Metal-CD-Review: GALDERIA – Return Of The Cosmic Men (2017)

Alben-Titel: Return Of The Cosmic Men
Künstler / Band: Galderia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Juli 2017
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

J.C. Chicco – Drums
Tom Schmitt – Vocals, Guitars
Seb Chabot – Vocals, Guitars
Bob Saliba – Vocals, Guitars, Bass
Julien Digne – Keyboards

Track-Liste:

1. Shining Unity (05:41)
2. Blue Aura (04:03)
3. Living Forevermore (04:40)
4. High Up in the Air (04:10)
5. Celestial Harmony (04:02)
6. Wake Up the World (04:46)
7. Legions of Light (04:30)
8. Return of the Cosmic Men (05:34)
9. Pilgrim of Love (05:01)
10. Wake Up the World 2.0 (05:27)

Eine Rückkehr von ganz und gar ko(s)mischen Ausmaßen.

Eingefleischte Power Metaller, die bei ihrem tagtäglichen Musik-Konsum nicht immer die volle Dröhnung in Sachen Geschwindigkeit und Härte benötigen – oder sich ohnehin und ganz allgemein mit dem Schaffen von Bands wie FREEDOM CALL wohlfühlen – werden sie sicher kennen: GALDERIA, eine bereits seit 2006 bestehende Genre-Formation aus Frankreich. In jedem Fall hatten sich die engagierten Musiker um Frontmann Sebastien Chabot (genannt Seb) schon früh einen Namen gemacht, indem sie ihre ganz eigene Vision eines kosmischen und wenn man so will universellen Power Metals durchgesetzt haben. Während sich die Band zunächst noch mit einigen Independent-Releases wie der Auftakt-EP THE STARLORD (siehe Review) oder den beiden Demo-Alben PUISSANCE ET UNITE (Review) und ROYAUME DE L’UNIVERSALITE (Review) verdingte, wurde es spätestens mit dem 2012 über Metalodic Records veröffentlichten THE UNIVERSALITY (Review) ernst – GALDERIA erreichten immer mehr Hörer, polarisierten aber auch in Anbetracht ihrer vergleichsweise zugänglichen und freundlichen Spielart.

Den eigentlichen Höhepunkt ihrer Karriere markierte aber ohnehin ein anderes, gerne mal übersehenes Werk: die 2010 veröffentlichte und gerade einmal 5 vollwertige Titel enthaltene RISE, LEGIONS OF FREE MEN-EP (Review). Die zeigte die Franzosen von einer bis dato ungeahnt professionellen, druckvollen und schlicht effektiven Seite – und das ohne, dass die Band auf ihre typisch-auflockernden Trademarks hatte verzichten müssen. Da der Nachfolger und das so gesehen erste richtige (d.h. ein für eine breite Öffentlichkeit bestimmtes und über ein Label erschienenes) Studioalbum THE UNIVERSALITY die daraufhin enorm gestiegenen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte, ist die Spannung natürlich umso größer wenn es um das aktuell vorliegende und über Massacre Records erschienene RETURN OF THE COSMIC MEN geht. Selbiges sollte eine größere Reichweite haben – und könnte darüber hinaus das Potential haben, die Rückkehr von GALDERIA (und das im besten Fall in ihrer alten Stärke) nachhaltig zu festigen.

Tatsächlich sieht es gar nicht mal schlecht aus für das mit 10 Titeln etwas knapp bestückte Album – wobei es nicht unbedingt die Laufzeit von gut 48 Minuten ist die jene Knappheit beschreibt, sondern eher die Verwendung der bekannten Nummer WAKE UP THE WORLD in gleich zwei neuen Varianten. Der Opener SHINING UNITY jedenfalls geht verdächtig schnell ins Ohr, und macht in etwa da weiter wo die RISE-EP aufgehört hatte. Sei es der flotte und hymnische Grundton, die für die Band typischen Textinhalte mit entsprechend hervorgehobenen Schlagwörtern; oder aber der sanfte und dennoch bestimmte Leadgesang mit der Unterstützung effektiver Chöre – im Zusammenspiel mit der schön schmackigen Metal-Instrumentierung und der im Gegensatz zu THE UNIVERSALITY nun vollständig zufriedenstellenden Produktion geht das GALDERIA-Konzept vollends auf. Zumindest zunächst – denn leider kann der Opener das große, mit dem Album verbundene Versprechen nicht lange aufrechterhalten.

