Metal-CD-Review: VICTORIUS – Dreamchaser (2014)

Alben-Titel: Dreamchaser
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sonic Attack Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Patrick Ziege – Drums
Sebastian Rasch – Guitars

Track-Liste:

1. Twilight Skies (05:03)
2. Day of Reckoning (04:48)
3. Dragonheart (04:45)
4. Fireangel (04:35)
5. Dreamchaser (03:33)
6. Battalions of the Holy Cross (03:57)
7. Blood Alliance (04:24)
8. Speedracer (03:37)
9. Where Ravens Fly (05:19)
10. Black and White (04:07)
11. Silent Symphony (04:56)

Gut Ding will Weile haben… eigentlich.

VICTORIUS sind eine bereits im Jahre 2004 gegründete Power Metal-Combo aus dem Osten Deutschlands, die sowohl ihre erste kurze Demo als auch ihr Debütalbum UNLEASH THE TITANS (siehe Review) noch in kompletter Eigenregie veröffentlichten. Eben jenes Debütalbum war es aber auch, welches nur einen höchst gemischten Eindruck hinterlassen konnte – VICTORIUS waren noch weit davon entfernt, ihr Potential voll auszuschöpfen. Mit dem zweiten Album THE AWAKENING (Review) sowie der analogen Label-Aufnahme bei Sonic Attack Records aber schien die Band plötzlich markant aufzublühen, war so gesehen kaum wiederzuerkennen – sodass sie sich endlich in die Herzen zahlreicher Power Metal-Fans spielen konnte. Etwas ungewöhnlich, mindestens aber gewagt war wiederum der Schritt; nicht einmal zwei Jahre darauf schon den Nachfolger DREAMCHASER ins Rennen zu schicken. Und tatsächlich: das unter Umständen als konsequent zu betrachtende Album mag die Karriere der Band sowie ihre angepeilte Spielart weiter gefestigt haben – markierte insgesamt betrachtet aber wieder einen kleinen Rückschritt im Werdegang und der Diskografie von VICTORIUS.

Mit ein Grund dafür ist, dass die 11 enthaltenen Titel kaum eine ähnlich überraschende und überzeugende Wirkung entfalten können wie das auf THE AWAKENING enthaltene Material – aber auch, dass sich VICTORIUS offenbar schon etwas zu früh zurückgelehnt und eher auf eine sichere Nummer gesetzt hatten. Das Ergebnis fiel entsprechend ernüchternd aus: mit den insgesamt 11 auf DREAMCHASER enthaltenen Titeln ließ und lässt sich schlicht kein Blumentopf gewinnen. Eventuell mit Ausnahme der zur Schau gestellten handwerklichen Leistungen, sowie der abermals recht überzeugenden Abmischungs- und Produktionsarbeit; die das noch recht rohe und raubeinige Werkeln des Debütalbums endgültig vergessen lassen. Doch gerade in Bezug auf die Effektivität des Songwritings, die Herausarbeitung etwaiger Alleinstellungsmerkmale und die letztendlich erzielte Gesamtwirkung sieht es vergleichsweise düster aus. Anders gesagt: DREAMCHASER präsentiert einen absolut Genre-typischen, leicht zu verwechselnden Power Metal mit vielen austauschbaren Momenten.

Da hilft es auch nicht viel, dass sich VICTORIUS in handwerklicher Hinsicht weiterentwickelt hatten und das Album zumindest aus einer eher oberflächlichen Warte heraus gut klingt. Mehrere, aufgrund der vergleichsweise einfachen Struktur des Albums eigentlich nicht nötige Durchläufe zeigen dann aber vor allem eines: ein wirklich nennenswerter Effekt ergibt sich nicht. Stellvertretend dafür steht schließlich schon der gesamte Alben-Auftakt Pate: Nummern wie TWILIGHT SKIES, DAY OF RECKONING, DRAGONHEART oder FIREANGEL wechseln sich mit ihren angepeilten Geschwindigkeiten vorhersehbar ab, bleiben relativ harmlos, klingen verdächtig unspektakulär – und entsprechen mitunter den übelsten, zumindest in dieser expliziten Form eher zu vermeidenden Genre-Klischees. Es sei denn natürlich, man nimmt sich selbst nicht allzu ernst – doch das schien und scheint bei VICTOIUS durchaus der Fall zu sein. Immerhin: gegen Mitte des Albums, respektive ab BATALLIONS OF THE HOLY CROSS wird es wieder etwas interessanter. Und: die Leistung, oder eher die im Vergleich zum Debütalbum leistungsspezifische Wandlung von Leadsänger David Baßin ist nach wie vor beeindruckend.

