Metal-CD-Review: SABATON – Heroes (2014)

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Alben-Titel: Heroes
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. Mai 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Pär Sundström – Bass
Joakim Brodén – Vocals, Keyboards
Thobbe Englund – Guitars
Chris Rörland – Guitars
Hannes Van Dahl – Drums

Track-Liste:

1. Night Witches (03:01)
2. No Bullets Fly (03:37)
3. Smoking Snakes (03:14)
4. Inmate 4859 (04:26)
5. To Hell and Back (03:26)
6. The Ballad of Bull (03:53)
7. Resist and Bite (03:27)
8. Soldier of 3 Armies (03:38)
9. Far from the Fame (03:47)
10. Hearts of Iron (04:28)

Huldige den Helden von dereinst – und denen von heute.

Wenn die SABATONsche Kriegsmaschinerie zum Angriff bläst, gibt es eigentlich immer etwas zu feiern. Mit ein Grund dafür ist, dass sich die schwedischen War- und Power Metaller im Laufe der Jahre noch keinen größeren Fauxpas geleistet haben – ihre bisherigen sechs Alben waren allesamt hörenswert. Und manchmal, da schlug das Pendel sogar nach ganz oben hin aus – wie etwa beim furiosen Erstwerk PRIMO VICTORIA (siehe Review) oder beim beinahe ebenso guten THE ART OF WAR (Review). Nach CAROLUS REX (Review) erscheint nun das heiß erwartete siebte Studioalbum der schwedischen Recken um den stimmgewaltigen Frontmann Joakim Broden – welches auf den schlichten Namen HEROES getauft wurde und 10 neue Titel nach typischer SABATON-Manier beinhaltet.

Die erste Auffälligkeit ist, dass das Album mit einer Gesamtspielzeit von knapp 36 Minuten nun wieder etwas kompakter ausfällt als noch CAROLUS REX – erst recht wenn man bedenkt, dass es sich eigentlich um ein Doppelalbum handelte (einmal mit der regulären englischen Version, und einmal mit einer exklusiven schwedischen). Das will indes noch nichts heißen – das erledigt erst die zweite Auffälligkeit respektive erste riesige Überraschung im bisherigen SABATON-Universum. Der Grund dafür ist schnell gefunden: wer erwartet, hier schlicht nur mehr Material im Stile der alten Band-Scheiben auf die Lauscher zu bekommen; könnte sich eventuell wundern. Tatsächlich haben die Schweden ordentlich an ihrem Sound gebastelt, und erreichen mit HEROES nun eine gänzlich neue Sphäre des War Metal – oder wie auch immer man es nennen möchte, was SABATON seit über einen Jahrzehnt machen Anders gesagt: es war schlicht noch nie so spannend, ein SABATON-Album für sich zu entdecken.

Und das liegt vornehmlich an einer direkt hör- und spürbaren neuen Energie und Spielfreude. Einer, die sich allerdings nicht  in einem hohen Tempo oder einer besonders harschen Gangart (und damit wie auf einigen Alben zuvor) äußert – sondern vielmehr in einer bis dato nicht von SABATON gekannten Emotionalität und Ausdrucksstärke. Sicher, eine mitunter wuchtige Wirkung hatten einige der bisherigen Bandtitel; nicht zuletzt dank des jeweils hervorragenden Handwerks der Mitglieder sowie der seit jeher mehr als nur ordentlichen Produktion. HEROES indes generiert seine enorme Eindringlichkeit aus den intensiveren und besser recherchierten Textinhalten, einer immensen und so noch nicht präsentierten Vielseitigkeit von Band-Galionsfigur Joakim Broden – und insgesamt etwas langsameren, dafür aber umso spannenderen und dezent progressiv angehauchten Strukturen.

