Metal-CD-Review: ALESTORM – No Grave But The Sea (2017)

Alben-Titel: No Grave But The Sea
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Mai 2017
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Christopher Bowes – Keyboards, Vocals
Gareth Murdock – Bass
Peter Alcorn – Drums
Elliot Vernon – Keyboards
Máté Bodor – Guitars

Track-Liste:

1. No Grave but the Sea (03:30)
2. Mexico (03:10)
3. To the End of the World (06:43)
4. Alestorm (03:56)
5. Bar ünd Imbiss (04:11)
6. Fucked with an Anchor (03:27)
7. Pegleg Potion (03:54)
8. Man the Pumps (05:51)
9. Rage of the Pentahook (03:07)
10. Treasure Island (07:48)

Johoho, und n‘ Esel in Mexiko.

Nachdem sie die Werbetrommel schon kräftig gerührt hatten, ist es nun endlich da – NO GRAVE BUT THE SEA, das mittlerweile sechste Studioalbum der schon 2004 als BATTLEHEART gegründeten Power Metaller von ALESTORM. Oder sollte man eher sagen, der Pirate Metaller ? Schließlich waren die Schotten schon früh darauf bedacht, mehr oder weniger dezent aus der Masse an Genre-Bands hervorzustechen und ihren (ur-)eigenen Stil zu entwickeln. Zwar gibt es noch eine handvoll anderer Bands, die man in irgendeiner Form mit abenteuerlichen Seefahrer-Geschichten, rauen Männergesängen und launigen Metal-Instrumentierungen inklusive eines leichten Folk-Einschlags verbinden könnte – doch letztendlich fahren ALESTORM wohl die konsequenteste aller diesbezüglichen Schienen. Und das hat sich durchaus auch ausgezahlt: seit dem offiziellen Debütalbum CAPTAIN MORGAN’S REVENGE aus dem Jahre 2008 (siehe Review) wächst die Fangemeinde der Schotten beständig, sodass nicht nur ihre Musik eine breite Abnahme findet – sondern auch ihre Tourneen entsprechend erfolgreich sind.

Und auch wenn sie für einige böse Zungen nicht mehr als die SANTIANO’s des Power Metal sein mögen, scheint eines doch festzustehen: auf ihren Alben konnten sie nicht nur mit ihrem Image und dem damit einhergehenden Spaßfaktor punkten, sondern auch in rein musikalischer Hinsicht. Dabei ist es vornehmlich das 2011 erschienene BACK THROUGH TIME (Review), dass den bisherigen Höhepunkt der hiesigen Karriere markiert – so spaßig, aber eben auch ausgewogen klang noch kein ALESTORM-Album. Eine entsprechend spannende Angelegenheit ist die Frage nach dem Abschneiden des neu erschienenen NO GRAVE BUT THE SEA – welches 10 Titel beinhaltet und mit knapp 45 Minuten ALESTORM-Material der typisch-raubeinigen Art ausgestattet ist. Zwei Dinge sind dabei relativ schnell festzustellen: ALESTORM haben sich nicht großartig respektive nennenswert verändert. Anders gesagt: man erkennt und hört sofort wer hier am werkeln ist. Allein der unverkennbare Einsatz der Folk-Elemente, die Songstrukturen an sich und natürlich der Leadgesang von Christopher Bowes geben hier die entsprechend ausschlaggebenden Hinweise.

Die zweite Feststellung bezieht sich auf die Tatsache, dass es ALESTORM hie und da doch noch darauf anlegen, einige neue Soundeindrücke einzustreuen – wie etwa im bereits als Single veröffentlichten ALESTORM, das ausnahmsweise mal mit einem deutlich aggressiveren Gesangspart ausgestattet ist. Das ist ungewohnt und für manche eventuell etwas zu viel des Guten – doch die potentielle Crux des Albums liegt ohnehin in einem anderen, auch genau so erwarteten Bereich begraben. Denn: gerade in Bezug auf ihr Songwriting und die teils auffällig platt inszenierten Inhalte werden ALESTORM abermals die Geister scheiden. Sicher, bei ALESTORM stehen der allgemeine Spaßfaktor und die sich auf den Hörer übertragende Spielfreude der Mitglieder an erster Stelle – und der handwerkliche Part lässt wie schon auf den vorherigen Alben auf die nötige Erfahrung und Professionalität schließen. Doch während es auf eben jenen Vorgängern immer wieder Ausreißer gab die ein wenig Abstand von den allgemeinen Blödeleien nahmen – und gerade so für einen erfrischenden Eindruck sorgten, wie zuletzt auf BACK THROUGH TIME – scheint man es auf NO GRAVE BUT THE SEA doch eher in eine ganz bestimmte Richtung zu übertreiben.

So fällt es einstweilen schwer zu entscheiden, welche der vertretenen Titel wirklich Spaß machen – und welche selbst für ALESTORM-Verhältnisse deutlich zu simpel gehalten oder aber mit Textinhalten ausgestattet sind, für die man sich und seinen Körper erst in gewisse Stimmungen versetzten muss. Und das bis zu einem Level, das zumindest im Alltag kaum zu erreichen ist. Chancen auf die diesbezügliche Krone haben immerhin einige – wie auch das witzige, letztendlich aber recht stupide und erschreckend einfach gehaltene MEXICO; das in den Strophen etwas zu aggressive, im Refrain dafür schier einschläfernde ALESTORM; oder aber das einfach nur peinliche FUCKED WITH AN ANCHOR. In einer handvoll anderer Titel sind dann zwar keine vergleichbaren Eskapaden zu erwarten – doch speziell Nummern wie MAN THE PUMPS fehlt einfach das gewisse Etwas. Immerhin: mit allen Titeln die bis jetzt noch nicht genannt worden, verhält es sich etwas spannender. Das feucht-fröhliche Dreigespann aus BAR ÜND IMBISS, PEGLEG POTION und RAGE OF THE PENTAHOOK markiert zwar keine musikalische Meisterleistung – macht aber schlicht einen Heidenspaß, und weist dezent darauf hin wie mitreißend ALESTORM eigentlich klingen können.

Am interessantesten sind dann aber wohl die Nummern, die sich etwas mächtiger und wuchtiger anfühlen – wie etwa der Opener NO GRAVE BUT THE SEA, das kräftige TO THE END OF THE WORLD; und zuletzt das wandelbare TREASURE ISLAND. Hier fahren ALESTORM noch einmal alles auf, und zeigen auch dass sie handwerklich einiges drauf haben – zumindest weit mehr, als es für einige der anderen Nummern nötig gewesen wäre. Das Album bietet so tatsächlich eine gewisse Form der Ausgewogenheit – oder eher drei unterschiedliche Song-Kategorien. Eine handvoll Nummern hätte man sich komplett schenken können oder sollten, eine handvoll macht einen Heidenspaß – und eine handvoll begeistert auch aus einer etwas anspruchsvolleren Warte heraus. Es gilt, sich das beste herauszupicken…

Absolute Anspieltipps: NO GRAVE BUT THE SEA, TO THE END OF THE WORLD, PEGLEG POTION, TREASURE ISLAND


„Insgesamt betrachtet handelt es sich um eine eher ernüchternde Angelegenheit – aber ein wirklich schlechtes ALESTORM-Album klingt anders.“

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