Filmkritik: „Birnenkuchen Mit Lavendel“ (2015) | Rezension, Analyse, Interpretation

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Originaltitel: Le Goût Des Merveilles
Regie: Eric Besnard
Mit: Virginie Efira, Benjamin Lavernhe, Lucie Fagedet u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Tragikomödie
Tags: Frankreich | Provence | Land | Heimat | Autismus | Asperger

Willkommen auf Wolke 37.

Kurzinhalt: Nach dem Tod ihres Mannes kümmern sich Louise (Virginie Efira) und ihre beiden Kinder Emma (Lucie Fagedet) und Felix (Léo Lorléac’h) allein um den familiären Landwirtschaftsbetrieb in der idyllischen französischen Provence. Doch trotz der guten Pflege und des Verkaufs diverser Erzeugnisse reichen die Einnahmen nicht aus, um die Kredite bei der Bank zu bedienen. So schlägt sich Louise Tag für Tag durch, und überlegt Teile ihres Landes notgedrungen an den befreundeten Paul (Laurent Bateau) zu verkaufen. Eines Tages aber fährt sie den zufällig in der Gegend umher wandernden Pierre (Benjamin Lavernhe) mit ihrem Auto an. Glücklicherweise wird der dabei nicht schwer verletzt. Doch anstatt sich über die Unachtsamkeit der jungen Frau zu beschweren, scheint er sich schnell auf seltsame Art und Weise zu ihr hingezogen zu fühlen. Auch über den ersten ungewöhnlichen Kontakt hinaus verhält sich Pierre dabei alles andere als gewöhnlich – was bei Louise zunächst eine gesunde Skepsis auslöst, ihr und vor allem ihren beiden Kindern aber offensichtlich gut bekommt. So bringt der Fremde einen frischen Wind in das Leben der Witwe, sensibilisiert sie für Dinge die sie im Laufe der Jahre vernachlässigt hat – und hilft ihr ganz nebenbei bei dem Unterfangen, ihren Bauernhof mitsamt all den Birnenbäumen und Lavendelfeldern zu retten.

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Bewertung: Zugegeben, der für den deutschen Markt erdachte Titel BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL erscheint in Anbetracht der Bedeutung des französischen Originaltitels LE GOUT DES MARVEILLES (in etwa: der Geschmack eines Wunders) nicht ganz glücklich gewählt. Umso überraschender und tiefschürfender ist das, was Eric Besnard hier mit einem wahnwitzig starken und sympathischen Figuren-Ensemble auf die Beine stellt. Ohne bemerkenswerte komödiantische Anteile, aber doch mit einer gewissen Leichtigkeit und viel Platz für sensationelle Landschaftsbilder rückt die hervorragend gefilmte Tragikomödie eine etwas andere zwischenmenschliche Beziehung in den Vordergrund – und brilliert dabei vor allem mit dem gleichermaßen lebendigen wie aufwühlenden Porträt der mit einer Form des Asperger-Syndroms lebenden Hauptfigur Pierre. Die wird von Benjamin Lavernhe gespielt – der sonst eigentlich eher im Bereich des Theaters unterwegs ist, hier aber eine wunschlos glücklich machende Performance abliefert.

LE GOUT DES MARVEILLES ist damit alles andere als eine typisch-klischeehafte Romanze oder eine Liebeskomödie mit formelhaft agierenden Charakteren – was angenehm zu sehen ist, den Film speziell von der internationalen Konkurrenz abhebt und ihn im besten Fall auch nachhaltig wirken lässt. Potentielle Kernbotschaften gerade in Bezug auf das Erleben von Personen die ihren Partner verloren haben, die oftmals zu unnötigem Schubladendenken neigende Gesellschaft sowie das Streben nach finanzieller Absicherung ohne einen ganzheitlichen Blick runden das Ganze ab. Anders gesagt: abgesehen von seinen hie und da doch noch sporadisch auftretenden Längen und den kaum vorhandenen Wendungen, Überraschungen oder expliziten Höhepunkten macht der Film vieles richtig. LE GOUT DES MARVEILLES mag kein Meisterwerk sein, erscheint aber aus seiner inhaltlichen und handwerklichen Warte heraus ansprechend – und hat durchaus das Zeug dazu, als zunächst unscheinbarer französischer Geheimtipp durchgehen zu können.


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„Eine idyllisch inszenierte, angenehm ruhige und zutiefst sympathische französische Tragikomödie mit starken Figuren.“

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