Gleichzeitig kommt auch der eher klassisch orientierte Heavy Metal-Anteil zurück (NO BULLETS FLY, RESIST AND BITE) – die Gitarren erhalten viel Raum, so gut wie alle Titel entfalten eine angenehm stampfende Wirkung. Dabei muss man indes nicht auf die von vielen geliebte hymnische Seite der Band verzichten. Auch wenn jene Eindrücke nun auch mal aus einer mächtigen Ballade wie THE BALLAD OF BULL oder dem erhabenen HEARTS OF IRON entstehen können – was neu und ungewohnt, aber allemal beeindruckend ist. Weitere Überraschungen finden sich ebenfalls, etwa mit einer Nummer wie TO HELL AND BACK als gefühlte Mixtur aus dem Schaffen von MANOWAR und ALESTORM – die von so SABATON so auch noch nicht bekannte abenteuerliche Atmosphäre überzeugt hier schnell. Gut ist auch, dass man sowohl auf ein Intro und Outro, sowie unnötige Zwischenspiele verzichtet hat. Stattdessen gibt es – zumindest in der vorliegenden Deluxe-Version, mit der man auch unbedingt Vorlieb nehmen sollte – noch zwei enorm starke Bonustracks, die das Album perfekt ergänzen (7734 und MAN OF WAR).

Fest steht: das entstehende Wechselspiel aus der typischen SABATON-Urgewalt inklusive der markanten Soundmerkmale seitens des Keyboards, sowie der neuerlichen und wenn man so will anspruchsvolleren Seite der Band geht auf HEROES voll auf. Das Album markiert so das absolute Gegenteil zu einem Werk wie COAT OF ARMS, bei dem man sich – vermeintlich pünktlich zum Label-Umzug – plötzlich deutlich simpler und eingängiger gab als es der Band zuträglich gewesen wäre. Sicher, ein schlechtes Genre-Album war COAT OF ARMS dennoch nicht – doch vergleicht man es mit HEROES, so lässt sich einfach nicht verhehlen dass zwischen jenen beiden SABATON-Werken Welten liegen. Vor einer Leistung wie dieser kann man sich nur verneigen – die Schweden haben hier absolut alles richtig gemacht. Und das war so sicher nicht unbedingt zu erwarten – erst Recht nicht wenn man bedenkt, dass es sich um das mittlerweile siebte Album der Band handelt. Gleichzeitig ist dieses nun erste, welches schier bedenkenlos eine Höchstwertung erhalten kann. Chapeaú !

Absolute Anspieltipps: NIGHT WITCHES, SMOKING SNAKES, INMATE 4859, HEARTS OF IRON, 7734


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„Schlechte Alben haben SABATON eigentlich noch nie abgeliefert – aber im siebten Anlauf kracht es so richtig.“

Aufgrund der hohen Wertung hat sich dieses Album einen Platz in der ewigen Metal-Bestenliste erkämpft.

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3 Gedanken zu “Metal-CD-Review: SABATON – Heroes (2014)

  1. Wenn man diesen Artikel in einer Sabatoncommunity geposted haääte, wäre „Firestorm“ noch untertrieben, wenn es darum ginge, die Kommentare zu beschreiben. Was ich damit sagen will ist, dass das ALbum sehr umstritten ist – und ich bin umso froher, dass sich diese Review mit meiner Meinung zum Album weitestgehend deckt.

    Ja, wäre vermutlich mal interessant gewesen… aber fast 3 Jahre nach dem eigentlichen Veröffentlichungstermin bin ich wohl ohnehin etwas spät dran mit dieser Rezension.^^ Freut mich, dass Du dem Album offenbar ebenso euphorisch gegenüberstehst wie ich – ich hatte eigentlich schon damit gerechnet, dass mich kein Sabaton-Album mehr so richtig packt. Sicher, gut bis sehr gut sind sie eigentlich alle – doch dass ich tatsächlich noch einmal die 10/10 zücken würde, war so auch für mich nicht abzusehen. Seitdem läuft das Ganze jedenfalls in einer Dauerschleife…

    Danke auch für Deine anderen nachträglich eingereichten, ausführlichen und wie immer interessanten Kommentare zur SABATON-Diskografie !

    Gefällt mir

    1. „haääte“, was ist mir denn da passiert? xD

      Mir gings bevor ich Heroes gehört hab relativ ähnlich, war zwar gehyped, als To Hell and Back als Teaser veröffentlicht wurde, aber dass ich das Album fast anderthalb Monate in der Dauerschleife hab, damit hätte (oder sollte ich lieber „haääte“ sagen? xD) ich nicht gerechnet ^^

      Gefällt 1 Person

  2. Wenn man diesen Artikel in einer Sabatoncommunity geposted haääte, wäre „Firestorm“ noch untertrieben, wenn es darum ginge, die Kommentare zu beschreiben. Was ich damit sagen will ist, dass das ALbum sehr umstritten ist – und ich bin umso froher, dass sich diese Review mit meiner Meinung zum Album weitestgehend deckt.