Doch schlussendlich wird aus DREAMCHASER nicht viel mehr als ein relativ müde wirkender Abklatsch einiger BLOODBOUND-Alben, vermengt mit einigen hie und da eingesetzten Tempo-Schüben a’la CELLADOR oder DRAGONFORCE – und ganz und gar kläglichen balladesken Ambitionen wie in SILENT SYMPHONY. Was auch immer geschehen war – VICTORIUS klingen auf ihrem dritten Studioalbum viel zu generisch, austauschbar, emotionslos; kurzum: schlicht zu simpel und oberflächlich. Dank der akzeptablen handwerklichen Leistungen und des insgesamt knackigen Sounds waren und sind sie dabei noch immer vom Status ihres Debütalbums entfernt – doch mit dem überraschend guten THE AWAKENING hat das Ganze ebenfalls nicht viel am Hut.

Absolute Anspieltipps: BATALLIONS OF THE HOLY CROSS, BLOOD ALLIANCE, WHERE RAVENS FLY


„Viel mehr Berg- und Talfahrt geht eigentlich nicht.“

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Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: VICTORIUS – Dreamchaser (2014)

  1. Nach viel zu langer Zeit auch mal wieder was von mir ^^

    Twilight Skies: Um ehrlich zu sein nichts wirklich besonderes, aber irgendwie macht es trotzdem Laune zu hören und ist meiner Meinung nach ein guter Opener, der trotz der Länge von fünf Minuten nicht langweilig wird.

    Day of Reckoning: Extrem catchy, ich hab mich schon des öfteren beim Mitsingen ertappt, trotz des – verhältnismäßig – langsameren Tempos und der erneut überdurchschnittlichen Länge kann ich mir dieses Lied auch durchaus zwei-oder drei mal in Folge anhören, ohne, dass es langweilig wird.

    Dragonheart: Nicht unbedingt schlecht, aber irgendwie fehlt etwas, das es von anderen Liedern abhebt, im Endeffekt ganz nett, die Melodie sehr gut, aber ansonsten eher Durchschnitt.

    Fireangel: Für mich die erste Enttäuschung des Albums. Die Melodie am Anfang klingt interessant, aber dann driftet es in das typische „Balladen-vocal-auf-schneller-Melodie“ ab, ohne wirklich im Gedächtnis zu bleiben.

    Dreamchaser: Gleiche Art von Lied wie Fireangel, jedoch bedeutend besser umgesetzt – abgesehen vom Namen trotzdem nicht wirklich als Titelsong für ein Album geeignet

    Battalions of the Holy Cross: Simple, aber eingängige Melodie, sinvolle Lyrics und vier Minuten lang – was will man mehr? Hier wurde meiner Meinung nach alles richtig gemacht, den kann ich mir stundenlang geben

    Blood Alliance: Im Prinzip das Gleiche wie schon zuvor bei Battalions of the Holy cross, nur wurde es hier noch besser umgesetzt – es ist mir kaum möglich, nicht laut mitzusingen

    Speedracer: An Dragonforce erinnernd, Name ist Programm – Objektiv betrachtet vermutlich nicht wirklich besonders, aber Hörspaß ist definitiv gegeben, was anderes will ich von Liedern dieser Art auch nicht ^^

    Where Ravens Fly: Das ziemliche Gegenteil von Speedracer, bei gleichem Hörspaß: Statt simplen Lyrics, und Gitarrenlastigkeit, sind sinnvoller Text und ein starker Fokus auf die Drums angesagt – das Ergebnis überzeugt mich voll.

    Black and White: An sich nichts besonderes, aber die Lyrics reißen es für mich dann im Endeffekt raus, dass ich dieses Lied doch ganz gerne hör

    Silent Symphony: Als jemand, der mit den wenigsten Balladen irgendwas am Hut hat, fand ich es überraschend gut – ich hätte es jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber es ist trotzdem ein netter Zusatz

    Lucid Dreams: Etwas experimentell anmutend – deshalb vermutlich auch ein Bonustrack – aber nichtsdestotrotz ein gelungenes Lied mit leicht epischem Refrain. Es wird vermutlich keine zwei glewichen Meinungen über dieses Lied geben, aber ich persönlich sehe es als eins der besten des Albums an.

    Gesamtwertung: Objektiv betrachtet irgendwo um den Dreh 6,0 rum, aber durch das fehlen eines so schwachen Lieds, dass ich es jedes mal überspringen will und der generellen „Catchyness“ hebt sich die Wertung auf eine solide 7.0, einfach weil es mir trotz allem immer wieder Spaß macht, dieses Album nebenher zu hören, wenn ich zocke – oder irgendeinen ellenlangen Kommentar verfasse ;D

    Persönliche Favoriten: Twilight Skies, Day of Reckoning, Battalions of the Holy Cross, Blood Alliance, Speedracer, Where Ravens fly, Lucid Dreams (ja, das sind selbst für meine Verhältnisse viele)

    Gefällt 1 Person

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