Filmkritik: „Lauf Junge Lauf“ (2013)

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Originaltitel: Lauf Junge Lauf
Regie: Pepe Danquart
Mit: Kamil Tkacz, Andy Tkacz, Elisabeth Duda u.a.
Land: Frankreich, Deutschland
Laufzeit: ca. 107 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama, Kriegsfilm, Historie
Tags: Zweiter Weltkrieg | Holocaust | Flucht | Vertreibung | Überleben

Wer nicht läuft, stirbt.

Kurzinhalt: Während des Zweiten Weltkrieges werden nicht wenige, hauptsächlich deutsche und polnische Juden auf engstem Raum im sogenannten Warschauer Ghetto zusammengepfercht. Und auch wenn es beinahe unmöglich erscheint, schafft es der erst neunjährige Srulik (Andrzej und Kamil Tkacz) eines Tages aus eben jenem abgegrenzten und streng bewachten Bereich zu fliehen – woraufhin eine außergewöhnliche Odyssee mit ungewissem Ausgang beginnt. Zunächst bleibt ihm kaum etwas anderes übrig, als sich in den nahe gelegenen Wäldern zu verstecken und das mögliche Ende des Krieges abzuwarten. Doch alsbald steht für ihn fest, dass er es nicht alleine schaffen kann. So entschließt er sich, den Kontakt mit anderen Menschen zu suchen – von denen er nie genau wissen kann, wie vertrauenswürdig sie sind. Glücklicherweise jedoch scheint die zu diesem Zeitpunkt allein lebende Bäuerin Magda (Elisabeth Duda) dem Jungen helfen zu wollen. Mit einem neuen Namen und dem gleichzeitigen Verleugnen seiner eigentlichen Religion beginnt der Junge daraufhin, auch bei anderen Bauern nach Arbeit und Brot zu fragen – immer mit dem Ziel das Ende des Krieges noch zu erleben, und eines Tages die verbleibenden Mitglieder seiner Familie wiederzufinden.

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Kritik: LAUF JUNGE LAUF ist ein deutsch-französisches Kriegsdrama von Pepe Danquart, der sich bei seiner Schilderung einer Flucht in Zeiten des Zweiten Weltkriegs auf eine gleichnamige Buchvorlage von Uri Orlev stützt. Eben daraus ergibt sich auch die relative Besonderheit des Films: die auf einer wahren Begebenheit beruhenden Ereignisse werden konsequent aus einer kindlichen und somit recht unbefangenen Erzähl-Perspektive heraus geschildert. Das mag vor allem in Anbetracht der unzähligen anderen bereits abgedrehten Genre-Filme kein gänzliches Novum mehr sein, und führt an einigen Stellen des Films zu kleineren Problemen in Bezug auf die Glaubwürdigkeit – doch letztendlich macht LAUF JUNGE LAUF damit eine überraschend gute Figur. Sicher auch, da der Film auf eine sonst übliche Schwarzweißmalerei verzichtet, viele stimmungsvolle Bilder und einen dazu passenden Soundtrack liefert; und mit den bis dato unbekannten Haupt- und Nachwuchsdarstellern Andrzej und Kamil Tkacz den wohl größten Glücksgriff landete. Erst die Leistung der beiden Zwillinge führt dazu, dass man den gesamten handwerklichen und technischen Part des Films unbesorgt absegnen kann – was für die inhaltliche Komponente und die damit erzielte Wirkung indes leider nur in Teilen gilt.

Sicher, im Bereich der Kriegsfilme und der bestenfalls eindringlichen Weltkriegsdramen sollte man allgemein weniger von einem im Filmgeschäft üblichen Konkurrenzverhalten, als vielmehr um ganz und gar persönliche Geschichten mit einer allgemeinen Bedeutung ausgehen. Doch so wertvoll und wichtig die einzelnen Geschichten auch erscheinen mögen – es bleibt auch hier nicht aus, dass sich die Geschichten irgendwann wiederholen und jemand anderes schon entsprechend vorgelegt hat. LAUF JUNGE LAUF bietet dem Zuschauer so gesehen nichts, was man nicht bereits in Filmen wie dem ebenfalls aus einer Kinderperspektive erzählten DER JUNGE IM GESTREIFTEN PYJAMA (Review), DIE KINDER VON PARIS (Review) oder dem eher unbekannten EDGES OF THE LORD hat sehen können – und diese drei Beispiele stammen ebenfalls aus der jüngeren Filmgeschichte. Ein vorschnelles Urteil darüber, ob sie ihre Sache wirklich besser machen; erscheint indes nicht wirklich angebracht. Es gilt wie so oft, sich selbst ein Bild zu machen – wovon im Falle von LAUF JUNGE LAUF nicht explizit abzuraten ist. Ein Status als Meisterwerk oder ganz und gar besonderes Kriegsdrama wird ihm allerdings ebenfalls verwehrt bleiben.


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„Ein gutes, aber nicht herausragendes Kriegsdrama.“

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Lauf Junge Lauf“ (2013)

  1. Mich hat der Film stellenweise sehr berührt…vor allem die Szene in der der zerbrechlich wirkende Junge mit nacktem Oberkörper das Resultat der Armamputation im Spiegel betrachtet und wimmert. Danach kannst du mich wegschmeissen. Ich hab fast schon alles wieder vergessen, aber diese Szene bleibt und tut immer noch weh. 😦 7/10

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