Metal-CD-Review: Orden Ogan – Gunmen (2017)

Alben-Titel: Gunmen
Künstler / Band: Orden Ogan (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Juli 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobi – Guitars
Sebastian „Seeb“ Levermann – Vocals, Guitars, Keyboards
Niels Löffler – Bass
Dirk Meyer-Berhorn – Drums

Track-Liste:

1. Gunman (05:17)
2. Fields of Sorrow (06:43)
3. Forlorn and Forsaken (04:48)
4. Vampire in Ghost Town (06:16)
5. Come with Me to the Other Side (06:14)
6. The Face of Silence (06:14)
7. Ashen Rain (03:53)
8. Down Here (Wanted: Dead Or Alive) (03:15)
9. One Last Chance (05:15)
10. Finis Coronat Opus (08:48)

Gut bestückt… und schwer bewaffnet.

GUNMEN ist das mittlerweile sechste offizielle Studioalbum von ORDEN OGAN – einer bereits 1996 Power Metal-Formation aus Deutschland, die sich im Laufe der Jahre mehr als gemausert hat. Und: die spätestens mit ihrem Vertrag beim recht erfolgreichen Genre-Label AFM Records eine entsprechend große Fangemeinde um sich scharen konnte – was den Vollblut-Musikern auch allemal zu gönnen ist. Sicher auch, da sie sich bei ihren Studioalben eigentlich noch nie die Blöße gegeben und darüber hinaus klare Alleinstellungsmerkmale entwickelt haben – sodass man als geneigter Genre-Fan gerade mit den beiden letztaktuellen Alben TO THE END (siehe Review) und RAVENHEAD (Review) kaum etwas falsch machen konnte und kann. Umso spannender ist die Frage, ob auch das groß angekündigte neue Album GUNMEN hält was es verspricht – und sich damit problemlos in die Riege der gelungenen ORDEN OGAN-Alben einreihen kann. Dabei konnten sich eingefleischte Fans und interessierte schon vorab einen ungefähren Eindruck verschaffen: sowohl der Titeltrack GUNMEN als auch FIELDS OF SORROW wurden kurz vor dem eigentlichen Alben-Release als Appetit-anregende Singles veröffentlicht.

Eben jene beiden Titel sind es dann auch, die das mit 10 vollwertigen Nummern bestückte Album einleiten – welches mit dem Wegfall eines sonst obligatorischen Intros, Outros und sonstiger Zwischenspiele recht kompakt daherkommt, dank der Spielzeit von knapp einer Stunde aber dennoch ausreichend neues ORDEN OGAN-Material bereithält. Material, das zweifelsohne dazu in der Lage ist die Geister zu scheiden – und das nicht nur aufgrund des eher ungewöhnlichen, sicher nicht unproblematischen Western-Themas. Denn: nicht jeder wird sich mit dem mittlerweile fest etablierten, typischen ORDEN OGAN-Sound im Fahrwasser von Bands wie BLIND GUARDIAN anfreunden können. Wobei, und das ist das besondere: es eigentlich immer ausreichend Argumente für die eine oder andere Seite gibt. So lassen sich bereits zum Auftakt des Albums, respektive innerhalb der beiden als Singles ausgekoppelten Titel GUNMEN und FIELDS OF SORROW entsprechende Anhaltspunkte finden. Grundsätzlich handelt es sich hier um zwei starke Genre-Nummern mit einem hohen Wiedererkennungswert – die sich hinsichtlich ihres von den Mitgliedern an den Tag gelegten Handwerks, der Qualität des Songwritings sowie insbesondere der wuchtigen instrumentalen Passagen beileibe nicht verstecken müss(t)en.

Und doch gibt es da etwas, was den potentiellen Hörgenuss teils merklich trüben könnte. Da wäre beispielsweise die Tatsache, dass der hiesige Leadsänger Sebastian „Seeb“ Levermann zwar eine recht markante Stimme hat und sich im Hinblick auf das Genre durchaus von seinen zahlreichen Kollegen abhebt – aber dennoch niemals so agiert, als würde er wirklich alles geben. Anders gesagt: wenn es nicht die fehlende (Aussage-)Kraft ist die man als störend empfinden könnte, ist es die fehlende Variabilität. Oder aber, und das führt einen schnell zum wahren Knackpunkt von GUNMEN – die eher ungünstige Abmischung sowie die weite Teile des Albums tragenden Unterstützungen seitens der Chöre. Schließlich stellt sich gerade bei diesen nicht selten das Gefühl ein, als hätte man sie im Verhältnis zur im schlimmsten Fall als monoton zu bezeichnenden Leadgesangsdarbietung dringend benötigt – andererseits, und das wiegt noch etwas schlimmer; klingen sie aber auch einfach nicht gut. Woran genau das liegt ist schwer zu sagen – die den Gesang allgemein eher benachteiligende, so gesehen das Ganze eher aufweichende Abmischung und Produktion ist hier aber sicher nicht unbeteiligt.

Fest steht aber: vergleicht man die Chöre von ORDEN OGAN mit anderen – etwa den sich gut für eine Gegenüberstellung anbietenden, meist kongenialen Chor- und auch Keyboard-Kreationen von Phil Giordana (FAIRYLAND) – so steht schnell fest, wer hier die Hosen an hat. Oder besser gesagt: wer am ehesten dazu in der Lage ist, aus vergleichsweise geringen Mitteln großes herauzuholen. Immerhin: das leicht progressiv angehauchte COME WITH ME TO THE OTHER SIDE ist eine echte positive Überraschung, und einige der anderen Nummern lassen einen zumindest stellenweise aufhorchen. Insgesamt betrachtet aber offenbart GUNMEN zu viele Probleme. Probleme auf einem vergleichsweise hohen Niveau – und solche, die eher nicht in Verbindung mit dem eigentlichen Western-Konzept stehen. Aber dennoch: der in so gut wie jeder Nummern anberaumte, dabei aber nicht immer aufgehende symphonische Pomp; die deutlich überakzentuierten bis schlicht nervigen Chöre, der etwas zu gradlinige Leadgesang und das Ausbleiben klar auszumachender Highlights hinterlassen einen faden Beigeschmack. Dem Album bleiben so nur seine guten handwerklichen Aspekte, zahlreiche atmosphärische Instrumentalstrecken sowie einige gelungene Soli – doch das ist für eine Band wie ORDEN OGAN einfach etwas zu wenig.

Absolute Anspieltipps: COME WITH ME TO THE OTHER SIDE


„Ein solides Handwerk und ein grundsätzlich funktionierendes Songwriting treffen auf einen zunehmend problematischen Leadgesang und eine ärgerliche Überproduktion inklusive der vermutlich ungünstigsten Power Metal-Chöre der letzten Jahre.“

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