Filmkritik: „Shut In“ (2016)

Originaltitel: Shut In
Regie: Farren Blackburn
Mit: Naomi Watts, Oliver Platt, Charlie Heaton u.a.
Land: Frankreich, Kanada
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Thriller
Tags: Mutter | Sohn | Familie | Unfall | Wachkoma

Willkommen im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten.

Kurzinhalt: Nachdem ihr Mann Richard (Peter Outerbridge) und ihr Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton) bei einem Autounfall schwer verunglückten, lebt die als Kinderpsychologin arbeitende Mary (Naomi Watts) zurückgezogen in einem großen Anwesen im ländlichen Neuengland. Neben ihrer Arbeit kümmert sie sich vor allem um ihren seit dem Unfall stark beeinträchtigten, pflegebedürftigen Stiefsohn – und hat bis auf gelegentliche Videochats mit ihrem Kollegen Dr. Wilson (Oliver Platt) kaum Kontakte zur Außenwelt. Eines Tages taucht plötzlich der Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay) auf, der nach der bereits bei ihr absolvierten psychologischen Behandlung in einem speziellen Heim untergebracht werden sollte – sich aber offenbar von der einfühlsamen Mutter angezogen fühlt. Das Problem: so schnell und unerwartet er aufgetaucht ist, so schnell verschwindet er auch wieder. Und das in Richtung der verschneiten Wälder, ohne zusätzliche Winterkleidung. Mary macht sich Vorwürfe, und wird neben den ohnehin allgegenwärtigen Sorgen um ihren Stiefsohn nun auch noch von der Ungewissheit über den Verbleib des kleinen Jungen geplagt. Dass sie bald darauf starke Schlafprobleme entwickelt, gehört noch zu den kleineren Übeln…

Kritik: Ja, sie haben wieder Hochkonjunktur – Horrorfilme der guten alten Schule, die trotz vergleichsweise geringer Mittel eine möglichst große Wirkung erzielen sollen. Die gegen Ende 2016 in den Kinos erschienene Grusel-Mär SHUT IN bildet da keine Ausnahme – womit sich der vom bis dato eher unbekannten britischen Regisseur Farren Blackburn inszenierte Film auch einer entsprechenden Konkurrenz stellen muss. Zwar keiner durchweg hochkarätigen, schließlich impliziert die Rückkehr zu gleichermaßen bekannten wie altbewährten Stilmitteln nicht automatisch ein gelungenes Werk – doch in Anbetracht ihrer schieren Anzahl sollte man sich mit Filmen wie SHUT IN zumindest bemüht zeigen, für entsprechende Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Gerade das scheint in diesem Fall aber nicht allzu leicht, was gleich mehrere Gründe hat. Beispielsweise sieht SHUT IN abermals ein großes, selbstverständlich mit vielen Holzdielen ausgestattetes (Geister-)Haus als Schauplatz vor, bezieht sich wie im Genre typisch auf das gespenstische Erleben einiger weniger beteiligter Hauptpersonen – und treibt die Geschichte grundsätzlich nur mit jenen Zutaten voran, die man auch genau so von einem Film wie diesem erwartet hätte.

Anders gesagt: um einen allzu erfrischenden, gar Neuland betretenden Genre-Film handelt es sich nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall – wobei es fast schon ironisch wirkt, dass man dem allgemein gefeierten Nachwuchsdarsteller Jacob Tremblay auch in SHUT IN eine Rolle gegeben hat. Schließlich konnte man den durchaus fähigen, seit RAUM weltweit bekannten Darsteller erst kürzlich – dass heißt im nur wenige Monate älteren BEFORE I WAKE (siehe Review) erleben. Hierbei handelt es sich um einen insgesamt ebenfalls nicht gerade herausragenden Film – aber doch zumindest einen, der sich das Potential des Jungdarstellers zunutze machte. In SHUT IN dagegen scheint er fast schon unterfordert zu sein, zumal seiner Rolle als Waisenjunge Tom eine eher geringe Bedeutung zuteil wird. Immerhin: während die eigentliche Hauptdarstellerin Naomi Watts eigentlich nur das typische Genre-Repertoire aufruft und bis auf ein entsprechenden Mienenspiel kaum aus sich herausgehen muss, sieht es in Bezug auf den 1994 geborenen Charlie Heaton (u.a. STRANGER THINGS) schon wesentlich besser respektive interessanter aus. Gerade im späteren Verlauf des Films verkörpert er die Rolle des eigentlich im Wachkoma liegenden Film-Sohnes Stephen Portman mit einer gewissen; man nenne es Vehemenz – unter hinterlässt damit einen intensiveren Eindruck als alle anderen Beteiligten des Films zusammen.

Allerdings keinen, der sich nachhaltig festsetzen würde – wofür sich aber vornehmlich nicht die Darsteller, sondern das grundsätzlich reichlich spröde, uninspirierte und einstweilen auch schlicht sinnlose Drehbuch verantwortlich zeichnet. Sicher, Filme die ausnahmsweise mal nicht auf einer entsprechenden Buchvorlage basieren und somit perfekt auf das Medium Film zugeschnitten werden könnten; sind immer öfter eine Seltenheit – und haben im besten Falls das Zeug dazu, für einen angenehm frischen Wind zu sorgen. Wenn, ja wenn denn das nötige Fingerspitzengefühl und vor allem auch einige guten Ideen vorhanden sind – was bei SHUT IN offensichtlich kaum der Fall war. Somit ist der eher lauwarme, sich dezent in die Länge ziehende; ja schlicht ärgerlich typische Auftakt des Films auch erst der Anfang der Misere – wobei man gar nicht erst anfangen sollte, gewisse Dinge zu hinterfragen (beispielsweise wie der junge Tom zur und in die Garage von Mary kommt). Richtig übel wird es schließlich erst wenn SHUT IN seinen großen Twist, oder so gesehen auch seinen eigentlichen Höhepunkt präsentiert. Immerhin: langweiliger wird er dadurch nicht – dafür aber umso abstruser und unglaubwürdiger. Dabei spielt es übrigens auch keine Rolle, ob man als Zuschauer bereits entsprechende Vorahnungen hegt oder wirklich vom Film überrascht wird. Denn: die Mühe, die speziell in Bezug auf die Atmosphäre von SHUT IN investiert wurde; war und ist schlicht zu gering.

So gering, dass sich neben der sich deutlich zu hanebüchen anfühlenden Story auch keine nennenswerte Spannung ergibt und erst Recht keine Empathie für die Charaktere entsteht. Selbst wer auf einzelne Gänsehaut-Momente aus ist, wird eher enttäuscht – bis auf ein paar klischeehaft inszenierte, altbekannte Jumpscares gibt es einfach nichts zu holen. Insgesamt betrachtet ist SHUT IN eine echte Enttäuschung – zumindest, wenn man sich doch noch etwas mehr erhofft als einen weiteren absolut typischen Horrorfilm der Marke Hollywood zu entdecken. Da können auch Naomi Watts, Charlie Heaton und Jacob Tremblay nichts daran ändern – die in einem anderen Film ein wirklich starkes Charakter-Trio hätten ergeben können. Eventuell, und mit dem bereits erwähnten; unbedingt nötigen Fingerspitzengefühl…

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„Ein Film so platt, konstruiert und austauschbar wie eine Schablone.“

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