TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 7)

Originaltitel: The Walking Dead Season 7
Relation: Fortsetzung der sechsten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 7 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

7×01 – Der Tag wird kommen | The Day Will Come When You Won’t Be
7×02 – Der Brunnen | The Well
7×03 – Die Zelle | The Cell
7×04 – Fron | Service
7×05 – Draufgänger | Go Getters
7×06 – Der Schwur | Swear
7×07 – Sing mir ein Lied | Sing Me a Song
7×08 – Unsere Herzen schlagen noch | Hearts Still Beating
7×09 – Der Stein in der Strasse | Rock in the Road
7×10 – Neue beste Freunde | New Best Friends
7×11 – Wir sind Negan | Hostiles and Calamities
7×12 – Sag Ja | Say Yes
7×13 – Begrabt mich hier | Bury Me Here
7×14 – Auf die andere Seite | The Other Side
7×15 – Was wir brauchen | Something They Need
7×16 – Heute beginnt der Rest des Lebens | The First Day of the Rest of Your Life

Altbekanntes mit neuem Hauptdarsteller.

Inhalt: Nachdem die Gruppe von Rick Grimes erstmals in die Hände des skrupellosen Negan gefallen ist scheint die Hoffnung für alle, die sich noch als halbwegs freie Menschen in der post-apokalyptischen Gesellschaft bezeichnen; endgültig dahin. Schließlich forcieren Negan und seine zahlreichen Anhänger mit einem des öfteren verstörenden Nachdruck, dass ihnen alle noch existierenden Gemeinschaften auf die ein oder andere Art und Weise dienen sollen. Wer sich weigert oder aber etwaige Vereinbarungen mit teils erheblichen Forderungen nicht einhält, stirbt – auch wenn sich die Beschaffung von Wasser, Nahrungsmitteln oder Gebrauchsgegenständen ohnehin schon als schwierig genug erweist. Doch noch scheint die Strategie von Negan erfolgreich zu sein – so gut wie alle Menschen in der Umgebung folgen ihm, oder geben zumindest vor genau das zu tun. Selbst der kampferprobte Rick scheint zu akzeptieren, dass er und seine Gefolgschaft nun einem neuem Anführer dienen. Immerhin war der Preis, den er bereits zahlen musste; ausgesprochen hoch – wobei das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Ein Einzelgänger ist Rick jedoch schon lange nicht mehr – sodass Konflikte mit Negan vorprogrammiert sind. Mit der ständigen Angst um seine Kinder Carl und Judith, sowie der generellen Sorge um die Gemeinschaft Alexandria geht es in der siebten Staffel weniger um die wandelnden Toten – sondern vielmehr um meist blutige zwischenmenschliche Auseinandersetzungen.

„Die Serie THE WALKING DEAD ist eine globale Erfolgsstory: Millionen von Zuschauern weltweit zieht die zahlreich ausgezeichnete Endzeit-Odyssee in den Bann.“ (Quelle: foxchannel.de)

Kritik: Und schon wieder ist ein Jahr vorüber – und eine weitere komplette Staffel von THE WALKING DEAD vollständig ausgestrahlt. Eines kann man den Verantwortlichen, sowie sicher auch den zahlreichen Zuschauern des berühmt-berüchtigten Zombie-Franchise damit schon einmal attestieren: ein enormes Durchhaltevermögen. Denn auch wenn die entsprechende Comicbuchvorlage von Robert Kirkman und Tony Moore schon immer erfolgreich war und sich nach wie vor einer großen Beliebtheit erfreut, zieht sich das Konzept der TV-Serie nun schon seit einigen Staffeln dezent in die Länge. Gründe dafür gab und gibt es mehrere – und beileibe nicht nur solche, die sich auf die ohnehin schwierige Portierung von der Comicvorlage hin zu einem abendfüllenden und jahrelang ausgestrahlten Serienformat beziehen. Fest steht: man hätte den Machern vieles nur allzu gern verziehen. Doch spätestens seit der Einführung der sogenannten Gefängnis-Arc – bei der sich die Geschichte ganz offensichtlich viel zu lange auf einer Stelle bewegte – sieht es nicht mehr wirklich gut aus für das TV-Format. Denn, und auch das ist quasi eine waschechte THE WALING DEAD-Spezialität: eine ausgedehnte Straffung etwaiger Inhalte auf mehrere Folgen oder gar Staffeln hat nicht automatisch zur Folge, dass man als Zuschauer ein dichteres Erzählniveau erhält oder gar eine intensivere Serienerfahrung macht.

