Metal-CD-Review: MORAVIUS – Hope In Us (2016)

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Alben-Titel: Hope In Us
Künstler / Band: Moravius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2016
Land: Tschechien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Dalibor „Panther“ Halamíček – Vocals
Zdeněk Jirčík – Bass
Radek Dočkalík – Guitars
Jaroslav Novák – Guitars
Lea Šedivá – Keyboards

Track-Liste:

1. Intro (00:45)
2. Hope in Us (04:59)
3. Moravius (05:05)
4. Bring Back the Fire (04:04)
5. Magic Flute (04:42)
6. Don’t Waste Your Time (03:52)
7. Wings of Angels (06:24)
8. Broken Frame (04:01)
9. For Timo (03:32)
10. Prison of the Soul (04:52)
11. Requiem (13:34)

Von mährischen Elegien und tschechischen Gipfelstürmern.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn MORAVIUS nicht jedermann ein Begriff sein sollte – mit Ausnahme etwaiger eingeschworener Fans der früheren Werke von SALAMANDRA. Nicht nur, dass beide Bands aus Tschechien kommen und eine ganz ähnliche Spielart des Power Metal bedienen – Leadsänger Dalibor „Panther“ Halamíček sang dereinst bei SALAMANDRA, und das auf immerhin drei Studioalben. Vor einigen Jahren konnte er seine Karriere dann bei MORAVIUS fortsetzen – und das mit einem ähnlich einschlagenden Erfolg. Sicher, an ein legendäres Kultwerk wie SKARREMAR (Review) konnte das erste MORAVIUS-Album KING’S GRAVE (Review) nicht ganz anknüpfen – doch reichte es ganz locker zu einem der absoluten Genre-Geheimtipps des Jahres 2007, und das beileibe nicht ausschließlich für SALAMANDRA-Fans. Die Weichen waren somit in jedem Fall gestellt – doch leider kam es ganz anders als erwartet. MORAVIUS galten ab 2008 als so gut wie aufgelöst – sodass man von Glück sprechen kann, dass sich der Status mittlerweile wieder geändert hat. Und, dass nach der Reunion im Jahre 2015 nun endlich das so gesehen äußerst passend betitelte Nachfolgealbum HOPE IN US vorliegt.

Dieses beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 55 Minuten – und beschwört es relativ schnell wieder herauf, das gute alte SALAMANDRA- respektive MORAVIUS-Gefühl. Eine Gefühl oder eher eine Atmosphäre, die so nur eben jene beiden Bands auf ihren Alben etablieren können – und das nicht unbedingt, weil man ihnen direkt anhört dass sie aus Tschechien stammen. So hat Dalibor „Panther“ Halamíček zwar einen Akzent, doch welchen genau kann man nicht wirklich erahnen – und auch mit allzu exotischen oder traditionellen Spielereien halten sich MORAVIUS zurück. Die Herkunft der Band spielt dann aber doch eine Rolle, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Denn: steigt man tiefer in die Materie der Textinhalte und die immer wieder anberaumte, man nenne sie poetische Dramatik von MORAVIUS ein, so ergibt sich dann doch ein eher ungewöhnliches Bild. Aus der Sicht der Band selbst würde man dieses am ehesten als traditionell beschreiben – und aus der Sicht der internationalen Hörerschaft als doppelt interessant. Anders gesagt: im besten Fall lässt man sich direkt von den zumeist griffigen Instrumentierungen packen, und macht sich erst im weiteren Verlauf mit der der speziellen Dramaturgie der Band vertraut.

