Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Into The Glorious Battle (2017)

Alben-Titel: Into The Glorious Battle
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. April 2017
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Roland Westbom – Bass
Markus Grundström – Guitars
Mattias L. – Vocals, Piano
Esa Ahonen – Guitars
Micke Dahlkvist – Drums

Track-Liste:

1. The Beginning of a New Era (02:27)
2. Man of a Thousand Faces (05:17)
3. All the Kingsmen (04:48)
4. Prepare for War (04:33)
5. Heroes of the Day (05:11)
6. Mighty Eagle (03:31)
7. Into the Glory Battle (04:19)
8. The Speech (00:54)
9. Mean Streak (03:04)
10. Flying over the Snowy Fields (04:13)
11. Can’t Stop the Heat (04:41)
12. This War Is Useless (Eulogy) (05:12)
13. Heavy Burden (05:31)
14. Freedom (07:55)

Auf in den (neuen) Kampf.

CRYONIC TEMPLE ist eine bereits 1996 gegründete Power Metal-Combo aus Schweden, die ihre eigentliche Blütezeit schon vor einigen Jahren hatte – oder genauer gesagt um die Jahrtausendwende herum. Zumindest einigen Genre-Fans sollten Alben wie CHAPTER I (siehe Review), BLOOD GUTS & GLORY oder IN THY POWER daher auch heute noch ein Begriff sein – die gleichermaßen energetische wie eingängige Spielart der Band machte zweifelsohne Laune, und handwerklich brauchten sich die Schweden ebenfalls noch nie verstecken. Dennoch folgte ab 2008 eine mittelprächtige Katastrophe, die wohl oder übel vom umstrittenen vierten Album der Band (IMMORTAL) eingeläutet wurde – CRYONIC TEMPLE verschwanden plötzlich gänzlich von der Bildfläche. Fast 10 Jahre später sind sie nun aber wieder zurück – und haben mit INTO THE GLORIOUS BATTLE ein vielversprechendes neues Album im Gepäck. Eines welches – und das blieb allein aufgrund der langen Ruhephase der Band einfach nicht aus – mit einer komplett neu aufgestellten Besetzung eingespielt wurde.

Und tatsächlich: was zuallererst auffällt, ist die einen recht frischen Eindruck machende Gesamtaufmachung des Albums; hier im Zusammenspiel mit sonst eher unüblichen Vergleichsmöglichkeiten. Denn: dass sich ausgerechnet Parallelen zu den ebenfalls nicht unbedingt massiv bekannten Power Metallern von EMERALD SUN aus Griechenland ergeben würden, war so nicht unbedingt zu erwarten. Und doch haben die beiden Combos viel gemeinsam – vom ähnlich aufgemachten, weitestgehend eher gemäßigten Leadgesang über den Gitarrensound bis hin zu einem fast deckungsgleichen Abmischungs- und Produktionseindruck. Das soll indes noch kein wertendes Urteil sein – sondern nur eine ungefähre Vorstellung von der Marschrichtung neuen CRYONIC TEMPLE-Werks INTO THE GLORIOUS BATTLE geben. Und damit auch einem Album, welches zwei der markanteren Attribuierungsmöglichkeiten schon einmal gekonnt umschifft.

Anders gesagt: INTO THE GLORIOUS BATTLE ist weder als Genre-Meisterwerk noch als ärgerlicher Ausfall in der insgesamt hochkarätigen Diskografie der Schweden zu bezeichnen. Der Grund dafür ist schnell gefunden: schon der Auftakt des Albums ist von einer – wenn man so will enormen – qualitativen Ambivalenz geprägt. So sollte sich derjenige, der sich für das Intro BEGINNING OF A NEW ERA verantwortlich zeichnet; schlicht schämen. Mit einem unspektakuläreren – und dank der offenbar nachgeahmten Sirenen-Geräusche unfreiwillig komisch wirkenden – Beginn hätte man das Album wahrlich nicht ausstatten können. Bis es zum ersten markanten Gegensteuern kommt, folgt erst noch der Opener MAN OF A THOUSAND FACES – der ebenfalls ein gemischtes Gefühl hinterlässt. So macht der Titel zwar insgesamt noch einen guten Eindruck, gerade aufgrund des schmackigen Gitarrensounds und der netten symphonischen Hintergrund-Komponente – doch im Detail hapert es noch hie und da. Wie etwa in Bezug auf den merkwürdig lustlos wirkenden Refrain oder auch kleinere Abmischungsprobleme. Man beachte dazu einfach mal den Sound des Wortes Fighting in der Zeile Fighting Demons From An Unknown World – oder die Tatsache, dass der Leadgesang insgesamt stets so klingt, als wäre er im Mix eher hintergründig platziert worden.

Danach aber kommt die bereits angesprochene Ambivalenz des Albums vollständig zum Tragen. Denn: das rhythmische ALL THE KINGSMEN und das mächtige PREPAR FOR WAR sind zwei absolute Hammer- respektive Ausnahme-Nummern mit einem hohen Kultpotential. Wenn man so will, könnte man sogar sagen dass CRYONIC TEMPLE noch nie so gut geklungen haben – und dabei doch immer wieder Elemente einbauen die an ihre Anfangszeiten erinnern, wie etwa das hervorragende Solo in PREPARE FOR WAR. Das Problem ist nur, dass die Schweden dieses hohe Niveau im weiteren Verlauf ihres Albums nicht wirklich halten können – und man nie so genau weiß, ob man gewisse Maßnahmen nun gutheißen oder eher verteufeln sollte. Das balladesk aufgemachte HEROES OF THE DAY mit seinen gewöhnungsbedürftigen Sprechpassagen ist hier nur ein Beispiel – das mit einigen elektronisch klingenden Ausstaffierungen versehene MIGHTY EAGLE, der gesanglich nicht mehr wirklich überzeugende Titeltrack INTO THE GLORY BATTLE (der wie ein schwächelnder Titel des VENDETTA-Albums von CELESTY klingt), das plötzlich ungewöhnlich rockig daherkommende MEAN STREAK oder das irgendwo zwischen CELESTY (da sind sie schon wieder) und KELDIAN schwebende HEAVY BURDEN einige weitere.

Immerhin, und wie bereits zu Anfang angedeutet: mit INTO THE GLORIOUS BATTLE geben sich CRYONIC TEMPLE nicht die Blöße, dafür sorgen allein schon die handvoll wirklich gelungener Nummern. Doch ein unvergessliches und einzigartiges Meisterstück liefern sie ebenfalls nicht ab. Vielmehr fühlt sich das Album im gehobenen Mittelfeld wohl – Spaß macht es allemal, und handwerklich geht es ebenfalls in Ordnung. Ob sich die lange Auszeit der Band und die daraus entstandene Wartezeit tatsächlich gelohnt hat, muss aber ein jeder für sich selbst entscheiden.

Absolute Anspieltipps: ALL THE KINGSMEN, PREPARE FOR WAR, FLYING OVER THE SNOWY FIELDS


„Ein insgesamt gelungenes Comeback-Album mit kleineren Aussetzern.“

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s