Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Reaching Into Infinity (2017)

Alben-Titel: Reaching Into Infinity
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. Mai 2017
Land: Großbritannien
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMUSIC

Alben-Lineup:

Herman Li – Guitars
Sam Totman – Guitars
Vadim Pruzhanov – Keyboards
Frédéric Leclercq – Bass
Marc Hudson – Vocals
Gee Anzalone – Drums

Track-Liste:

1. Reaching into Infinity (01:25)
2. Ashes of the Dawn (04:33)
3. Judgement Day (06:13)
4. Astral Empire (05:24)
5. Curse of Darkness (05:35)
6. Silence (04:50)
7. Midnight Madness (06:21)
8. War! (05:19)
9. Land of Shattered Dreams (04:59)
10. The Edge of the World (11:03)
11. Our Final Stand (05:04)

Die Unendlichkeit ist zum Greifen nah.

Auch wenn man noch nicht genau weiß wie hochkarätig genau er letztendlich ausfallen wird – spannend ist der Metal-Monat Mai 2017 allemal. Nach einigen überraschend guten Neuerscheinungen wie etwa der OLD KINGS VISIONS-EP von VHÄLDEMAR (siehe Review) und dem wahrscheinlich besten bisherigen KALEDON-Album CARNAGUS: EMPEROR OF THE DARKNESS (Review) werden sich schließlich auch noch die Kollegen von RHAPSODY OF FIRE, ALESTORM und A HERO FOR THE WORLD zurückmelden. Mindestens eine weitere Band gibt es dann aber doch noch, die relativ markant aus der Aufstellung der Veröffentlichungen heraussticht – und das nicht nur, da sie zu den bekannteren und vielleicht auch umstritteneren gehört. In der Tat: die Briten von DRAGONFORCE sind zurück, und haben mit dem mächtig betitelten REACHING INTO INFINITY ihr mittlerweile siebtes Studioalbum im Gepäck.

Und wie es eben so ist, bleibt auch dieses Mal vieles beim alten. Oder besser gesagt: DRAGONFORCE setzen weiterhin auf ihre vor langer Zeit etablierten Trademarks, und verändern nur wenig an ihrem unverkennbaren Stil. Immerhin: eingeschworene Fans der Combo werden ihnen gerade das hoch anrechnen. Glücklicherweise aber erscheint die allgemeine DRAGONFORCE-Faszination nun auch aus einer etwas distanzierteren Sicht heraus greifbarer – zumindest greifbarer als im Vergleich zum 2014 erschienenen, etwas müden Vorgänger MAXIMUM OVERLOAD (Review). Mit REACHING INTO INFINITY indes holen DRAGONFORCE noch einmal zu einem allemal respektablen Rundumschlag aus – und überzeugen dabei vor allem mit einer allgemein höheren Durchschlagskraft und einem wirkungsvolleren Songwriting.

Selbiges scheint wohl auch gerade deshalb aufgegangen zu sein, da DRAGONFORCE ihrem jeweiligen Alben-Titel eigentlich so gut wie immer gerecht werden. Anders gesagt: wo INHUMAN RAMPAGE drauf steht ist auch INHUMAN RAMPAGE drin, wenn Begriffe wie MAXIMUM oder ULTRA fallen verhält es sich ganz ähnlich. Dazu kann man stehen wie man möchte, doch im Falle von REACHING FOR INFINITY kann sich dieses Rezept eigentlich nur positiv auswirken. Und tatsächlich: streckenweise ist es DRAGONFORCE gelungen, ihren Titeln wieder etwas mehr Melodie zu verleihen und vielleicht auch mit einer gewissen Eleganz auszustatten. Einer nach wie vor recht technischen, im schlimmsten Fall als klinisch zu bezeichnenden – doch das sollte die wenigsten stören. Denn: wer bisher noch keinen Gefallen an der Musik der Engländer gefunden hat, der wird wohl auch nicht mit REACHING INTO INFINITY bekehrt werden.

In jedem Fall ist es erfrischend zu sehen, dass es DRAGONFORCE dieses Mal nicht ganz so vehement darauf anlegen, ihre Nummern mit etwaigen absichtlich überakzentuierten Elementen zuzupflastern und sogar waschechte Verschnaufpausen – wie etwa das für die Band verhältnismäßig ruhige SILENCE – einstreuen. Doch natürlich gehören markante Temposchübe nach wie vor zum unbedingten Repertoire der Engländer – was im Falle von REACHING INTO INFINITY oftmals exakt so erwartete, aber auch mal überraschend wirksame Konsequenzen nach sich zieht. Uptempo-Nummern vom Schlage eines ASTRAL EMPIRE oder LAND OF SHATTERED DREAMS etwa können problemlos als typische DRAGONFIRCE-Nummern bezeichnet werden, während man es in WAR! etwas aggressiver angehen lässt – sich aber ebenfalls nicht allzu weit von ursprünglichen Konzept entfernt.

Positiv hervorstechend sind dann aber ausgerechnet jene Nummern, die für DRAGONFORCE ebenfalls alles andere als neu sind – dafür aber eine ungeahnte Kraft entwickeln. Vornehmlich wären hier das mit einigen sicher nicht jedermann gefallenden Spielereien ausgestattete JUDGEMENT DAY, oder aber das ganz ähnlich gehaltene MIDNIGHT MADNESS zu nennen. Beiden Titeln gemein ist dabei nicht nur das hohe Tempo und die relative Hymnen-Tauglichkeit – auch im kleineren, das heißt etwa in Bezug auf die hervorragenden Hintergrundchöre; stimmt hier vieles. Spannend wird es auch in Nummern wie CURSE OF DARKNESS, in der ein etwas ausgewogeneres Tempo vorlegt wird. Das 11-minütigen Opus THE EDGE OF THE WORLD indes löst höchst gemischte Gefühle aus. Einerseits erscheint es sinnig, dass DRAGONFORCE bestrebt sind nicht allzu einseitig zu klingen. Anderseits aber sorgt die Vermengung von harmlos-balladesken, trashig angehauchten und sogar dem Death Metal zuzuordnenden Elementen für einen etwas unstimmigen Gesamteindruck – sodass DRAGONFORCE solche Experimente vielleicht doch eher anderen Bands überlassen sollten.

Schlussendlich: mit REACHING FOR INFINITY haben DRAGONFORCE vieles richtig gemacht. Die vertreten Nummern sind insgesamt wieder deutlich vielschichtiger und abwechslungsreicher, haben damit auch einen höheren Wiedererkennungswert – und lassen vor allem in Bezug auf die erbrachten handwerklichen Leistungen keine Wünsche offen. Somit bleibt es eigentlich nur noch abzuwägen, ob man den Ambitionen von DRAGONFORCE generell eine Chance geben möchte – oder sich doch lieber einer eher klassischen Auslegung des Genres widmen möchte. Alternativen gibt es bekanntlich genug.

Absolute Anspieltipps: ASHES OF THE DAWN, JUDGEMENT DAY, MIDNIGHT MADNESS


„Ein handwerklich überzeugendes, höchst unterhaltsames DRAGONFORCE-Album.“

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2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Reaching Into Infinity (2017)

    1. Ja, lass es mich wissen ! 🙂

      Bin nun selbst nicht der größte DRAGONFORCE-Fan, habe aber wie immer versucht möglichst objektiv zu bleiben… und besser als der Vorgänger war das Ganze allemal.

      Gefällt mir

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