Ob sich das wirklich lohnt, ist indes eine andere Frage – und die wichtigste, wenn es um den Fall oder Aufstieg von HOPE IN US geht. Immerhin: während das Intro grundsätzlich zu vernachlässigen ist, legen MORAVIUS mit dem Opener und Titeltrack HOPE IN US schon einmal ordentlich vor. Die funktionierende Mixtur aus flotten Power Metal-Elementen und jenen speziell im Refrain – sowie im fast schon zu Tränen rührenden Ausklang – durchschimmernden Emotionen verfehlt ihre Wirkung jedenfalls nicht. Doch ganz gleich welches Thema MORAVIUS gerade behandeln respektive besingen, wirklich düster klingen ihre Kompositionen nicht – was einen weiteren Unterschied zu anderen Genrebands markiert. So präsentiert sich die Folgenummer MORAVIUS schon etwas getragener – während das Tempo, die Kraft und speziell die dezent an frühere Werke von LUCA TURILLI erinnernde Gitarrenintermezzi dennoch niemals vernachlässigt werden. Etwas schade ist nur, dass der Refrain mit seinen Doublebass-Attacken bei der gleichzeitig eher lamentierenden Gesangsdarbietung etwas gewöhnungsbedürftig ausfällt.

Überhaupt wird beileibe nicht jedermann mit der Darbietung von Dalibor „Panther“ Halamíček zufrieden sein. Möglichst objektiv betrachtet weist sein Gesang tatsächlich einige Schwachpunkte auf, über die man je nach Facón aber gerne geneigt ist, hinwegzusehen – seine Einzigartigkeit, vor allem aber auch seine wenn man so will konkurrenzlose Glaubwürdigkeit entschädigt hier für vieles. Derartige Boni kann und sollte man aber nicht in jeder Hinsicht gelten lassen, denn: das gute alte MORAVIUS-Rezept geht trotz der guten Zutaten nicht immer auf. Oder anders gesagt: hie und da schleichen sich auch mal deutlich schlechter funktionierende Nummern ein. Das insgesamt eher langatmige BRING BACK THE FIRE beispielsweise, dem das gewisse Etwas fehlt – und auch MAGIC FLUTE geht recht schnell die Puste aus. Und das nicht zuletzt Dank des erneut viel zu behäbigen Refrains, der weder besonders packend noch besonders emotional dargeboten wird.

Das sollten eigentlich Kleinigkeiten sein, die Dank der zahlreichen anderen Vorteile nicht allzu sehr ins Gewicht fallen sollten – doch im Falle von HOPE IN US wird jenes gerade schon angesprochene Lamentieren (welches sich im weiteren Verlauf nicht mehr allein auf die Refrains beschränkt) zu einem echten Problem. Schließlich klingen und wirken MORAVIUS nur selten so emotional, wie sie es eigentlich sollten. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Ballade WINGS OF ANGELS – die merkwürdig gezweungen klingt, Dalibor „Panther“ Halamíček recht ungünstig abschneiden lässt; und auch sonst recht monoton und gleichförmig durch die Boxen rauscht. Leider findet sich jene Monotonie dann auch in gänzlich anderen Bereichen wieder, etwa in Bezug auf den Gastauftritt von Tommy Johansson (REINXEED) in DON’T WASTE YOUR TIME. Und das schlicht, da der Gastsänger hier einen viel zu großen Raum einnimmt, und der Band lediglich in einer kurzen Solipassage Platz zur Entfaltung gibt. Selbst den Refrain singt Johansson selbst und komplett allein – wie schön wäre es doch gewesen, hier eine abwechselnde Performance mit Dalibor „Panther“ Halamíček oder zumindest einen schmackigen MORAVIUS-Chor zu hören.

Instrumentell gibt es dagegen nichts, oder nur höchst selten etwas auszusetzen – analog zur absolut runden Produktion, die perfekt zur Marschrichtung der Band zu passend scheint. Schlussendlich, und leider: dieses Mal überzeugen MORAVIUS nicht wirklich, auch wenn vergleichsweise massive gute Ansätze vorhanden sind. Eben so, wie sie schon auf dem Vorgänger KING’S GRAVE präsent waren – wo sie aber wesentlich besser und effektiver genutzt wurden. Bis auf den gelungenen Auftakt – der so viel mehr verspricht – ist HOPE IN US insgesamt viel zu unspektakulär und Highlight-arm geworden, als dass man es allgemein empfehlen könnte.

Absolute Anspieltipps: HOPE IN US, MORAVIUS, BROKEN FAME


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„Für eingeschworene Fans – nächstes Mal hoffentlich wieder für alle.“

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