Metal-CD-Review: LABYRINTH – Architecture Of A God (2017)

Alben-Titel: Architecture Of A God
Künstler / Band: Labyrinth (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. April 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Frontiers Records

Alben-Lineup:

Andrea Cantarelli – Guitars
Olaf Thörsen – Guitars
Roberto Tiranti – Vocals
Nik Mazzucconi – Bass
Oleg Smirnoff – Keyboards
John Macaluso – Drums

Track-Liste:

1. Bullets (06:56)
2. Still Alive (04:49)
3. Take On My Legacy (04:04)
4. A New Dream (05:22)
5. Someone Says (04:44)
6. Random Logic (01:55)
7. Architecture of a God (08:40)
8. Children (Robert Miles cover) (04:07)
9. Those Days (05:14)
10. We Belong to Yesterday (06:32)
11. Stardust and Ashes (05:16)
12. Diamond (03:28)

Von einer ganz und gar göttlichen Architektur kann man eigentlich nur Perfektion erwarten.

2017 ist ein spannendes Jahr für den Power Metal – unter anderem auch, da es sich um ein Jahr der Rückkehrer handelt. So gesehen ist es fast schon ein wenig kurios, dass der Releasetermin von gleich zwei entsprechend heiß erwarteten neuen Studioalben zweier lange verschollener Genre-Combos auf den gleichen Tag fällt. Der 21. April 2017 fungiert damit nicht nur als Stichtag für CRYONIC TEMPLE’s INTO THE GLORIOUS BATTLE (siehe Review), sondern auch für LABYRINTH’s neues Studioalbum ARCHITECTURE OF A GOD. Immerhin: seit dem letztaktuellen Album der Italiener (RETURN TO HEAVEN DENIED PART II, Review) sind mittlerweile ganze 7 Jahre vergangen. Von ihrem großen Bekanntheitsgrad sollten die Musiker um Frontmann Roberto Tiranti dennoch nichts respektive nur wenig eingebüßt haben – schließlich können LABYRINTH durch ihre Bandgründung im Jahre 1994 problemlos als absolute Genre-Urgesteine bezeichnet werden.

Allerdings, und davor ist wohl keine langjährig aktive Combo gefeit; haben die Italiener im Laufe ihrer Karriere beileibe nicht nur großartiges abgeliefert. Dezent kritisch wurde es beispielsweise nach der im Jahre 2003 zelebrierten Wiedergeburt der Band mit dem passend betitelten Studioalbum LABYRINTH (Review) – am folgenden FREEMAN (Review) und 6 DAYS TO NOWHERE (Review) scheiden sich auch heute noch die Geister. Umso spannender ist es nun zu erfahren, wie sich die Italiener 2017 schlagen – wobei mit den Gitarristen Andrea Cantarelli und Olaf Thörsen noch immer zwei Gründungsmitglieder der Band dabei sind. Vielleicht sogar drei, denn eigentlich könnte man Roberto Tiranti (der den eigentlichen Leadsänger Fabio Lione schon recht früh ersetzte) ebenfalls zur Ur-Besetzung zählen. Neuaufstellungen gab es dagegen an allen andern Fronten: sowohl am Bass, am Schlagzeug und an den Keyboards agieren neue Mitglieder; die erst 2016 zur Band stießen.

Fest steht: mit ARCHITECTURE OF A GOD widmet man sich insgesamt 12 neuen LABYRINTH-Titeln bei einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde – und dem unterschwelligen Versprechen, dass die Band nichts von ihrer ehemaligen Schlagkraft verloren hat. Und tatsächlich: das neue Album scheint zunächst weit davon entfernt, ein kurioses Experiment a’la FREEMAN, oder gar ein Totalausfall a’la 6 DAYS TO NOWHERE zu sein. Aber, und das war speziell nach dem einst richtungsweisenden RETURN TO HEAVEN DENIED sowie dem ebenfalls herausragenden PART II als letztaktuelles Album der Band nicht unbedingt zu erwarten: LABYRINTH geben sich dieses Mal auffällig zahm. Vielleicht sogar zu zahm – wofür sich aber nicht die noch immer sehr guten handwerklichen Leistungen der Mitglieder, oder die druckvolle Produktion verantwortlich zeichnen. Eine fehlende Progressivität kann es ebenfalls nicht sein, da ARCHITECTURE OF A GOD vergleichsweise vielschichtig daherkommt und selbst innerhalb einzelner Titel einiges an Abwechslung bietet. Und doch ist da etwas, was dem Album einfach nicht sonderlich gut bekommt.

