Metal-CD-Review: ICEWIND – All Is Dust (2006)

Alben-Titel: All Is Dust
Künstler / Band: Icewind (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. April 2006
Land: Kanada
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steelheart Records

Alben-Lineup:

Gabriel Langelier – Vocals
Steve Gemme – Keyboards
Jay Menard – Guitars
Vinni Poliquin – Guitars
Dan Dupuis – Bass
Alex Dubé – Drums

Track-Liste:

1. A Breeze of Hope (01:32)
2. Winter Heaven (04:22)
3. Walking Alone (05:11)
4. Follow the Wind (04:56)
5. All Is Dust (07:29)
6. Washed Away (06:38)
7. No Other Way (04:56)
8. Inner Storm (07:09)
9. Premonitions (01:36)
10. Trapped in a Dream (06:20)

Von eisigen Winden und zu Staub zerfallenden Träumen.

Aufgrund diverser Erfahrungswerte sollte man eigentlich meinen, dass eine Band mit dem Namen ICEWIND nur aus dem hohen Norden Europas stammen kann. Insbesondere natürlich dann, wenn sie sich der Spielart des Power Metals verschrieben hat; und von ihrem Stil her durchaus mit Finnischen Genre-Größen a’la STRATOVARIUS oder CELESTY vergleichbar ist. Die auch sonst einen recht klassisch-europäischen Eindruck machenden ICEWIND jedoch stammen aller Erwartungen zum Trotz aus Kanada – und haben eine gleichermaßen kurze wie interessante Diskografie in Petto. Schließlich stand die bereits im Jahre 2002 gegründete Combo schon kurz nach ihrer vielversprechenden ersten Demo INNER STORM (2004) vor einigen Schwierigkeiten und Label-Problemen – sodass das vorliegende Debütalbum ALL IS DUST eventuell an einigen vorbeigegangen sein könnte.

Gerade das wäre jedoch relativ fatal – und das nicht nur, da ICEWIND ein hochkarätiges kanadisches Pendant zu den bereits genannten Vergleichsbands ist. Oder eher war, betrachtet man den aktuellen Status der Band – wobei man die Hoffnung wohl noch nicht ganz begraben sollte. Nein, ICEWIND konnten auf ihrem Debütalbum auch ganz unabhängig von etwaigen Vergleichen überzeugen – und das in mehrerlei Hinsicht. So wirkt ALL IS DUST nicht nur wie ein gelungenes Konglomerat verschiedenster Genre-Einflüsse aus Europa und teilweise auch den USA, wobei vor allem die Lyrics und die relative inhaltliche Tiefe dezent an das Schaffen von KAMELOT erinnern könnten. Immerhin hatten es ICEWIND schon auf ihrem Debütalbum geschafft, sowohl eine enorm dichte Atmosphäre zu etablieren als auch für diverse Alleinstellungsmerkmale zu sorgen – was sicher nicht jedem aufstrebenden Genre-Künstler direkt gelingt.

Anders gesagt: auch wenn der Sound von ALL IS DUST einstweilen an den diverser europäischer Genre-Vertreter erinnert, waren ICEWIND keineswegs auf eine bloße Kopie oder Nachahmung aus. Und gerade das merkt man den hervorragend inszenierten Nummern auch zu jedem Zeitpunkt an. Das Songwriting ist durchgehend stark, die Leistungen an den Instrumenten tadellos, der Leadgesang von Gabriel Langelier überaus angenehm und variabel. Genre-Fans sollte es überdies freuen, dass ALL IS DUST zu nicht unerheblichen Teilen von seinem schroffen Gitarrensound inklusive einiger eher extravaganter Soli lebt – und auch diesbezüglich sieht es sehr gut aus. Dass auch die hie und da anberaumten Chöre schön wuchtig und im Sinne des Kontextes apokalyptisch klingen (wie etwa in INNER STORM) macht die Sache schier perfekt, und verleiht den Kompositionen eine zusätzliche Dimension. Selbst das vom Keyboarder der Band bediente Piano fügt sich überraschenderweise nahtlos in die Kompositionen ein – wie etwa im hymnischen FOLLOW THE WIND oder dem flotten NO OTHER WAY.

Ein oder zwei Kleinigkeiten, die man hätte anders lösen können gibt es dann aber doch – womit indes nicht das Intro oder das kurze Zwischenspiel PREMONITIONS gemeint sind; die als Stimmungsmacher und Lückenfüller mehr als ordentlich daherkommen. Am ehesten hat ALL IS DUST mit kleineren Problemen hinsichtlich der Abmischung und Produktion zu kämpfen, die sich in einem nicht unbedingt als erdig zu bezeichnenden Gesamteindruck widerspiegeln. Analog zu diesem ein wenig an eine ungeschliffene Demo erinnernden Sound können so insbesondere das Drumming und der recht häufige Einsatz des Keyboards (sowie des Pianos) auch mal einen dezent künstlichen Eindruck entstehen lassen. Glücklicherweise aber nicht in einem solchen Maße, dass es den Hörgenuss maßgeblich trüben würde. Und überhaupt, die Stärken des Albums machen vieles wieder wett. Denn wenn selbst eine Ballade wie WASHED AWAY zündet, wird klar: ICEWIND sind oder waren alles andere als eine Alltagserscheinung.

Absolute Anspieltipps: WINTER HEAVEN, WALKING ALONE, FOLLOW THE WIND, INNER STORM, TRAPPED IN A DREAM


„Da können sich so manche Europäer noch eine Scheibe von abschneiden.“

Aufgrund der hohen Wertung hat sich dieses Album einen Platz in der ewigen Metal-Bestenliste erkämpft.

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