Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Land Of The Free II (2007)

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Alben-Titel: Land Of The Free II
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. November 2007
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars, Vocals
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dirk Schlächter – Bass
Dan Zimmermann – Drums

Track-Liste:

1. Into the Storm (03:47)
2. From the Ashes (05:26)
3. Rising Again (00:27)
4. To Mother Earth (05:11)
5. Rain (05:16)
6. Leaving Hell (04:20)
7. Empress (06:22)
8. When the World (05:44)
9. Opportunity (07:14)
10. Real World (05:42)
11. Hear Me Calling (04:14)
12. Insurrection (11:33)

Frei wie ein Vogel, Teil 2.

Wer GAMMA RAY nicht kennt, hält diesen Status entweder aus Absicht aufrecht – oder hat sich schlicht noch nicht intensiver mit der Geschichte des Power Metal auseinandergesetzt. Nicht umsonst gilt die aus Hamburg stammende Combo als absolutes Genre-Urgestein, welches zusammen mit HELLOWEEN den ein oder anderen Weg bereitet hat – und die dabei auch heute noch aktiv ist. Außer Frage steht dabei, dass GAMMA RAY während ihrer mittlerweile 27-jährigen Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt haben – was sich auch in der illustren Diskografie niederschlägt. Einer allgemein sehr hochkarätigen, die mit vielen kleineren Veröffentlichungen daherkommt – doch letztendlich geben eben doch die Studioalben den Ausschlag. Nach einer immensen Welle des Erfolges und beinahe gänzlich unantastbaren Werken wie SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review), NO WORLD ORDER (Review) oder MAJESTIC (Review) sollte 2007 LAND OF THE FREE II erscheinen – was leicht überraschend war, da wohl kaum jemand mit einem zweiten Teil des schon 1995 veröffentlichten LAND OF THE FREE (Review) gerechnet hat. Vor allem aber drängte sich eine Frage auf: würden GAMMA RAY das qualitative Niveau des Originals halten können, und das im besten Fall ohne es bloß zu kopieren ?

Und tatsächlich: nach den zahlreichen vorangegangenen Erfolgsalben kann man in diesem Fall erstmals nicht gänzlich verhehlen, dass die Antwort auf diese Fragen von einer merklichen Ambivalenz geprägt ist. Zwar hat LAND OF THE FREE II locker das Zeug dazu, als eigenständiges Werk zu fungieren – und ist so gesehen eine durchaus sinnige Fortsetzung ohne den berühmt-berüchtigten Wiederholungseffekt. Doch zum besten, was sich die Band jemals geleistet hat; gehört das hier präsentierte Material eben auch nicht. Anders gesagt: auch wenn sich GAMMA RAY mit LAND OF THE FREE II noch immer über dem Genre-Durchschnitt bewegen, ist stellenweise ein deutlich Rückschritt zu spüren und zu hören. Einer, der sich sowohl im Detail; aber auch im Großen und Ganzen widerspiegelt. Generell ist festzustellen, dass man es in nicht wenigen der insgesamt 12 enthaltenen Nummern eher ruhig respektive simpel angehen lässt – und das betrifft nicht nur die Textinhalte wie etwa in TO MOTHER EARTH, sondern auch die musikalischen Kompositionen.

Die sind zwar noch immer recht knackig und einwandfrei als GAMMA RAY-Material zu identifizieren, doch hinsichtlich der noch auf MAJESTIC gezeigten Genialität und Vielschichtigkeit muss LAND OF THE FREE II glasklar hintenan stehen. Überhaupt wirkt das Album in vielerlei Hinsicht zahmer und damit auch etwas weniger wirksam – auch wenn viele Nummern rein Tempo-technisch aus dem Vollen schöpfen und mit einigen knackigen Riffs und furiosen Soli daherkommen. Doch sei es, dass hie und da mal ein eher ungünstiger Refrain (FROM THE ASHES), ein überflüssiges und störendes Interlude (RISING AGAIN), fast schon penetrant wirkende Doublebass-Attacken ohne wirkliche Variation (schon wieder trifft es MOTHER EARTH), ein eher plump wirkendes RAIN oder ein desillusionierendes REAL WORLD auftauchen – wirklich rund klingt das Album nicht. Damit ist es zwar eine eher seltene Ausnahme, zumal es seit dem 1993 erschienen INSANITY AND GENIUS-Album so gut wie nichts mehr an GAMMA RAY zu bemängeln gab – doch etwas schade ist es natürlich trotzdem.

Hinzu kommt, dass das Album mehr Querverweise auf andere Bands enthält als jedes andere GAMMA RAY-Album zuvor. Sicher wollte Kai Hansen nur seine Faszination für andere Pioniere wie etwa IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST ausdrücken, was nett ist – aber ebenfalls kein gutes Argument für die ohnehin wackelige Originalität von LAND OF THE FREE II markiert. Andererseits ist es aber eben auch Kai Hansen, der für die Haben-Seite des Albums verantwortlich ist – sein beinahe unveränderter, gleichermaßen markante wie qualitative Leadgesang ist ebenso fulminant wie sein versiertes Gitarrenspiel. Auch gilt anzuführen, dass das Album durchaus mehre Durchläufe braucht; und dabei noch etwas wachsen kann. Dennoch: eine Differenzierung vorzunehmen schadet nicht. LAND OF THE FREE II ist schlussendlich keines der besseren GAMMA RAY-Alben, und sollte vor allem Fans ansprechen die ihre Sammlung vervollständigen möchten.

Absolute Anspieltipps: INTO THE STORM, LEAVING HELL, WHEN THE WORLD, INSURRECTION


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„Ein solides Album, aber ein dezenter Rückschritt für GAMMA RAY-Verhältnisse.“

Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Land Of The Free II (2007)

  1. Im Gedächtnis geblieben ist mir tatsächlich immer noch „Leaving Hell“, sowas wie das schnelle brachiale Pendant zu „I want out“ von Helloween. ^^ Ich glaube “ Insurrection“ fand ich auch noch gut. So. Damit ich auch in der Sparte mal wieder was geschrieben habe.😀

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