Filmkritik: „Alien: Covenant“ (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Mit: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Horror
Tags: Prometheus | Alien | Sequel | Weltraum | Isolation

Mit diesen Aliens ist nicht gut Kirschen essen.

Kurzinhalt: Eigentlich befindet sich das Forschungs- und Kolonisationsraumschiff COVENANT auf dem Weg zu einem weit entfernten Sternensystem. Ein Zwischenfall jedoch sorgt dafür, dass die Crew aus dem Kälteschlaf erwacht – und kurz darauf ein mysteriöses Notrufsignal empfängt. Da sie eine menschliche Quelle vermuten, beschließen sie der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich könnten sie dabei auch einen bisher durch das Suchraster gefallenen Planten finden, auf dem die Menschheit fortan leben könnte – und sich die eigentlich geplante, noch einige Jahre währende Reise sparen. Auf dem Planten jedoch erwartet die Crew vor allem eines: eine verdächtige Stille, und ein damit einhergehendes ungutes Gefühl. Weiterhin scheinen sich einige Mitglieder mit einer Art Virus zu infizieren – woraufhin die Katastrophe ihren Lauf nimmt…

Kritik: Es war einmal im Jahre 2012, als ein gewisser Ridley Scott den auf die ursprüngliche ALIEN-Filmreihe aufbauenden Science Fictioner PROMETHEUS (siehe Review) auf die Leinwände brachte – und die sich rund um die furchteinflößenden Weltraum-Monster scharende Fangemeinde regelrecht spaltete. Dabei ist dem Regisseur, der schon beim eigentlichen und mittlerweile legendären Auftakt der Reihe (ALIEN aus dem Jahre 1979, Review) maßgeblich beteiligt war; ein durchaus solider Genre-Film gelungen. Einer, der sich dabei weder vor seiner direkten Konkurrenz; noch hinter den nach Teil 2 der Reihe (ALIENS aus dem Jahre 1986, Review) folgenden Sequels verstecken musste. Schließlich konnten Teil 3 (Review) und 4 (Review) den alten Geschichten tatsächlich nichts bemerkenswertes mehr hinzufügen – und wiederholten vielmehr altbekanntes in neuen Umgebungen.

Gute 15 Jahre nach dem letzten ALIEN-Teil lag es somit allein an PROMETHEUS, für eine möglichst stimmige Wiederbelebung des Franchise zu sorgen – und das im besten Fall ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Und auch wenn einige das Gegenteil behaupten, scheint das Konzept von PROMETHEUS gerade in dieser Hinsicht aufgegangen zu sein – trotz der sicher nicht gänzlich von der Hand zu weisenden Gefahr einer Entmystifizierung des Franchise. Doch da man den Zuschauern endlich wieder mehr als einen weiteren typischen ALIEN-Teil offerieren wollte, schien ein eben solches Wagnis unbedingt notwendig. Tatsächlich aber ist es Ridley Scott hoch anzurechnen, dass er die Gefahr zu viele Erklärungen zu machen weitestgehend umschiffte – und so gesehen eigentlich nur Handlungselemente aufgriff, die schon in den früheren ALIEN-Teilen angedeutet wurden.

PROMETHEUS behandelte damit nicht weniger als den Ursprung der Alien-Rasse, griff scheinbar ganz nebenbei noch die Entstehungsgeschichte der Menschheit auf (wenn auch etwas plakativ und provokant) – und ließ noch mehr als genug Fragen offen. Solche, die das Filmerlebnis zwar weniger in Richtung des typischen ALIEN-Horrors ausfallen ließen – dafür aber eine umso größere Faszination für das gesamte ALIEN-Handlungsuniversum an sich entfachen konnten. Entsprechend heiß erwartet wurde somit auch der zweite Teil des wiederbelebten Franchise, der interessanterweise nicht auf den Titel PROMETHEUS 2 horcht. Doch viel wichtiger ist das ist ohnehin die Frage, ob es ALIEN: COVENANT tatsächlich schafft die angenehme Marschrichtung seines Vorgängers beizubehalten – und auch davon abgesehen ein guter Science Fiction-Film ist.