Genau das ist schließlich auch das Stichwort, wenn es um die mittlerweile siebte Staffel des Franchise geht. Nach wie vor können die Verantwortlichen einfach nicht darauf verzichten, die Serie mit endlos-überflüssigen Füll-Momenten und ärgerlichen Vertröstungen zu spicken. Wohlgemerkt, und das ist der eigentliche Knackpunkt – immer in Anbetracht dessen, dass die wenigen guten Ideen ohnehin nicht ausreichen einzelne Folgen oder gar eine ganze Staffel zu tragen. Im direkten Bezug auf die siebte Staffel bedeutet dies etwa, dass man den gleichermaßen furchteinflößenden wie seltsam charmanten Negan als neuen Hauptcharakter oder eher Haupt-Antagonisten postuliert. Das ist an sich eine gute und funktionierende Idee, die eine spürbare Spannung und Frische in den Serienkontext bringt – zumal Jeffrey Dean Morgan seine Sache wirklich gut macht, und sich die mittlerweile enorm hoch gehaltenen zwischenmenschlichen Aspekte der Serie nicht mehr nur mit gefühlten Belanglosigkeiten beschäftigen. Andererseits aber kommt im Verlauf der immerhin 16 Staffelfolgen nicht mehr viel neues hinzu, sodass nicht nur Fans der eigentlichen Serieninhalte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden. Wobei es fast schon ironisch ist, dass die Situation in der finalen Folge in etwa die selbe ist, in der Rick und Co. auch in Folge 1 steckten. Doch natürlich nimmt sich die Serie viel zu ernst, um diese und andere offensichtliche Missstände in unerwartete Vorteile verwandeln zu können.

Gut, dass THE WALKING DEAD schon längst keine Survival-Serie im herkömmlichen oder erwarteten Sinne ist; sollte mittlerweile jedem klar sein. Der Zombie-Virus an sich, die wandelnden Toten (sowie deren in den früheren Staffel oftmals spektakulär inszeniertes Ableben), das Überleben in der Wildnis, die Beschaffung von Wasser und Nahrung, alltägliche Konflikte zwischen Überlebenden – all das spielt schließlich keine Rolle mehr, oder nur noch eine markant untergeordnete. Sicher, die gesamte nun präsentierte Negan-Arc hätte die Serie in ihrem Kern auch nicht mehr retten können – doch für einen kleinen Aufschwung wäre sie sicher gut gewesen. Vielleicht ist sie das auch, aber eben nur teilweise – die teils desolate Atmosphäre, sowie die gerne mal etwas überakzentuierten und somit erst Recht an die Comics erinnernden Machtspielchen können noch am ehesten als diesbezügliche Vorteile gewertet werden. Unglücklicherweise übernimmt Staffel 7 aber auch alle Schwächen der Vorgängerstaffeln, die sich wie erwartet besonders stark auf Negan und seine Interaktion mit den anderen Überlebenden auswirken. Von einer wie auch immer gearteten Glaubwürdigkeit zu sprechen, fällt jedenfalls immer schwerer – auch wenn die beteiligten Darsteller des öfteren mit Herzblut bei der Sache zu sein scheinen.

Besonders markant ist in diesem Zusammenhang sicher die finale Folge – die in Anbetracht ihrer längeren Spieldauer, den gleichzeitig aber umso nichtssagenderen oder bereits allseits bekannten Inhalten ohnehin weniger zu bieten hat als eventuell erhofft. Immer wieder offenbart sich das Gefühl, als könnte die Serie oder zumindest der aktuell vorrangige Handlungsabschnitt mit nur einem Handstreich beendet werden. Wobei es sicher nicht allein die gerne mal mit vergleichsweise beschränkten geistigen Fähigkeiten ausgestatteten Charaktere sind die dies verhindern, sondern viel eher die Macher. Die möchten die Serie schließlich möglichst lange am Leben erhalten – und kümmern sich offenbar weniger um möglichst glaubhafte Zusammenhänge. Ein interessantes Gedankenexperiment wäre beispielsweise, wie die siebte Staffel mit der Hälfte der anberaumten Episodenzahl von 16 funktioniert hätte. Wobei, wirklich interessant ist dieser Gedankengang nicht – denn die Antwort liegt auf der Hand. Sicher, man macht keine großartige Staffel aus einer bestenfalls mittelprächtigen; indem man sie um die Hälfte kürzt – doch die Marschrichtung wäre schon einmal eine wesentlich angenehmere. Hätte man dann auch noch zusätzlich eine schnelle Beendigung des Negan-Konflikts vorgesehen, so hätte THE WALKING DEAD womöglich tatsächlich  wieder zum Status einer unaufhaltsam vorwärts preschenden, spannenden und abenteuerlichen Zombie-Serie zurückgefunden. Im Blick auf den aktuellen Status Quo heißt es jedoch: es darf weiterhin (und schamlos) auf einer Stelle getreten werden.

Fazit: Ob der Konflikt mit Negan nun in der nächsten Staffel gelöst werden wird oder auch nicht – mittlerweile scheint es relativ egal, was genau im THE WALKING DEAD-Universum geschieht. Im Laufe der Jahre und Staffeln hat es schlicht viel zu viel von seiner ursprünglichen Faszinationskraft eingebüßt. Aber nicht etwa, und das ist das schlimme; weil sich das Format abgenutzt hätte – sondern ausschließlich, da sich die Macher verzettelt haben. Ihr Setzen auf falsche Schwerpunkte, ihre an einer Hand abzuzählenden hervorragenden Ideen, unnötige Gefühlsduseleien, endlose Durststrecken und freche Cliffhanger machen jedenfalls keinen Spaß. Die wenigen Vorteile, die die Serie noch oder nach wie vor hat; reichen dagegen einfach nicht mehr aus um sie zu tragen. Anders gesagt: die gute Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner, die atmosphärische optische Gstaltungsarbeit im gesamten; sowie die weitestgehend soliden Leistungen der Darsteller verpuffen im Nirwana.

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„THE WALKING DEAD steht wie ein Fels in der TV-Landschaft – aber eher als Klotz denn als qualitatives Denkmal, leider.“

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