Metal-CD-Review: AT THE DAWN – From Dawn To Dusk (2013)

Alben-Titel: From Dawn To Dusk
Künstler / Band: At The Dawn (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Januar 2013
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Buil2Kill Records

Alben-Lineup:

Vittorio Zappone Bass
Mattia Ughi – Drums
Michele Vinci – Guitars
Michele Viaggi – Guitars
Stefano de Marco – Vocals

Track-Liste:

1. Prelude (01:46)
2. At the Dawn (03:38)
3. Red Baron’s Kiss (04:16)
4. Winter Storm (03:21)
5. Balthazar (03:18)
6. Post Fata Resurgo (04:25)
7. Countdown to Infinity (04:50)
8. Louder to Heaven (03:58)
9. Sunset Rider (04:17)
10. Wake Up at Dusk (03:45)
11. Ari’s Melody (02:03)
12. Disaster Recovery Plan (03:42)

Langsam sollte es jedem dämmern.

FROM DAWN TO DUSK ist der Titel des ersten offiziellen Studioalbums von AT THE DAWN – einer erst im Jahre 2011 gegründeten und damit noch recht jungen Power Metal-Formation aus Italien. Und damit auch einer, die offenbar schon mit ihrer ersten in kompletter Eigenregie veröffentlichten EP COUNTDOWN TO INFINITY (2012) ordentlich Eindruck schinden konnte. So wurden AT THE DAWN kurz darauf bei Buil2Kill Records unter Vertrag genommen und erhielten alsbald die Chance, ihr Debütalbum entsprechend an den Mann zu bringen – und im besten Falle eine noch breitere Hörerschicht zu erschließen. Viel zusätzliche Arbeit bedeutete das für die Band aber offenbar nicht, schließlich stammen gleich 8 der insgesamt 12 auf FROM DAWN TO DUSK enthaltenen Titel von der ursprünglichen EP – und das weitestgehend unverändert. Lediglich in Bezug auf einige Ausschmückungen wurden Anpassungen vorgenommen, was auch die dezent längere Spielzeit einzelner Titel erklärt. RED BARON’S KISS beispielsweise wurde mit einem so gesehen typischen Interlude versehen (in diesem Fall ist ein wenig Schlachtengetümmel zu hören) – was die Sache nicht unbedingt besser macht, aber immerhin.

Letztendlich geht es aber auch gar nicht darum, wie und warum ein Großteil der Nummern schlicht direkt von der EP übernommen wurde – sondern welchen Gesamteindruck FROM DAWN TO DUSK als eines von einer ebenso zahlreichen wie oftmals auch entsprechend qualitativen Konkurrenz umgebenes Genre-Album macht. Auffällig ist, und das ist schon einmal nicht verkehrt; dass der hiesige AT THE DAWN-Leadsänger Stefano de Marco einen durchaus… markanten Eindruck hinterlässt. Das reicht in diesem Fall allerdings nicht aus, denn: sein teils deutlich hörbarer Akzent, seine recht nasale Aussprache und vor allem der Eindruck eines stellenweise eher zu vermissenden stimmlichen Nachdrucks könnte einigen sauer aufstoßen. Erst recht natürlich solchen, die ohnehin eher einen Bogen um Power Metal-Erzeugnisse aus Italien machen. Und auch wenn eine solche Skepsis längst nicht immer angebracht erscheint, so liegt sie im Falle von AT THE DAWN und ihres Erstwerkes schon eher auf der Hand. Anders gesagt: FROM DAWN TO DUSK wird notorische Italien-Verneiner keineswegs bekehren – und im schlimmsten Fall auch allen anderen ein dezent ermüdendes Klang-Erlebnis bescheren.

Schließlich klingen die Italiener hier nicht gerade so, als wollten sich einen wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sicher, die grundsätzlich benötigten Zutaten (wie etwa die hie und da positiv auffallenden Gitarren oder der recht gut inszenierte Bass) sind da – doch im Falle von FROM DUSK TO DAWN kann das Gesamtpaket einfach nicht überzeugen. Der gewissermaßen einmalige, aber eben doch dezent problematische Leadgesang macht hier schließlich nur den Anfang. Der insgesamt fehlende Biss, das zusammenfassend doch recht unspektakuläre Instrumentenspiel und die oft ins Leere laufenden Kompositionen ohne erkennbare Höhepunkte erledigen den Rest. Weitere Ärgernisse äußern sich vornehmlich im Detail. So bleibt es beispielsweise ein unverständliches Geheimnis, warum die Band das sonst recht annehmbare COUNTDOWN TO INFINITY mit überaus nervigen Sprachfetzen in Form eines gesprochenen Countdowns versehen hat. Stichwort Sprachfetzen: auch ARI’S MELODY hält diesbezüglich etwas eher unerwartetes bereit, und zwar einen so noch nie auf einem Metal-Album gehörten Kleinkind-Gesang. Das mag zwar irgendwo niedlich sein, klingt in diesem Zusammenhang aber einfach nur falsch und deplatziert.

Da können wohl auch einige der anberaumten progressiveren Strukturen (wie in LOUDER TO HEAVEN) nicht mehr viel reißen, ebenso wenig wie der merkwürdig betitelte Rausschmeißer DISASTER RECOVERY PLAN – der entgegen aller Erwartungen eine akustische Ballade ist. Eine, die ein anderer Leadsänger vielleicht ebenfalls nicht hätte retten können – doch ein etwas emotionaler und vor allem glaubwürdigerer Eindruck als der hier etablierte wäre sicher drin gewesen. AT THE DAWN klingen in Momenten wie diesen eben alles andere als meisterlich oder virtuos, und scheinen erst einmal über einige der ebenso offensichtlichen wie ganz und gar grundsätzlichen Probleme hinwegkommen zu müssen. Immerhin erscheinen sowohl die Abmischung als auch die Produktion gelungen, sodass das Album zumindest Sound-technisch einen recht passablen Eindruck macht. Doch davon abgesehen serviert die Band hier schlicht zu wenig Anhaltspunkte, um sie als neue italienische Combo (und damit als eine von so vielen) liebgewinnen zu können. Vielleicht ist beim nächsten Mal mehr drin…

Absolute Anspieltipps: AT THE DAWN, WAKE UP AT DUSK


„Leider nicht viel mehr als ein erster Versuch – hier ist noch ordentlich (Nach-)Arbeit nötig.“

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