Filmkritik: „Maleficent – Die Dunkle Fee“ (2014)

Originaltitel: Maleficent
Regie: Robert Stromberg
Mit: Angelina Jolie, Elle Fanning, Sharlto Copley u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy, Abenteuer
Tags: Dornröschen | Märchen | Fee | Schloss | Dornenwald | Prinz

Wenn selbst Feen einmal vom rechten Pfad abkommen…

Kurzinhalt: Es war einmal eine junge Fee mit dem Namen Maleficent (Isobelle Molloy) – die in einem friedlichen Waldkönigreich lebte und trotz ihrer beeindruckenden Teufelshörner keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Aus dem benachbarten Menschenreich erschien ihr eines Tages der junge Stefan (Michael Higgins), mit dem sie sich schnell anfreundete. Doch wenngleich Maleficent das erste Mal so etwas wie echte Zuneigung für einen Menschen empfand und Stefan offenbar ähnlich fühlte; entschied er sich letztendlich doch dazu, sein Glück in der Welt der Menschen zu suchen. Und tatsächlich: nach einigen Jahren scheint ihm sein eigentliches Ziel in greifbare Nähe zu rücken. Der alternde König Henry (Kenneth Cranham) will kurz vor seinem Tod einen würdigen Nachfolger bestimmen – und bietet schlichtweg demjenigen die Thronfolge an, der ihm den Kopf von Maleficent bringen würde. Die ist nunmehr erwachsen geworden (Angelina Jolie), und fällt auf Stefans (Sharlto Copley) erneute Annäherung herein – woraufhin sie ihre mächtigen Flügel verliert. Die präsentiert Stefan kurzerhand dem König – und wird so zum neuen Herrscher. Doch eigentlich hätte er damit rechnen müssen, dass Maleficent eines Tages auf Rache schwören würde…

Kritik: MALEFICENT – DIE DUNKLE FEE ist ein bombastisch aufgemachter Fantasy-Blockbuster aus dem Hause Disney, dessen Geschichte sich eindeutig auf das bekannte DORNRÖSCHEN-Märchen der Gebrüder Grimm beziehungsweise des eigentlichen französischen Verfassers Charles Perrault stützt. Immerhin: trotz des wie so oft anzuberaumenden Vorurteils, dass Hollywood schon längst die Ideen ausgegangen sind und nach wie vor unendlich viele Sequels, Remakes und Spin-Offs produziert werden oder eher werden müssen; kann man MALEFICENT durchaus etwas zugute halten. Die Verantwortlichen haben nicht bloß altbekanntes kopiert respektive stumpf neu aufgelegt – sondern sich darüber hinaus auch eigene Gedanken gemacht. Die moderne Disney-Version von DORNRÖSCHEN, die man auch als Realfilmversion des Disney-Klassikers DORNRÖSCHEN UND DER PRINZ aus dem Jahre 1959 betrachten könnte; sieht somit tatsächlich einige neue Inhalte und interessante Twists vor. Zu erwarten war indes, dass sich das eigentliche Novum von MALEFICENT eher auf seine großzügig ausgenutzten Möglichkeiten hinsichtlich einer möglichst bombastischen Visualisierungsarbeit entdecken lässt.

Glücklicherweise verkehrt sich diese in Hollywood gerne mal zum Scheitern verurteilte Herangehensweise im Falle von MALEFICENT aber nichts ins negative – zumindest längst nicht so, wie es eventuell zu befürchten war. Schließlich ist die hier gezeichnete Fantasy-Welt trotz ihrer ausufernden Farbenspiele, den einstweilen etwas zu sehr auf kindlich getrimmten Märchenwesen und der im Akkord eingesetzten CGI-Effekte nett anzusehen – und wirkt insgesamt weitaus inspirierter und stimmiger als etwa die Welten von AVATAR, ALICE IM WUNDERLAND oder SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN. Auch der Soundtrack von James Newton Howard macht eine sehr gute Figur – und ist mit seiner magischen, dabei aber niemals allzu kitschigen oder aufdringlichen Atmosphäre irgendwo zwischen den Werken von P.J. Hogan (etwa: PETER PAN) und Danny Elfman (etwa: EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN) zu verorten. Das Problem ist lediglich, dass sich in der hübschen Welt von MALEFICENT weitaus weniger abspielt als anderswo – und viele Elemente im Reich der Feen und Fabelwesen ihre einzige Daseinsberechtigung in Form eher oberflächlicher Schauwerte haben.

Doch dafür überzeugt MALEFICENT immer dann, wenn es um seine zwischenmenschlichen Untertöne geht – die einstweilen sogar ganz und gar existentielle Ausmaße annehmen können. Dabei geht es vornehmlich weniger um die beiden Königreiche an sich, ihre Bewohner oder die Tatsache; dass sie aus einem hier nicht wirklich erläuterten Grund verfeindet sind – sondern in erster Linie um zwei besondere Charaktere und ihre innerliche Zerrissenheit. Die enthaltenen Botschaften bezüglich der ganz großen Themen wie Selbsterkenntnis, Verrat und Liebe sind dabei einerseits angenehm kindgerecht verpackt und mit klaren Fronten versehen – andererseits und je nach Facón aber auch tiefer interpretierbar. Einen großen Bonuspunkt gibt es beispielsweise dafür, dass die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Aurora und einem plötzlich auftauchenden Prinzen eben nicht als patente Lösung für alle sonst typischen DORNRÖSCHEN-Probleme anbietet – sondern stattdessen ein anderer Weg gefunden wird. Die Blöße gibt sich Disney dieses Mal jedenfalls nicht – weder in Bezug auf die dargestellten Inhalte, noch auf die handwerklichen Aspekte oder die letztendlich etablierte Gesamtwirkung.

Selbst die relative One-Women-Show von Angelina Jolie ist dem Film nicht zwingend negativ anzukreiden – zumal ihre schauspielerische Leistung hier uneingeschränkt überzeugend ausfällt, und sich ihre eingefleischten Fans zu Recht über ihren ausgedehnten Auftritt freuen können. Etwas schade ist nur, dass alle anderen Beteiligten durch ihre gleichermaßen starke wie einnehmende Präsenz dezent in den Hintergrund rücken – wie etwa Sam Riley (CONTROL) in seiner durchaus sympathischen rolle des verzauberten Vogels Diaval, die man ruhig noch hätte ausbauen können. Das abgelieferte Porträt von Elle Fanning dagegen gehört sicherlich nicht zu den besten ihrer Karriere – was aber weniger an ihr selbst, als vielmehr am wenig Spielraum vorsehenden Drehbuch liegt.

Schlussendlich: die ganz große, einst für Disney typische Magie bleibt zwar aus – aber dennoch hält MALEFICENT als Fantasy-Blockbuster mit großen Schauwerten locker, was er verspricht. Dank seiner herrlich bunten Fantasy-Welt, seiner leicht abgewandelten DORNRÖSCHEN-Geschichte, seinem durchaus charmanten Witz und den nicht uninteressanten Botschaften bietet er einige höchst unterhaltsame Film-Minuten für die ganze Familie.

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„Bunt, abenteuerlich, unterhaltsam – eine überraschend gelungene Neuauflage des bekannten Märchens.“

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