellende Highlights kann man ebenfalls nicht ausmachen. Zum anderen, und das wiegt eventuell noch etwas schwerer; scheint das Gesangskonzept von THE WIZARDQUEEN nicht wirklich aufgegangen zu sein. Und das trotz der offensichtlich vorhandenen Fähigkeiten aller, oder zumindest der meisten Beteiligten. Eine der Folgen ist, dass das Album nach dem noch äußerst flotten und hymnischen Opener THE WIZARD QUEEN teils deutlich an Atmosphäre und Faszinationskraft verliert – und man einfach nicht kontinuierlich bei Laune gehalten werden kann, gerade in Anbetracht von vergleichsweise überlangen Nummern wie THE BEGINNING.

Allzu viel geschieht hier schließlich tatsächlich nicht, wobei sich vor allem die einzelnen Gesangsparts anfühlen als wären sie spontan in einen Topf geworfen worden. Andererseits neigen auch schon mal ganze Strophen (wie etwa in THE ONE WHO CANNOT LOVE) dazu, sich schlicht etwas zu holprig und konstruiert anzufühlen. Mit einem harmonischen und bis in die letzten Ecken stimmigen Ganzen, wie es sich etwa bei den sich überraschenderweise für einen naheliegenden Vergleich anbietenden Tschechen von SALAMANDRA ergibt (vor allem in Bezug auf deren frühe Werke wie etwa SKARREMAR, Review); konnten FINAL CHAPTER hier einfach nicht auftrumpfen. Um ein interessantes und so gesehen lohnenswertes Album handelt es sich aber allemal – nur keines, dass das Zeug dazu hätte in die Geschichte einzugehen.

Absolute Anspieltipps: THE WIZARD QUEEN, THE OLD MAN, THE KING OF THE COURT, THE SEARCH


„Eine gleichermaßen überraschende wie ambitionierte Metal-Oper, die eine Chance verdient.“

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