Metal-CD-Review: HALEN – Nackskott (2016)

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Alben-Titel: Nackskott
Künstler / Band: Halén (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. Dezember 2016
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Ola Halén – Vocals
Olle Lindroth – Drums

Track-Liste:

1. Cut Her by Surprise (05:33)
2. Perish (05:30)
3. Alive (06:18)
4. Relentless Soul (04:58)
5. Foolish Pain (04:10)
6. Nocturne (05:44)
7. Fucked App (04:46)
8. Desperation & Dynamics (06:26)
9. Moonstruck (05:34)
10. Minns Mig (06:12 )

Von Genickschüssen und anderen Schmerzen.

Es war einmal vor einigen Jahren… als eine ohnehin schon gut aufgestellte Power Metal-Band aus Stockholm plötzlich Zuwachs in Form eines gewissermaßen einzigartigen Frontsängers bekam. Die Rede ist natürlich von INSANIA, einer 1992 gegründeten Band – die Genre-Liebhaber schon mit ihren frühen Werken WORLD OF ICE (1999) sowie SUNRISE IN RIVERLAND (2001) überzeugen konnte. Ihr eigentliches Meisterstück realisierten die Schweden aber erst im Jahre 2003, und zwar mit dem großartigen FANTASY – A NEW DIMENSION (Review) – einem Album, auf dem ein bis dato weitestgehend unbekannter Ola Halén erstmals in die breitere Öffentlichkeit trat. Zweifelsohne mit einem einschneidenden Erfolg: das Album kann bis heute problemlos als eines der besten überhaupt bezeichnet werden (siehe Liste der besten Power Metal-Alben), und Ola Halén hätte keinen besseren Genre-Einstand hinlegen können.

Und auch wenn er sich nie gänzlich aus der Szene verabschiede, wurde es bald darauf schon wieder verdächtig ruhig um den vielversprechenden Sänger. Zwar trat er 2007 noch einmal auf dem INSANIA-Album AGONY – GIFT OF LIFE (Review) auf, und agierte weiterhin als Leadsänger seiner zweiten Band SHADOWS PAST – doch ein weiterer Paukenschlag wie auf und mit FANTASY – A NEW DIMENSION sollte dem Schweden seltsamerweise verwehrt bleiben. Seitdem ist allerdings schon wieder über ein Jahrzehnt vergangen – sodass sich Ola Halén gedacht haben könnte, es noch einmal zu versuchen.

Und das geschieht nun mit dem Soloprojekt HALÉN und der ersten korrespondieren Veröffentlichung NACKSKOTT. Das bedeutet so viel wie Genickschuss, wobei es nicht bei dieser einen Auffälligkeit bleibt. Ein Blick auf das nicht gerade einladende Cover und die Bezeichnung der enthaltenen Titel geben einen weiteren Aufschluss darauf, dass hier irgendetwas anders ist – anders als bei Ola Halen’s bisherigen Projekten. Und tatsächlich klingt NACKSKOTT ein wenig so wie die fleischgewordene Fantasie eines zweifelsohne talentierten, aber weitestgehend verkannten und verzweifelten Musikers.

Denn auf den ersten Anflug einer frischen Brise und den hohen Wiedererkennungswert der sicher einzigartigen Stimme von Ola Halen folgt sogleich die Ernüchterung: auch wenn textlich Abstand von allzu typischen Power Metal-Klischees genommen wird, ist das Album rein inhaltlich nicht sonderlich interessant. Das ist indes noch nichts das schlimmste, denn auch akustisch bleibt NACKSKOTT weit hinter den potentiellen Erwartungen zurück. So klingt das Ganze bei weitem nicht so wie eine ausgefeilte, in allen Einzelheiten perfekte Produktion eines langjährig aktiven Genre-Enthusiasten – sondern im schlimmsten Fall wie eine Demo einer unbekannten Band. Immerhin einer mit einem positiv hervorstechenden Leadsänger, doch alle Instrumente sowie speziell das einstweilen etwas zu vordergründige Keyboard mit seinen symphonischen Spielereien bedienen die absolute Genre-Basis; nicht mehr und nicht weniger.

Und das ist dann doch etwas ernüchternd, zumal Ola Halen mit INSANIA oder auch SHADOWS PAST ganz andere Voraussetzungen hatte. Weitaus treffendere, möchte man sagen. Denn auch wenn es sich bei NACKSKOTT um ein Herzensprojekt des Musikers handeln mag, fühlt es sich zumindest für den geneigten Genre-Hörer wie ein qualitativer Abstieg an. Und das nicht nur aufgrund der halbgaren Produktion. So sorgen nur wenige Momente – wie etwa das stärkere MOONSTRUCK – für ein Aufhorchen.

Schlussendlich ist somit vor allem eines festzustellen: Ola Halen’s Stimme mag einzigartig sein, und sein gesangliches Auftreten meist einzigartig gut – doch reicht das allein nicht aus, um ein Solo-Album sinnig zu füllen. Im Gegenteil, irgendwann wird das Ganze sogar eine auffällig anstrengende Angelegenheit. Wie schön wäre es daher, wenn Ola Halen wieder Mitglied einer auf ihn zugeschnittenen Genre-Combo werden würde. Doch man wird ja wohl noch träumen dürfen, respektive einem Album wie FANTASY – A NEW DIMENSION hinterhertrauern.

Absolute Anspieltipps: ALIVE, DESPERATION & DYNAMICS, MOONSTRUCK


50button

„Gesanglich stark und einzigartig – davon abgesehen aber eher simpel und nicht zuletzt dezent exzentrisch.“

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