    Night Witches: Mit Abstand eines der besten Lieder, die Sabaton jemals veröffentlicht hat, Text, Stimmung, Melodie, es passt einfach alles.

    No Bullets Fly: Thematisch in der Luft bleibend, ist dieses Lied von sowohl von der zugrunde liegenden Begebenheit als auch vom musikalischen her grundlegend anders – jedoch nicht minder gut.

    Smoking Snakes: Das eine Lied, das sich in (fast) jedem Album findet, dessen Wertung stark von meiner Stimmung abhängt – diesmal zwischen 5.5 und 9.0 in etwa.

    Inmate 4859: Die Debatte über ein zum Mitsingen einladendes Lied über Auschwitz mal dahingestellt (ich finde sie absolut lächerlich), ein bombastisches Lied, das gleichzeitig begeistert und melancholisch macht.

    To Hell and Back: Das einzige Lied, das Night Witches den Titel des Besten Stückes streitig machen kann. Mehr muss ich dazu vermutlich nicht mehr sagen, ich würde ohnehin nur das wiederholen, was ich bereits zu Night Witches gesagt habe.

    The Ballad of Bull: Während es musikalisch betrachtet zweifelsohne ein gutes Lied ist, konnte ich es nie wirklich gerne hören, es trifft meinen Geschmack einfach überhaupt nicht.

    Resist and Bite: Ein Satz: Wer hier nicht das Bedürftnis verspürt, so laut wie möglich mitzusingen, sollte zum Arzt gehen.

    Soldier of 3 Armies: Grundsolides Stück, geht jedoch im absolut überragenden Album irgendwie unter.

    Far from the Fame: Wer denkt, dieses Lied passt vom Stil her nicht ganz in das Album, hat völlig recht: Es wurde ursprünglich für ein früheres komponiert, verworfen und mit eroes zum Glück letztendlich doch veröffentlicht. Erneut nichts wirklich besonderes, aber nichtsdestotrotz ein wilkommener Zusatz.

    Heart of Iron: Mit Abstand eins der emotionalsten und kraftvollsten Lieder, die ich kenne. Wenn ich mich mal wieder beim Mitsingen erwische, kann es durchaus vorkommen, dass ich dabei Tränen in den Augen habe. 10.0, einfach nur grandios.

    7734: Solides bis gutes Lied, auch wenn ich den Hype darum nicht ganz verstehen kann, dazu fehlt mir ein klein wenig die Abwechslung.

    Man of War: Als jemand, der schon im zarten Alter von 5 Jahren mit Manowar Bekanntschaft geschlossen hat ein absoluter Traum. Mehr kann und will ich dazu eigentlich auch nicht sagen.

    Bonustracks:

    For whom the Bell tolls: Grandioses Cover eines ohnehin bombastischen Lieds. Hätte das Album niht ohnehin schon die Höchstwertung inne, würde es dafür einen halben Punkt bonus bekommen.

    Out of Control: Ebenfalls ein grandioses Cover eines ohnehin brillianten Liedes, jedoch nicht ganz so gut, dass es einen Bonuspunkt geben würde (nicht, dass das noch irgendeinen Einfluss hätte)

    En hjältes väg: Da ich kein Schwedisch kann, bin ich mir nicht über die Bedeutung des Textes im klaren, wodurch das Lied auf mich relativ eintönig und irgendwie fehl am Platz wirkt.

    Abschließend kann ich diesem Album – wie bereits mehrfach angeteasert – nur die Höchstwertung von 10.0 geben.

    Favoriten: Night Witches, No Bullets Fly, To Hell and Back, Resist and Bite, Hearts of IRon, MAn of War, For whom the Bell tolls, Out of Control

    Da das hier die letzte Albenreview für Sabaton ist, hier noch meine Meinung zu Liedern, die außerhalb von Alben released wurden:

    Kingdom Come: Vom instrumentalteil her sehr gut umgesetztes, im Gesang allerdings zu wünschen übrig lassendes Cover

    Harley from Hell: Grandioses Lied, Traurig, dass es nur auf einer Bonus-CD im Metal Hammer Magazin veröffentlicht wurde, zu wenig Leute kennen dieses unfassbar ohrwurmige Lied.

    Gefällt 1 Person

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