Denn: GALDERIA driften im weiteren Verlauf des Albums immer wieder in Bereiche ab, die man eher hätte vermeiden sollen. Damit ist jedoch nicht die grundsätzliche Ausrichtung der Band gemeint, die trotz des relativen Kitsch-Faktors und der extremen Eingängigkeit ein riesiges Potential hat (und noch einmal gilt es, den Blick oder eher das Ohr gen RISE, LEGIONS OF FREE MEN zu richten) – sondern eher der auf RETURN TO COSMIC MEN weitestgehend fehlende Biss oder auch Crunch. Warum genau das Album vergleichsweise langatmig, generisch und im schlimmsten Fall sogar etwas lustlos klingt; bleibt schwer zu sagen – immerhin sorgen die ausgewogene Produktion sowie die stets gar nicht mal so weit im Hintergrund schrammenden Rhythmusgitarren durchaus für ein gewisses Feuer. Dass es dennoch nur bei einer Flamme bleibt die droht im Keim zu ersticken, hat vermutlich andere Gründe.

Eventuell auch solche, die eigentlich eher kleinere Besonderheiten oder auch Neuerungen beschreiben. Wie beispielsweise die Tatsache, dass sich in Nummern wie BLU AURA plötzlich mehrere Bandmitglieder mit dem Leadgesang abwechseln – was sowohl ungewohnt als auch eher bescheiden klingt, zumal man im Gegensatz dazu an den Chören im Refrain gespart zu haben scheint. Ebenfalls nicht ganz unproblematisch ist der bereits erwähnte Einsatz von WAKE UP THE WORLD – einer einst recht speziellen Nummer, die nur schwerlich dem Genre des Power Metal zuzuordnen war. Nicht nur, dass man den wummernden Rhythmus noch im Ohr haben könnte (was die neuen Versionen schlicht etwas falsch klingen lässt) – der neuen Herangehensweise, die hier wie ein müder Verschnitt einer Band wie AVANTASIA klingt; ist wahrlich kaum etwas abzugewinnen. Beim Rausschmeißer WAKE UP THE WORLD 2.0 fallen das merkwürdige Rhythmusgefühl sowie die fraglichen (und etwas gezwungen wirkenden) Neuerungen sogar noch stärker auf – wobei es zusätzlich ungünstig erscheint, diesen Titel auf der reguläre Version der CD zu wissen. Als irgendwo anders auftauchender Bonustrack wäre das Ganze sicher eher geeignet gewesen.

Wer glaubt, dass es zumindest alle verbleibenden Titel in sich haben müssten; wird vermutlich eher enttäuscht. Das akustische PILGRIM OF LOVE beispielsweise schneidet verdächtig schlecht ab – das an den Tag gelegte Instrumentengeplänkel ist ernüchternd, der Leadgesang schwächelt dezent, die besungenen Inhalte sind allzu harmlos. Von einer x-beliebigen christlichen Hobby-Band, die für ein wenig musikalische Untermalung auf einem ökumenischen Kirchentag sorgt; sind GALDERIA hier jedenfalls nicht mehr weit entfernt. Da entfaltet das ebenfalls ruhige und harmlose LIVING FOREVER trotz seiner abermals recht problematischen balladesken Passagen schon etwas mehr Reiz – hier ist es eigentlich nur der absolut nichtssagende und repetitive Refrain, der vieles zunichte macht. Das merkwürdig überhastet klingende HIGH UP IN THE AIR, das feucht-fröhliche aber seelenlose CELESTIAL HARMONY sowie der extrem müde Titeltrack RETURN OF THE COSMIC MEN machen den Kuchen dann auch nicht mehr fett.

Schlussendlich: bis auf den gelungenen Opener und eventuell LEGIONS OF LIGHT gibt es verdächtig wenig auf GALDERIA’s RETURN TO COSMIC MEN zu holen. Anders gesagt: auch wenn die Band an ihrem Sound gefeilt hat und die Gitarren sogar ordentlich in den Vordergrund gerückt sind; klingt die Band aktuell so weichgespült, belanglos und unspektakulär wie nie zuvor. So klingt vermutlich nur Langeweile – oder eben doch der ökumenische Kirchentag.

Absolute Anspieltipps: SHINING UNITY, LEGIONS OF LIGHT


„Ein handwerklich solides, insgesamt aber verdächtig prätentiöses und erschreckend unspektakuläres Album.“

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