Metal-CD-Review: RUINS OF ELYSIUM – Seeds Of Chaos And Serenity (2017)

Alben-Titel: Seeds Of Chaos And Serenity
Künstler / Band: Ruins Of Elysium (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. April 2017
Land: International
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Vincenzo Avallone – Guitars, Bass
Drake Chrisdensen – Vocals
Icaro Ravelo – Drums, Synths

Track-Liste:

1. Kama Sutra (05:21)
2. Shadow of the Colossus (08:49)
3. Serpentarius (05:07)
4. Beyond the Witching Hour (08:03)
5. Iris (01:19)
6. The Birth of a Goddess (07:05)
7. Seeds of Chaos and Serenity (39:42)

Alles andere als gewöhnlich – aber auch gut ?

Nanu, wer waren doch gleich RUINS OF ELYSIUM ? In der Tat handelt es sich um eine seit 2013 agierende Symphonic Power Metal-Combo, die es schon früh respektive mit ihrer ersten EP PRINCE (siehe Review) darauf angelegt hat; aus der Masse an Genre-Bands hervorzustechen. Und das ist der Band auch zweifelsfrei gelungen. Mit verantwortlich dafür sind sicherlich die verträumten bis sphärisch angehauchten Kompositionen, in denen die knackigen Metal-Elemente gefühlt nur unterstützend agieren – doch größtenteils liegt die Ungewöhnlichkeit der Band im Gebaren des hiesigen Leadsängers Drake Chrisdensen begründet. Der gibt sich als klassischer Tenor, singt dem entsprechend in einer deutlich tieferen Lage als im Genre üblich – und präsentiert sich auch sonst eher exzentrisch. Öffentlich gegen die Diskriminierung Homosexueller zu kämpfen, mit reichlich Schminke auf Promo-Pics zu posieren und Cover-Versionen von Künstlern wie LADY GAGA oder AMY WINEHOUSE zu realisieren gehören schließlich nicht gerade zum guten oder allgemein üblichen Ton im Genre des Power Metal. Wie passend erscheint es da, dass sich die Band für ihr mittlerweile zweites Album wie SEEDS OF CHAOS AND SERENITY ausgerechnet vom SAILOR MOON-Franchise inspirieren ließ – und ab dem siebten Titel ein knapp 40-minütiges Epos über eben jenen Manga und auch späteren Anime präsentiert. SEEDS OF CHAOS AND SERENITY bringt somit schon einmal zweierlei mit – Mut zur Andersartigkeit, und eine ordentliche Portion Spannung.

Doch bei aller Liebe zur Ungewöhnlichkeit, zu neuen und frischen Eindrücken und eventuell auch zu exzentrischen Künstlern: RUINS OF ELYSIUM haben nicht nur Stärken. Und das merkt man dem neuen Album auch relativ schnell an. An erster Stelle stehen diesbezüglich aber weniger das Thema des Albums, etwaige Inhalte oder die einzelnen Leistungen der Mitglieder – sondern vielmehr die Präsentation. Sicher, SEEDS OF CHAOS AND SERENITY ist ein Independent-Release ohne die Unterstützung eines größeren Labels, und die Mitglieder haben es allein aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft sicher nicht immer leicht entsprechend zusammenzukommen. Doch gerade die Produktion lässt eher zu wünschen übrig, oder anders gesagt: was beim Debütalbum DAPHNE noch eher verziehen werden konnte, gerät langsam aber sicher zu einem echten Problem. Denn: man spürt geradezu, wie RUINS OF ELYSIUM hier einstweilen beabsichtigen zu klingen – während es die allgemeinen Sound-Aspekte einfach nicht schaffen, die entsprechenden Eindrücke vernünftig zu transportieren. Die eher unvorteilhafte Abmischung, der fehlende Biss oder auch Crunch der Metal-Elemente, die üppigen aber eben auch nicht besonders einzigartigen symphonischen Ausschmückungen – wirklich rund klingt das Album nicht.

Erst nach dieser Festellung ist man geneigt, tiefer in das hiesige Band-Universum einzusteigen – wobei man allerdings noch immer nicht wirklich zu den Inhalten und zur letztendlich erzielten Wirkung vordringen kann. Denn: gerade am Leadgesang von Drake Chrisdensen werden sich die Geister scheiden. Einerseits ist es erfrischend, im oftmals recht eintönigen Genre einen eher ungewöhnlich agierenden Leadsänger anzutreffen – doch andererseits erscheint seine Darbietung nur selten wirkungsvoll mit den Instrumentierungen zu harmonieren. Anders ausgedrückt: nicht selten wirkt es so, als währen Gesang und Instrumentierungen zwei verschiedene Tonspuren; was sie auch sind – aber eher solche, die nur unabhängig voneinander funktionieren und kein stimmiges Ganzes ergeben. Entsprechend fremdartig und gewöhnungsbedürftig erscheint somit auch die gesamte Rhythmik des Albums. Wirklich griffige, direkt wirksame und nachhaltig inspirierende Gesangsaspekte bietet das Album jedenfalls nicht – Drake Chrisdensen scheint hier sein ganz eigenes Ding durchzuziehen.

Gut, allzu gravierende Auswirkungen hat das zwar nicht (mehr); da auch die Metal-Elemente eher schlecht abschneiden und einen auffällig unspektakulären Eindruck hinterlassen – doch man spürt einfach, dass hier viel mehr drin gewesen wäre. Denn wenn man es tatsächlich schafft, einmal über alle Schwächen der Band hinwegzusehen und in den inhaltlichen Kosmos einzusteigen, so entfaltet die Andersartigkeit der Band endlich ihre Wirkung. Von ausgelutschten Genre-Klischees, typischen Schlagworten und allzu plumpen oder wie von einem Textgenerator produzierten Textpassagen finden sich schließlich keine Spuren – die Textinhalte sind erfrischend anders, persönlich und die eigentliche Kampfansage der Band. Schade bleibt nur, dass die gewünschte Wirkung nicht wirklich eintritt, aufgrund der zahlreichen Schwächen nicht eintreten kann – und SEEDS OF CHAOS AND SERENITY so eher wie ein Sandkorn im Getriebe denn wie ein ungewöhnlich majestätischer Paukenschlag wirkt und klingt.

Absolute Anspieltipps: SHADOW OF THE COLOSSUS, SERPENTARIUS


„Ambitioniert, aber: der potentielle Hörgenuss wird noch durch zu viele Aspekte getrübt.“

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