Was es ist, liegt dann auch relativ schnell auf der Hand: LABYRINTH setzen auf ihrem ARCHITECTURE OF A GOD stark auf weichere oder auch explizit balladeske Strömungen – und das so intensiv wie nie zuvor. Immerhin: die Italiener schaffen es, dass man keine ihrer Nummern als typische oder obligatorische 08/15-Ballade bezeichnen kann – doch die Tendenz ist mit Nummern wie STILL ALIVE, A NEW DREAM, dem Titeltrack ARCHITECTURE OF A GOD, THOSE DAYS, WE BELONG TO YESTERDAY oder DIAMOND definitiv gegeben. Wer hier also ein explosives Feuerwerk erwartet, ist schon einmal an der gänzlich falschen Adresse – denn auch die anderen Nummern wie der Opener BULLETS haben weniger Kraft als eventuell erwartet. Vielleicht auch weniger Eleganz, als man es von LABYRINTH einmal gewöhnt war. Die Marschrichtung erscheint jedenfalls nicht wirklich klar, eingängige oder bemerkenswerte Momente gibt es selbst in den vielfältigen progressiven Strukturen keine.

Noch problematischer als das Fehlen von markanten Highlights aber wiegt etwas anderes – und das ist ein Fakt, der sich sowohl auf die eher balladesken Nummern des Albums als auch alle anderen bezieht. Denn: auch wenn man nicht genau weiß warum, haben LABYRINTH dieses Mal offenbar keinerlei Probleme damit gehabt; ihre Kompositionen mit gleichermaßen kitschigen wie recht aufdringlichen Keyboard-Elementen regelrecht zuzukleistern. Das ist umso fraglicher wenn man bedenkt, welche Fähigkeiten Mitglieder wie Olaf Thörsen eigentlich haben. Der Raum für die eigentlichen; die klassischen Genre-Elemente ist damit vergleichsweise gering bemessen. Stattdessen werden selbst ruhige Titel wie STILL ALIVE zu einem kleinen akustischen Schlachtfeld, in dem sich viel zu viele unterschiedliche Elemente gegenseitig ausspielen. Anders gesagt: ARCHITECTURE OF A GOD fehlt nicht nur die nötige Kraft und Eingängigkeit, die ergriffenen Maßnahmen das Ganze doch noch nachhaltig aufzupeppen schlagen allesamt fehlt. Selbst eine doch noch anberaumte Uptempo-Nummer wie TAKE ON MY LEGACY wirkt in diesem Zusammenhang seltsam aufgebauscht – und verpufft im nirgendwo.

Denn: was helfen etwaige Nachbearbeitungen, hinzugefügte Effekte und unzählige Tonspuren; wenn sich dennoch nichts am insgesamt auffallend langatmigen Eindruck vieler Titel des Albums ändert ? Weniger ist manchmal mehr – das galt zumindest für die alten LABYRINTH. ARCHITECTURE OF A GOD ist ein sich ganz und gar künstlich respektive anorganisch anfühlendes, absolut überproduziertes Genre-Album geworden. Eines, dass viele Spielereien beinhaltet – aber vornehmlich solche, die ins Nichts laufen. Das recht überflüssige, musikalisch uninteressante Zwischenspiel RANDOM LOGIC sowie das dezent deplatziert wirkende, musikalisch ebenfalls nicht unbedingt herausragende ROBERT MILES-Cover von CHILDREN runden das Ganze nach unten hin ab. Leider, muss man schon fast sagen. Einzig und allein der hie und da durchschimmernde Gitarrensound kann überzeugen; sowie eventuell noch Roberto Tiranti mit seiner nach wie vor angenehme Stimme – würde er auf ARCHITECTURE OF A GOD nur nicht so oft auf die Tränendrüse drücken oder vor sich hinsäuseln. Alles in allem sind es der Vorteil eschlicht zu wenig – gerade für ein lang erwartetes Album einer Combo, die seit über 20 Jahren besteht.

Absolute Anspieltipps: SOMEONE SAYS, STARDUST AND ASHES


„Diese Architektur hat Risse – und das nicht zu knapp.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.