Filmkritik: „Split“ (2017)

Originaltitel: Split
Regie: M. Night Shyamalan
Mit: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Horror
Tags: Identität | Schizophrenie | Persönlichkeit | Gespalten | Kampf

Guck mal wer da spricht… oder lauf am besten weit, weit weg.

Kurzinhalt: Eines Tages, als die junge Casey (Anya Taylor-Joy) und ihre beiden Freundinnen Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) gerade von einer Einkaufstour zu ihrem Auto zurückkehren; taucht plötzlich ein unbekannter Mann (James McAvoy) auf. Nachdem er die einzige andere männliche Person in der Nähe betäubt hat, setzt er sich plötzlich zu den drei Mädchen ins Fahrzeug – und betäubt auch diese. Als die drei in einem kleinen und offenbar gut gesicherten Raum wieder zu sich kommen, scheint ihre Lage recht ausweglos – zumal sie bald darauf ihren Peiniger kennenlernen. Der stellt sich den dreien kurzerhand als Kevin vor, stellt erste aggressiv durchgesetzte Forderungen – und legt im weiteren Verlauf ein zunehmend merkwürdig erscheinendes Verhalten an den Tag. Eines, das weit über das zu erwartende Verhalten eines typischen Kidnappers hinausgeht; was auch die Mädchen bemerken – und sich diese Tatsache irgendwie zunutze machen wollen. Doch wie sich zeigt müssen sie bei ihrer angestrebten Flucht nicht nur das Handeln eines einzigen Mannes in Frage stellen… sondern gleich das von 23 Personen, die sich unglaublicherweise alle im selben Körper befinden.

Kritik: 23 und mehr Persönlichkeiten in nur einem Körper, wie soll das denn gehen ? Diese und andere Fragen stellte sich jüngst der erfolgreiche amerikanische Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan, dem spätestens nach seiner Arbeit am Mystery-Thriller THE SIXTH SENSE (1999) so gut wie alle Türen in Hollywood offenstehen. Nach einigen klar auf ein Mainstream-Publikum ausgerichteten – und auch sonst eher mäßigen Popcornkino-Werken wie unter anderem AFTER EARTH oder DIE LEGENDE VON AANG (siehe Review) – scheint sich das 1970 geborene Multitalent nun wieder etwas mehr zu trauen. Schließlich erzählt SPLIT die Geschichte eines Mannes mit mehr als nur einer handvoll zusätzlicher Persönlichkeiten – und verspricht dabei, ein durchdachter Psycho-Thriller mit einer gleichermaßen starken wie markanten Hauptfigur zu sein. Eben so, wie man es schon in potentiellen Vorbildern a’la IDENTITÄT (2004) sehen konnte – oder aber in Shyamalan’s früherem Werk UNBREAKABLE, zu dem SPLIT letztendlich auch einen stärkeren Bezug aufbaut als vermutet. Somit scheint es tatsächlich so, als hätte Shyamalan eine größere Vision die über den beiden auf den ersten Blick völlig verschiedenen Handlungsuniversen von UNBREAKABLE und SPLIT schwebt – wobei es eigentlich kaum noch überraschend ist, dass bereits entsprechende Nachfolger geplant sind.

Mindestens eines ist ihm dabei hoch anzurechnen: dass er viele der bei einer Filmproduktion anfallenden Arbeiten selbst übernimmt, und somit nicht nur Regisseur und Drehbuchautor fungiert – sondern auch als Produzent und sogar Darsteller. Anders gesagt: Shyamalan übernimmt die volle Verantwortung für seinen Erfolg oder sein Scheitern, und ist stets darauf bedacht dass seine Filme eine unverkennbare Handschrift tragen. Gerade das ist ihm im Falle von SPLIT auch gelungen – dank der hervorragenden Kameraführung, der stimmigen Inszenierung der Schauplätze und dem wenn man so will ausgelassenen Spiel der Darsteller besitzt der Film durchaus eine unverwechselbare Identität; übrigens ganz im Gegensatz zum wunderlichen Hauptprotagonisten. Ob das aber ausreicht, um einen auch mal etwas zäh vorankommenden Film wie diesen zu tragen ist eine andere Frage – unter Umständen sogar eine entscheidende. Schließlich macht sich mindestens ein gravierenderes Problem bemerkbar, abgesehen von einigen kleineren und im Genre eher üblichen Unstimmigkeiten: SPLIT weiß schlicht nicht so Recht, was er nun sein möchte. Denn auch wenn es zunächst verdächtig danach aussieht, bleibt es nicht bei dem Versuch einer halbwegs authentischen Darstellung in Richtung eines verstörenden Psycho-Thrillers. SPLIT nimmt vor allem in Bezug auf sein pompöses Finale wesentlich wildere Züge an, und driftet dabei fast schon in Bereiche die man bei einem vergleichsweise ernsten Grundton wie dem hier vorgelegten definitiv vermeiden sollte.

Somit sind es auch nicht die 23 Persönlichkeiten respektive deren plötzlicher Wechsel, die zu einem Problem in Richtung einer unbedingt zu vermeidenden Lächerlichkeit avancieren – auch wenn die dahinterstehende Psychologie durchaus etwas glaubwürdiger und nachvollziehbarer hätte dargelegt werden können. Immerhin beschränkt sich Shyamalan auf eine übersichtliche Anzahl der in Erscheinung tretenden Personen, was gut ist und dem Film keineswegs negativ ausgelegt werden sollte. Weitaus ernüchternder wiegt der sich trotz dessen aufdrängende Fakt, dass SPLIT letztendlich doch mehr von einem Horrorfilm mit Übermensch-Syndrom (dieser Begriff wird wohl noch eine große Rolle spielen) oder wahlweise auch eines fantastisch anmutenden Schauermärchens hat. Eines, das trotz der offensichtlichen Übertreibungen darauf beharrt einen unbedingten Bezug zur Realität zu haben (was auch die großzügigen wissenschaftlichen Abhandlungen innerhalb des Films vermuten lassen) und den Zuschauer eben damit zu schocken. Und dieses Konzept geht hier nicht wirklich auf, was umso enttäuschender ist wenn man die noch immer vorhandenen Vorzüge des Films betrachtet.

Allen voran ist hier sicherlich Hauptdarsteller James McAvoy zu nennen – der den verschiedenen Persönlichkeiten nicht nur ein ausdrucksstarkes Gesicht mit einem entsprechend grandiosen Mienenspiel, sondern auch so etwas wie eine Seele einhaucht. Auch seine Kollegin Anya Taylor-Joy, die als einzige Gefangene über den Staus typischer (und ärgerlicher) Opfer-Klischees hinauskommt; macht ihre Sache gut – wobei man allerdings noch etwas mehr aus ihrem Charakter, den Flashbacks in Bezug auf ihre eigene Vergangenheit und den Dialogen hätte herausholen müssen. Im Zusammenspiel mit der bereits erwähnten, technisch hervorragenden Umsetzung und dem subtilen Soundtrack macht SPLIT so zumindest hinsichtlich seines Gesamteindrucks einen mehr als annehmbaren Eindruck. Einen, der aber noch so viel stärker hätte ausfallen können; ausfallen müssen. Ob es die Nachfolger besser machen, wird sich zeigen – es wäre jedenfalls nicht der Regelfall.

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„Letztendlich sind es ausgerechnet die Identitätsschwierigkeiten des Films an sich, die noch größeres verhindern.“

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