Metal-CD-Review: MORGANA – Angel (2001)

Alben-Titel: Angel
Künstler / Band: Morgana (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Elevate Records

Alben-Lineup:

Marco Mesemi – Vocals
Christian Borgoglio – Guitars
Alberto Ronchi – Guitars
Massimo Colla – Bass
Maurizio Colla – Drums
Gianluca Bottazzi – Keyboards

Track-Liste:

1. Twilight (01:50)
2. The Downfall of Rain (04:43)
3. Beyound Our Truth (05:58)
4. The Syndrome (05:50)
5. Angel (06:08)
6. The Different (05:05)
7. Let’s Free the Essence (06:24)
8. Your Recall (05:29)
9. Road to Nowhere (Ozzy Osbourne cover) (05:09)
10. ∞ (02:13)

Engel kommen und gehen.

Was waren sie doch schön und spannend – jene Jahre, in denen das Genre des Power Metal endgültig seinen Kinderschuhen entwuchs und so gesehen eine gleichermaßen bunte wie neue Grenzen auslotende Phase der Jugendlichkeit erreichte. Am ehesten träfe die Attribuierung wohl auf den Zeitraum der Jahrtausendwende zu, in dem viele neue Bands das Licht der erblickten – und sich durch mal mehr, mal weniger aussagekräftigen Stilblüten profilierten. Grundsätzlich ging es dabei in ganz Europa entsprechend heiß her – doch neben den schön früh etablierten, sozusagen sicheren Power Metal-Herkunftsländern wie Deutschland schienen in dieser Zeit vor allem die Italiener auf dem Vormarsch zu sein. So ist es kaum verwunderlich, dass es nach der Vorarbeit von Genre-Galionsfiguren wie LABYRINTH, RHAPSODY oder VISION DIVINE plötzlich zahlreiche weitere Bands darauf anlegten, mit ihren Kreationen durchzustarten – die Zeit von neuen Acts wie THY MAJESTY, SECRET SPHERE, DOMINE oder KALEDON war gekommen. Gleichzeitig handelte es sich um eine Zeit, in der der italienische Power Metal immer spezieller und unverkennbarer wurde – womit er sich eine große Fangemeinde erspielen konnte. Doch natürlich blieben auch jene nicht aus, die für das Genre potentiell problematische Begriffe wie Kitsch oder Pathos nunmehr direkt mit der neuen italienischen Power Metal-Welle verbanden – und das nicht gänzlich unbegründet.

In eben diese Kerbe schläft auch das 2001 erschienene Debütalbum ANGEL von MORGANA ein, das wie schon die Erzeugnisse von gedachten Partner-Bands a’la RHAPSODY oder THY MAJESTY nicht an symphonischen und sonstigen Spielereien spart – und darüber hinaus mit einigen zusätzlichen, potentiell eher weichmachenden Elementen versehen ist. Im Gegensatz zu den schon immer dezent problematischen Ergüssen von Bands wie SKYLARK etwa entfaltet ANGEL aber schnell einen etwas anderen Ersteindruck: das insgesamt 11 Titel starke Album klingt engagiert und lebt von einer lebendigen, vergleichsweise vielschichtigen Inszenierung in Richtung eines recht wuchtig präsentierten Symphonic Power Metals. Einen der, und das einer der vordergründigsten Unterschiede zu anderen Bands jener Zeit; aber zusätzlich ein deutliches Augenmerk auf eingängige Melodien und Emotionen legt und damit insgesamt etwas zugänglicher klingt. Und dennoch: trotz einer relativen großen Portion Herzschmerz, nicht wenigen tatsächlich als kitschig zu bezeichnenden Elementen und einem alles andere als herausragenden Leadgesangspart von Marco Mesemi braucht man hier weder ein vollständig weichgespültes Pop-Erzeugnis noch ein generell zu vernachlässigen Genre-Album erwarten.

Im Gegenteil: ihr Handwerk verstanden MORGANA recht gut. Sicher, die vielen symphonischen Einschübe und Spielereien sind Geschmackssache – doch wirklich billig oder allzu plump klingen sie in keinem der 9 vollwertigen Titel, das Intro und Outro laufen hier noch am ehesten Gefahr zu Skip-Kandidaten zu avancieren. Die Handhabung der Gitarren, des Schlagzeuges und des Basses jedoch überzeugt weitestgehend; während die Chöre sogar richtig gut respektive herausragend abschneiden – und es im Zusammenspiel mit den auch sonst überaus starken Refrains locker vermögen, einige Konkurrenzbands jener Zeit in den Schatten zu stellen. Das alles klingt nach einem höchst interessanten Genre-Werk, was ANGEL letztendlich auch ist – aber von einer wie auch immer gearteten Perfektion war und ist es ebenfalls recht weit entfernt. Und das liegt nicht nur an der teils offensichtlichen Nähe zu den bereits erwähnten Partner-Bands und die damit einhergehende Verwechselungsgefahr. Denn: gerade Leadsänger Marco Mesemi hat einstweilen deutlich hörbare Probleme, gegen die schiere Wucht der üppig ausstaffierten Instrumentalstrukturen anzukommen respektive einen markanten gesanglichen Gegenpol zu bilden – die nicht allzu glückliche, eher verwaschen klingende Abmischung erledigt hier ihr übriges.

Hinzu kommt, dass das Album gleich eine handvoll klar hinter den anderen zurückstehenden Titel präsentiert. Wie etwa und ausgerechnet den Titeltrack ANGEL – der als gesanglich höchst problematische Herzschmerz-Ballade einfach nicht sonderlich gut funktioniert. Etwas besser, aber mit ähnlichen Problemen schneidet ROAD TO NOWHERE ab – und auch Titel wie THE DIFFERENT sind dank ihrer extremen symphonischen Zusatzelemente und ihrer nicht gerade sonderlich geistreichen Textinhalte mit Vorsicht zu genießen. Da gehen LETS FREE THE ESSENCE und FLY IN THE SKY schon wesentlich besser auf. Das flotte YOUR RECALL könnte dann sogar relativ problemlos als absoluter Anspieltipp des Album fungieren – trotz der sicher nicht zu verschweigenden Kitsch-Gefahr. Fest steht: eine Chance kann man einem vergleichsweise interessanten One-Album-Wonder wie MORGANA durchaus geben.

Absolute Anspieltipps: THE DOWNFALL OF RAIN, BEYOND OUR TRUTH, THE SYNDROME, YOUR RECALL


„Längst nicht perfekt – aber ein italienisches Paradebeispiel dafür, wie Bands wie SKYLARK vielleicht schon immer hätten klingen können oder sollen.“

Advertisements

Die Kommentarfunktion wird noch zu selten genutzt... ändere dies !

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s