Metal-CD-Review: ICEWIND – Again Came The Storm (2010)

Alben-Titel: Again Came The Storm
Künstler / Band: Icewind (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. November 2010
Land: Kanada
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metalodic Records

Alben-Lineup:

Gabriel Langelier – Vocals
Phil – Keyboards
Jay Menard – Guitars
Vinni Poliquin – Guitars
Mitch Mission – Bass
Alex Dubé – Drums

Track-Liste:

1. Signs of Temptation (04:53)
2. Blood Stained History (03:54)
3. My Glorious Burden (04:24)
4. My Own Tragedy (04:13)
5. The Last March (We’ll Meet Again) (07:10)
6. The Happening (04:16)
7. As Fool We Dance (05:49)
8. Hymn for a Brighter Dawn (04:17)
9. Oh Winter Morning (05:05)
10. Again Came the Storm (07:55)

Ein eiskalter Sturm, so mächtig wie der erste ?

Nachdem sich die Power Metaller von ICEWIND schon auf ihrem Debütalbum ALL IS DUST (siehe Review) von einer überraschend überzeugenden Seite zeigten, sollte es 2010 an der Zeit sein für den zweiten großen Rundumschlag aus Kanada. So wurde das 10 Titel starke, dieses Mal über Metalodic Records erschienene AGAIN CAME THE STORM ins Rennen geschickt – welches gleichzeitig das bis heute letzte Album der Band markiert. Etwas haben ICEWIND also schon einmal mit anderen vergleichsweise hochkarätigen Genre-Acts aus Kanada (wie etwa INSTANZIA) gemein: trotz der vielversprechenden Ersteindrücke und der hervorragenden Qualität des tatsächlich abgelieferten Materials sollten jene Bands nie so richtig durchstarten – und das mit der oft unausweichlichen Folge, dass die sie irgendwann im Nichts verschwinden. Oder schlimmer noch: gleich komplett aufgelöst werden. Das ist natürlich schade, auch oder gerade im Fall von ICEWIND. Schließlich musste und muss sich auch deren Zweitwerk AGAIN CAME THE STORM nicht allzu sehr hinter seinem schier genialen Vorgänger oder anderen Genre-Releases aus Übersee verstecken.

Denn: auch dieses Mal galt es für die Konkurrenz, sich warm anzuziehen – insbessondere die aus Finnland, zu der ICEWIND den nach wie vor größten Bezug hatten. Im Gegensatz zum Vorgänger und den anzuberaumenden Parallelen zu STRATOVARIUS und CELESTY aber offenbart AGAIN THE STORM eher eine Nähe zu Bands wie SONATA ARCTICA – was bereits einen dezenten Hinweis darauf geben könnte, dass sich Sound-technisch einiges getan hatte im Hause ICEWIND. Und tatsächlich: während die handwerklichen Leistungen nach wie vor über viele Zweifel erhaben waren, einige Alleinstellungsmerkmale (wie etwa der prägnante Einsatz eines Pianos) vom Vorgänger übernommen wurden und sich die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität sogar maßgeblich verbessert hatte; setzten ICEWIND neuerdings auf einen wesentlich erdigeren, druckvolleren Sound. Anders gesagt: der eher raue und ungestüme, durch die wuchtig-apokalyptischen Chöre und die dichte Atmosphäre gekennzeichnete Sound von ALL IS DUST wurde weitestgehend durch einige neue, nicht mehr wirklich überraschende Strömungen ersetzt. Das hat einige Vorteile, die sich vor allem auf den wesentlich ausgewogeneren Gesamteindruck beziehen lassen – führt aber auch dazu, dass ICEWIND dieses Mal nicht ohne einige mehr oder weniger erhebliche Schrammen davonkommen.

Denn: gerade der Auftakt des Albums fühlt sich hie und da etwas zu harmlos, ja wenn nicht gar weichgespült an – woran auch das recht häufig eingesetzt Piano nicht ganz unbeteiligt ist. Zumindest im Gegensatz zum Eindruck des vergleichsweise furios vorgehenden, einige Grenzen sprengenden Vorgängers – und trotz der großen Stilsicherheit der einzelnen Mitglieder, insbesondere der beiden Gitarristen und des endlich deutlich besser in Szene gesetzten Bassisten. Das Gefühl, dass es ICEWIND dieses Mal weit mehr potentiellen Hörern recht machen wollten als zuvor; lässt sich jedenfalls nicht gänzlich von der Hand weisen. Allzu fatale Auswirkungen hat das zwar nicht, zumal sich insbesondere der Leadsänger Gabriel Langelier von einer unglaublich virtuosen Seite zeigt und so auch der neuen Ausrichtung von ICEWIND die nötige Glaubwürdigkeit verleiht – und doch hinterlassen gerade Nummern wie THE HAPPENING oder AS FOOLS WE DANCE einen leicht faden Beigeschmack. Schlussendlich: insgesamt betrachtet handelt sich noch immer um ein lohnenswertes Genre-Album mit dem gewissen Etwas. Ein Album, das paradoxerweise noch besser funktioniert; wenn man es eben nicht als ICEWIND-Album betrachtet – und den Vorgänger entsprechend ausklammert.

Absolute Anspieltipps: BLOOD STAINED HISTORY, MY GLORIOUS BURDEN, OH WINTER MORNING, AGAIN CAME THE STORM


„Ein gutes Genre-Album, aber: der Vorgänger war besser.“

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