Unglücklicherweise weicht die zu Anfang gehegte Hoffnung und die Lust auf ein gutes Sequel aber schnell einer eher ernüchternden Feststellung: ALIEN: COVENANT legt schon zu Beginn ein auffällig langatmiges Tempo vor, führt eine nicht gerade markante Charakterkonstellation ein – und scheint auch sonst ein relativ ideenarmer, unspektakulärer, ja wenn nicht gar seelenloser Science Fictioner zu sein. Gründe dafür gibt es einige, wovon sich einer besonders markant auswirkt: grundsätzlich gibt es so gut wie überhaupt keinen Fortschritt in der übergeordneten Handlung, und somit auch keine spektakulären Enthüllungen oder Andeutungen wie noch in PROMETHEUS. Eben solche, die nicht unbedingt zum Nachdenken; aber doch zu einem tieferen Eintauchen in das hiesige ALIEN-Universum einladen. Eher ist das Gegenteil der Fall: vor allem alteingesessenen ALIEN-Fans werden viele der in ALIEN: COVENANT anberaumten Elemente verdächtig bekannt vorkommen.

Dabei bleibt es fraglich, was genau sich bei Ridley Scott und den anderen Verantwortlichen abgespielt hat – denn mit einer derart enttäuschenden und sich bis ins kleinste Detail erstreckenden Misere vom Schlage eines ALIEN: COVENANT konnte wohl niemand rechnen. Sicher, grundsätzlich werden einige typische Elemente der Science Fiction bedient – in Bezug auf das Roboter-Duo David und Nathan sogar recht anschaulich und interessant, wenn auch mit der Gefahr ins dezent Lächerliche abzudriften. Einige recht ästhetische Weltraum-Aufnahmen, ein paar Kamerafahrten über fremde Planeten, eine Prise Creature-Horror und sogar einen waschechten interstellaren Genozid gibt es obendrauf – analog zu einem nicht spektakulären, aber doch grundsoliden technischen Part inklusive vieler annehmbarer CGI-Sequenzen.

Das Problem ist, dass viele dieser Elemente schon in Klassikern wie in Kubrick’s 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (Review) behandelt wurden; und das wesentlich effektiver – und ein Film mit einem ALIEN im Titel seine Stärken hauptsächlich in anderen Bereichen suchen sollte. Gerade das ist hier aber nicht geschehen: alles, was im Sinne der Filmreihe eher als Beiwerk betrachtet werden kann (die eben genannten Aspekte beispielsweise) fallen solide aus – doch der eigentliche Kern, die eigentliche Besonderheit des Franchise verpufft fast vollständig. Natürlich ist das ärgerlich, wobei man sich nie so ganz des Gefühls erwehren kann, als sei dies so gewollt – vielleicht wurde Scott absichtlich zurückgehalten, etwa um nicht zu viel vorwegzunehmen und möglichst viele weitere Sequels zu ermöglichen. Wenn dem so wäre, könnte man immerhin die inhaltliche Stagnation nachvollziehen – wohl aber nicht einige der weiteren begangenen Fehler.

Denn: es kommt wahrlich selten vor, auch heute noch auf eine derart klischeehafte gezeichnete und kontinuierlich stumpf agierende Charakter-Riege wie die von ALIEN: COVENANT zu stoßen. Und das ist sicher nicht auf das Schauspiel der beteiligten Darsteller zurückzuführen, welches insgesamt betrachtet akzeptabel ist – sondern auf mehr als nur eine handvoll falsch getroffener Entscheidungen. Zusammenfassend könnte man auch sagen: wenn das Schicksal der Menschheit in den Händen einer Crew wie dieser läge, könnte man sich auch gleich begraben. ALIEN: COVENANT wird damit gerade in den Momenten der zwischenmenschlichen Interaktion und dem schier stupiden Handeln der meisten Protagonisten zu einer waschechten, fast schon bemitleidenswerten Lachnummer.

Schlussendlich: ALIEN:COVENANT hat weit mehr von einem ermüdenden, stellenweise sogar unfreiwillig komischen denn von einem wirklich spannenden Sequel – wobei man sich dezent an die Wirkung des vierten ALIEN-Teils erinnert fühlen könnte. Damit steht er nicht nur in einem gleichermaßen krassen wie ärgerlichen Gegensatz zu seinem erfrischenden Vorgänger – er ist auch sonst ein absolut unspektakulärer Science Fictioner, der sich zu nicht mehr als zum Vergessen eignet. Sicher ist das schade, aber: irgendwie war es in Anbetracht des immer perfideren Remake- und Sequelwahns der Marke Hollywood auch zu erwarten. Lasst sie also kommen, die nächsten Teile…


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„Noch ist Platz nach unten, aber: mit ALIEN: COVENANT beschreitet Scott einen qualitativen Abstieg von erschreckenden Ausmaßen.“

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